Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
drei der vier Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im Februar haben sich gestern feierlich versprochen, im Wahlkampf fair miteinander umzugehen. Kanzler Olaf Scholz (SPD), Herausforderer Friedrich Merz (CDU) und Robert Habeck von den Grünen versprachen sich gegenseitig ausgerechnet in einer Pro7-Unterhaltungssendung, sich nicht gegenseitig herabzusetzen oder zu verletzen.
Wer nicht dabei war, das war die Kanzlerkandidatin der AfD, Alice Weidel.
Wir alle wissen, dass man sie überhaupt nicht gefragt hat. Und wir alle wissen, dass weder Scholz noch Merz noch Habeck auf die Idee kämen, mit Frau Weidel und der AfD respektvoll und fair im Wahlkampf umzugehen. Und Frau Weidel wird in der Kampagne die Boxhandschuhe anziehen, und ordentlich reagieren, wie sie es ja wirkungsvoll seit langem mit Erfolg macht. Das sehen wir an den Umfrageergebnissen.
„Trotz aller nötigen Zuspitzung, trotz allem Ringen um Unterschiede müssen wir ehrlich und fair bleiben“, sagte Kanzler Scholz in der Sendung, und wir werden uns an den Satz erinnern, wenn das undifferenzierte Nazi-Gequatsche seiner Partei gegenüber der AfD wieder beginnt.
„Lassen wir uns einander vertrauen. Ich bin heute hier, um genau das zu versprechen“, schaltete Scholz mühelos in den Wahlkampf-BlaBla-Modus und ich dann den Fernseher ab.
Sollten Politiker nicht immer respektvoll miteinander umgehen? Im Wahlkampf ebenso wie in Parlamentsdebatten? Sollten Kompromisse zum Wohle des Landes nicht grundsätzlich immer möglich sein?
Ich halte die Aktion der drei Polithelden für reines Wahlkampf-Getue. Das kommt an beim Bürger. Rauft Euch zusammen! Das ist so wie die Sprechblase von der Diplomatie gegenüber Putin, der aber gar keine Diplomatie will. Einfach nur Spiegelfechten fürs Publikum. Scholz Merz und Habeck werden nicht fair sein gegenüber der AfD, und die AfD wird nicht fair sein gegenüber Union, SPD und Grünen. Warum sollte sie auch?
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Klaus Kelle