Susanne Grobien (CDU) zu Bremens Lufthansa-Problem: „Wir fliegen ja nicht zum Shoppen nach Frankfurt…“

Hafenpolitische Sprecherin der Bremer CDU: Susanne Grebien

BREMEN – Das Wehklagen ist groß in Bremen und Paderborn über die Entscheidung der Lufthansa, unrentable Strecken zu schließen. Während man sich in Ostwestfalen in das Unvermeidbare zu fügen scheint, rühren die Hanseaten mächtig die Trommel, sammeln Unterschriften, geben starke Erklärungen ab und suchen den Dauerkontakt zur deutschen Musterairline. Denn im kleinsten Bundesland geht es nicht um Touristenflieger, sondern um die Schlagader der Wirtschaft dort.

Bremen, denken Sie jetzt vielleicht, was ist denn da so Wichtiges?

Nun, Merdes Benz, Airbus, Anheuser Busch und andere Schwergewichte hier sind unbedingt angewiesen darauf, als globale Player international angebunden zu sein. Bisher funktionierte das prima mit fünf täglichen Verbindungen zwischen Bremen und dem Mega-Airport in Frankfurt am Main.

Und der Hafen Bremerhaven ist im – nicht mehr so ausgeschlossenen Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Russland – ein wichtiger Logistik-Hotspot für die NATO. Hoffen wir, dass Bundeswehr und NATO auch ohne die Lufthansa handlungsfähig und vor allem flugfähig sind!

Zunehmend rumort es sogar in den normalerweise gegenüber dem rot-grün-roten Senat zahmen Bremer Medien. Haben dieser Senat und Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) die Alarmzeichen verschlafen? Hat man sich sicher gefühlt, verpasst rechtzeitig mit dem Lufthansa-Konzern das Gespräch zu suchen oder wenigstens Alternativen zu entwickeln?

Wir wollten wissen, wie die Opposition in der Bremischen Bürgerschaft die Lage einschätzt. Ein Gespräch mit Susanne Grobien, hafenpolitische Sprecherin der CDU im Landesparlament.

Frau Grobien, alle Parteien in der Bremischen Bürgerschaft appellieren an die Lufthansa, die täglichen Verbindungen nach Frankfurt doch nicht aufzugeben. Hätte man das mit der Airline nicht vorab schon klären können, wie wichtig das für das kleinste Bundesland tatsächlich ist?

Das alles ist nicht aus heiterem Himmel gekommen, und auf Senatsebene ist man mit der Lufthansa immer im Austausch gewesen. Aber dort hat man sich vielleicht zu wenig darum gekümmert, wie systemrelevant ein Regionalflughafen wie Bremen nun mal ist. Denkbar ist aber auch, dass die Lufthansa weiter denkt und politisch Druck aufbauen will etwa in Bezug auf die Luftverkehrssteuer, die doppelt so hoch ist, wie bei den Mitbewerbern.

Besonders spannend ist für Beobachter von außen ja, dass die Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt von der Linke in Interviews mit den Notwendigkeiten der Fluganbindung Bremens in alle Welt für die Bundeswehr-Logistik und die Rüstungsindustrie am Standort Bremerhaven wirbt. Waren die nicht mal Rüstungsgegner?

Zur Zeit sieht es so aus, als zögen in der Lufthansa-Krise alle relevanten Parteien in Bremen an einem Strang. Aber das ist nicht so. In Wahrheit ist man sich hinter den Kulissen überhaupt nicht einig. Grüne und Linke hadern bekanntlich mit Inlandsflügen insgesamt und wollen, dass der Individualverkehr am liebsten ganz auf die Bahn verlagert wird. So forderte die Partei ein Verbot von Privatjet-Flügen am Bremer Flughafen.

Die Grünen haben auch schon auf Parteitagen das Verbot von Passagierflügen diskutiert, was allerdings keine Mehrheit fand. Aber all diese politischen Debatten in Bremen werden natürlich auch von der Lufthansa-Zentrale registriert. Ich bin sicher, wir werden über dieses Thema noch harte Auseinandersetzungen bekommen.

Schon vor ihrer aktuellen Entscheidung, die Strecke von Bremen nach Frankfurt zu canceln, hat die Lufthansa betont, wie unrentabel diese Verbindung für das Unternehmen sei. Denken Sie etwa an die aktuell hohen Kerosinpreise! Hat Bürgermeister Bovenschulte die Lawine verschlafen, die auf Bremen zurollte?

Na, als erstes sollte man fragen, was eigentlich der Aufsichtsrat des Flughafen die vergangenen Jahre gemacht hat. Man war sich offenkundig zu sicher, dass diese ‚Bremen-Frankfurt-Kiste‘ irgendwie immer Bestand haben wird.

Angeblich gibt es jetzt intensive Gespräche zwischen Senat und Lufthansa, um zu retten, was noch zu retten ist. Was wäre Ihr Plan, die Anbindung Bremens an die Welt aufrecht zu halten?

Da passiert im Moment schon Einiges. Die Handelskammern in Bremen und dem Umland machen mächtig Druck, denn unser Flughafen hat ja auch Bedeutung für das Nordwest-Kreuz, also die geografische und funktionale Vernetzung der drei großen norddeutschen Verkehrsflughäfen Bremen (BRE), Hamburg (HAM) und Hannover (HAJ). Die sind im Grund nicht Konkurrenten, sondern liegen so nah beieinander, dass sie die ganze Wirtschaftsregion Nordwestdeutschland abdecken.

Der Bremen Flughafen bedient dabei nicht nur das Bundesland, sondern die ganze Region über Oldenburg bis hin ins westliche Niedersachsen. Und hier gibt es viele große mittelständische Unternehmen.

Kommen wir nochmal zu den globalen Schwergewichten wie Airbus, Mercedes oder auch die BLG Logistics Group. Sehen Sie die Gefahr, dass die mittelfristig abwandern?

Nein, die Unternehmen hier haben eine unglaubliche Dynamik und wir sehen ja gerade, wie klar die sich zum Standort bekennen. Bremen hat ein großes wirtschaftliches Potential, aber wir werden einfach schlecht regiert, Wir brauchen diese Verbindung Bremens in alle Welt, und wir fliegen ja nicht zum Shoppen nach Frankfurt.

Nebenbei bemerkt: Von Bremen demnächst über München nach Frankfurt zu fliegen, das ist klimatechnisch absolut unvernünftig.

Das Gespräch mit Frau Grobien führte Klaus Kelle.

Bildquelle:

  • Suanne_Grebien_CDU: thegermanz

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.