Gold-Experte Wolfgang Seybold: „Kupfer wird bald extrem nachgefragt sein“

Finanz- und Goldexperte Wolfgang Seybold.
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ESSLINGEN – Wenn es etwas gibt, was so gut wie jeden Menschen im Moment treu begleitet, dann ist es ein permanenter Krisenmodus. Energiekrise, hohe Inflation, Klimawandel, Lieferketten mit schweren Unterbrechungen und ein Krieg an der europäischen Haustür. Gerade in diesen Zeiten ist der Wunsch nach Sicherheit und Stabilität sehr hoch. Ein seit über 4000 Jahren traditioneller Schutz ist bislang das Gold gewesen. Doch ist das weiterhin der Fall oder hat Gold als Krisenschutz seine Bedeutung verloren? Darüber sprach TheGermanZ mit dem Wolfgang Seybold, dem Geschäftsführer der AXINO Investment GmbH.

Wolfgang Seybold, Sie beschäftigen sich als AXINO-Geschäftsführer seit Jahrzehnten mit dem Goldmarkt und der Aktienbörse und haben viele Höhen und Tiefen erlebt. Wie ordnen Sie die aktuelle Situation in Deutschland, Europa und weltweit ein?

Also, um ganz ehrlich zu sein – extrem schwierig! Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal in einer solchen Marktlage gewesen zu sein. Sie ähnelt zwar 2008, wo die Finanzkrise beinahe unser Geldsystem zusammenbrechen ließ, aber heute haben wir zusätzlich noch eine extrem hohe Inflation, die meines Erachtens nach sogar weit über zehn Prozent liegt. Und wir haben global eine deutlich höhere Verschuldung. Dies umgarnt mit einer jahrelangen Null-Zins-Politik, die etliche Anlageklassen auf Grund der Geldflut entsprechend aufblähen ließ. Die aktuell scharfen Korrekturen an den Aktienmärkten waren von uns so erwartet, eigentlich schon früher.

Stichwort Inflation: In Deutschland aktuell bei 10,4 Prozent, in den USA bei 8,2, in Europa bei 10,9 und in Großbritannien bei 10,1. Glauben Sie, dass der Trend weiterhin anhalten wird?

Wie gesagt, ich glaube, dass die Inflation sogar noch höher ist, als uns die Statistiker hier weiß machen wollen. In den 80iger Jahren hat man das Berechnungsmodell entsprechend angepasst, man könnte auch sagen zu unseren Ungunsten modifiziert. Es ist recht schwer vorherzusehen, ob die ganzen Zinserhöhungen in USA zu einer nachhaltigen Eindämmung der Inflation führen. Auch die FED hatte noch nie so eine Situation. Ich vermute, dass die amerikanische Notenbank auch bei den Rohstoffpreisen im Markt eingreift und diese unter Umständen nach unten drückt.

Ich kann nicht verstehen, warum der Kupferpreis so schwach handelt, nur weil wir in eine Rezession schlittern. Kupfer ist das Metall, was in den nächsten Jahren extrem nachgefragt werden wird. Die gleiche Summe an Kupfernachfrage, die wir die letzten 60 bis 70 Jahre hatten, soll innerhalb der nächsten 20 Jahre entstehen. So viele Minen können gar nicht schnell genug in Produktion gebracht werden. Durch das Drücken der Industriemetalle und dem Ölpreis kann der Inflationsdruck sicherlich etwas eingedämmt werden. Das will die FED uns auch in den nächsten Monaten belegen, so nach dem Motto: „Seht, wir haben wieder alles im Griff und unsere Zinserhöhungen haben mehr als gefruchtet. Jetzt können wir ja mit diesen wieder aufhören!“

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihre Leser informieren, dass wir in den 70er, 80er und 90er Jahren auch schon sehr lange Phasen von 50 bis 150 zusammenhängenden Monaten hatten, in denen die Inflation über drei Prozent lag. Vermutlich befinden wir uns aktuell schon in einer Rezession, gefolgt dann von einer Stagflation – also Inflation ohne Wirtschaftswachstum. Also ich habe nicht damit gerechnet, dass die Inflation wieder schnell verschwinden wird, wie uns vor sechs Monaten die EZB noch weiß machen wollte. Heute glauben die Währungshüter allerdings auch nicht mehr an ihr selbst Vorhergesagtes. Inflation wird ja nicht nur durch Zinsen geregelt, sondern auch durch Angebot und Nachfrage. Stellen Sie sich längerfristig auf vier bis fünf Prozent Inflation ein!

Obwohl die Zentralbanken bereits mit Zinsanhebungen entgegenwirken?

Natürlich wissen wir das erst in zwölf Monaten. Und ich könnte mir vorstellen, dass die FED ihre Zinserhöhungsaktivitäten wieder zurücknehmen, bzw. stoppen kann. Irgendwie sind den Zentralbanken ja auch die Hände gebunden, wenn es um weitere Zinserhöhungsschritte gehen sollte. Wir haben jetzt schon eine Grenze erreicht, wo deutlich mehr Geld nur für Zinsen gedruckt werden muss! Das könnte auch gefährlich werden, ja sogar aus dem Ruder laufen, wenn die Notenbanken die Inflation nicht in den Griff bekommen. Viele Schwellenländer waren in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach ein Beispiel dafür, dass die Inflation aus dem Ruder laufen kann. So auch jüngst in der Türkei, die aktuell Inflationsraten von jährlich 80 Prozent ausweist!

Kommen wir zu Ihrem Kerngeschäft. Gold. Normalerweise gilt Gold ja als langfristiges Investment und Inflationsschutz. Allerdings ist der Goldpreis in den vergangenen drei Monaten über fünf Prozent gefallen. Wie hängt das miteinander zusammen?

Ja, Gold und Silber sind ein sicherer Hafen und der einzige Inflationsschutz, den Anleger wählen können. Die Medien verzerren dieses Bild. Schauen Sie sich den Goldpreis in anderen Währungen an, wie dem Euro oder der türkischen Lira! Bei den meisten Währungen steht der Goldpreis auf All-Time-High. Nur nicht beim US Dollar. Weil durch die Zinserhöhungen extrem viel Geld in Liquidität in Cash gehalten wird. Dieser Cash fließt noch in die Währung US Dollar. Dessen momentane Stärke drückt auf den Goldpreis, ist meines Erachtens aber auch nur temporär.

Ich bin gespannt, was die Chinesen mit ihren Tonnen wertloser US Dollars machen werden. Es würde mich nicht wundern, wenn diese demnächst mit einem Abverkauf beginnen, dann könnte der Goldpreis ganz schnell drehen.

Würden Sie dennoch Gold als Anlage weiterhin empfehlen? Und auf welche Art können Investoren vom Goldmarkt profitieren?

Ja, wer kein physisches Gold besitzt trägt ein höheres Risiko. Noch einmal, die Anleger sollten den Goldpreis in Euro anschauen, dieser weißt über die vergangenen zwölf Monate immer noch ein Plus von fast 15 Prozent aus. Im Gegenzug ist der DAX um 20 Prozent gefallen. Übrigens hat Gold die vergangenen 50 Jahre eine Performance von durchschnittlich acht Prozent erwirtschaftet. Das ist das 46-fache!

Sie sind für Minenunternehmen weltweit unterwegs. Auf welchem Kontinent liegt aktuell ihr Focus und gibt es ein Lieblingsprojekt, dass Sie gerade vertreten?

Das stimmt, die sogenannten Junior Mining Companies sind unsere Expertise. Projekte in Kanada und Australien sind in unserem Fokus. Eine über die Jahre aufgebaute Venture Beteiligung an der kanadischen Sonoro Gold Corp. könnte uns in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Outperformance liefern. Diese hatten wir bei Uran und Lithium von 2019 und 2021, wo wir unsere Gewinne realisiert haben. Bei den Goldtiteln war das bisher noch nicht möglich, im Gegenteil. die Kurse hängen fast ganz am Boden, eine Chance aus unserer Sicht. Aber nur mutige Anleger steigen ein, wenn keiner mehr investieren möchte. Wir nennen das auch Contrarian Investment.

Und warum gerade dieses Projekt?

Bei Sonoro Gold kenne ich das Management seit Jahrzehnten und war schon in anderen Gesellschaften der Macher investiert. Durch den Sonoro Chairman John Darch hatte ich zum Beispiel vor ca. 30 Jahren schon meinen ersten Tenbagger. Damals ging es um Exploration von Pottaschen (Kali) in Thailand. Sonoro möchte mit seinem Cerro Caliche Goldprojekt in Mexiko bereits Ende nächsten Jahres in Produktion sein. Alle Maßnahmen und Steps hierzu werden mit Hochdruck vorangetrieben. Im Oktober/November 2022 soll eine Überarbeitung der Vormachbarkeitsstudie veröffentlicht werden. Diese wird auch die erstklassigen Bohrergebnisse von dem Programm 2022 beinhalten. Demnach rechnen wir noch mit einer besseren Wirtschaftlichkeit, als der bisherigen Annahmen. Aber auch die Minenlizenz muss von der Regierung vor Produktionsbeginn erteilt sein. Alles wichtige Schritte, um von der Development-Phase in die Produktions-Phase zu gelangen Aber ohne Risiko gibt es halt auch kein Kurs-Vervielfachungspotential. Dies sollte jedem Anleger bewusst sein und auch in Kauf nehmen, wenn er sich für ein Engagement bei Junior Mining Aktien entscheidet.

Getreu unserem Motto: „Erst informieren, dann investieren,“ laden wir Ihre Leser ein, sich auf unserem Investorenportal www.axinocapital.de über die von uns vertretenen und auch investierten Unternehmen zu informieren. Anlageberatung machen wir keine, deshalb bitte auch unseren Disclaimer berücksichtigen, www.axinocapital.de/disclaimer.

Wolfgang Seybold ist Geschäftsführer der AXINO Investment GmbH mit Sitz in Esslingen am Neckar.

Bildquelle:

  • Wolfgang_Syebold: axino
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