Geheimdienste haben China unterschätzt: US-Streitkräfte reaktivieren Nukleareinheit in Hessen

Das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa: Lucius D. Clay Kaserne in Mainz-Castell.
Anzeige

WIESBADEN – Das war eine Feierstunde der ungewöhnlichen Art. Das 56. US-Artilleriekommando mit Sitz in Mainz-Kastel hat zum ersten Mal nach Ende des Kalten Krieges in Deutschland eine Nukleareinheit der US-Streitkräfte reaktiviert und mit „Dark Eagle“-Langstrecken-Hyperschallraketen ausgestattet. Wenn diese Raketen vollständig entwickelt und eingesetzt werden, können sie 4.000 Meilen pro Stunde fliegen und könnten Moskau im Falle eines großen militärischen Konfliktes in nur 21 Minuten und 30 Sekunden erreichen.

Die Entscheidung zur Reaktivierung erfolgte inmitten stark anwachsender internationaler Spannungen und einer wachsenden Besorgnis im Pentagon, dass Russland bei der Entwicklung von Langstrecken-Artillerieraketen inzwischen die Nase vorne haben könnte.

Die Artillerie-Einheit der Amerikaner wurde 1942 aufgestellt und kämpfte während des Zweiten Weltkriegs in Europa, wurde aber 1991 mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion deaktiviert.

Der kommandierende General der Artillerieeinheit, General Stephen Maranian, sagte, die reaktivierte Einheit werde „der US-Armee in Europa und Afrika bedeutende Fähigkeiten in Multi-Domain-Operationen bieten“. Es wird dabei angenommen, dass die USA bei der Entwicklung einer Hyperschallwaffe in Rückstand geraten waren, bis letzten Monat bekannt wurde, dass die USA ihre Lieferung des „Dark Eagle“ abgeschlossen haben.

Im vergangenen Monat schien China die Führung im globalen Hyperschall-Wettrüsten übernommen zu haben. Da wurde bekannt, dass Peking eine nuklearfähige Rakete um die Welt fliegen lassen kann.

US-Geheimdienste und Militärbeamte waren Berichten zufolge geradezu fassungslos, dass China eine Rakete mit einem Hyperschall-Gleitfahrzeug ins All geschossen hatte, das den Globus umkreiste, bevor es auf sein Ziel zuraste.

Die nächste Generation von Waffen kann Geschwindigkeiten von bis zu 21.000 Meilen pro Stunde erreichen – und möglicherweise sogar noch schneller – und gilt als verheerende Entwicklung für die Kriegsführung. Hyperschallraketen seien ein „Game-Changer“, ist aus Militärkreisen zu hören, denn im Gegensatz zu ballistischen Raketen, die ins All fliegen, bevor sie auf steilen Flugbahnen zurückkehren, zoomen sie Ziele in geringerer Höhe heran. Konkret bedeutet die Kombination von Geschwindigkeiten von fünffacher Schallgeschwindigkeit – etwa 4.000 Meilen pro Stunde –, dass solche Flugkörper nur noch extrem schwer abzufangen seien.

Seit einiger zeit steht nicht mehr Russland ganz oben auf der Gefahrenliste der westlichen Allianz, sondern China, das sich technologisch immer näher an die nach wie vor führenden USA heranrobbt. Manche sehen China schon als das Land mit den am höchsten entwickelten Hyperschall-Raketenarsenalen an, in die viele Milliarden Dollar investiert wurden.

Viele in den westlichen Geheimdiensten bemängeln, man habe Peking unterschätzt. Eine tödliche Waffe, die eine Reichweite von 45.000 Meilen hat und im Weltraum operieren könne, veränderten die militärische Ausgangslage bei zukünftigen möglichen Konflikten enorm. Damit sei es möglich, dass solche Raketen ihre Ziele einmal festgelegt an jedem Fleck der Erde treffen können.

Eine gute Nachricht gab es dann doch noch. Die Financial Times berichtet unter Berufung auf Geheimdienstkreise, dass die chinesische Hyperschallrakete beim Test ihr Ziel um etwa zwei dutzend Meilen verfehlt habe. Aber das dürfte nur ein kurzer Aufschub bedeuten.

Bildquelle:

  • Lucius D. Clay_Kaserne: us army
Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren