Hunderttausende demonstrieren in Brasilien für ihren Präsidenten – Bolsonaro: „Nur Gott holt mich aus dem «Palacio do Planalto»“

Unter den Anhängern von Präsident Bolsonaro versammelten sich viele Familien.
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BRASILIA – Weitgehend unbeachtet von den deutschen Mainstreammedien haben Hunderttausende Brasilianer – manche sprechen von drei Millionen – am Unabhängigkeitstag überall im Land für Präsident Jair Bolsonaro und zur Unterstützung seiner Politik demonstriert.

Der Staatschef selbst kritiserte bei einer Rede in der Hauptstadt Brasília den noch von einem Amtsvorgänger berufenen Obersten Gerichtshof STF. Ein Richter am Gerichtshof, Alexandre de Moraes, hatte vorher Bolsonaro-Anhänger wegen mutmaßlicher Anstiftung zur Gewalt und Verbreitung von Falschmeldungen festnehmen und verhaften lassen. An den Präsidenten des Obersten Gerichts, Luiz Fux, gerichtet, sagte Bolsonaro am Dienstag (Ortszeit), der Chef des Gerichtshofes solle die Gesetze achten oder das Land werde eine Gewaltwelle erleben. Und das wolle er, Bolsonaro, auf keinen Fall.

In der Wirtschaftsmetropole São Paulo wiederholte Bolsonaro seine Kritik und rief zu Ungehorsam auf. «Ich möchte euch sagen, dass dieser Präsident jeglicher Entscheidung des Herrn Alexandre de Moraes nicht mehr folgen wird», sagte Bolsonaro.

Nur Gott könne ihn aus dem «Palacio do Planalto», dem Regierungspalast herausholen, sagte Bolsonaro. Alexandre de Moraes verteidigte die demokratischen Errungenschaften. «An diesem 7. September feiern wir unsere Unabhängigkeit, die unsere Freiheit garantiert hat und nur mit absolutem Respekt für die Demokratie gestärkt wird», schrieb er auf Twitter.

Am Montagabend hatten Anhänger des Präsidenten Absperrungen zum Regierungsviertel durchbrochen. Bei den Demonstrationen am Dienstag präsentierten die Menschen auf Bannern und Plakaten massive Kritik am Obersten Gerichtshof und am Kongress. Die Grundstimmung der Demonstranten war friedlich und gelöst. Aus dem Rahmen fielen lediglich kleinere Gruppen sozialistischer Parteien, die am Rande der großen Demonstrationen Nationalfahnen des eigenen Landes verbrannten.

Beobachter werteten die Offensive des konservativen Präsidenten als eine Demonstration der Stärke. Anders als in internationalen medien geschildert, hat Bolsonaro offensichtlich noch starken Rückhalt in der brasilianischen Bevölkerung.

Seit Dienstagmorgen demonstrierten Anhänger des Präsidenten in mehr als 25 Städten. Allein in São Paulo wurden nach offiziellen Angaben, auf die sich die Zeitung «Folha de S. Paulo» berief, rund 125.000 Teilnehmer gezählt. In Brasília, Rio de Janeiro, São Paulo und fast allen anderen großen Städten gab es aber vereinzelt auch Demonstrationen gegen Bolsonaro.

Bildquelle:

  • Pro_Bolsonaro_Demo_2021: privat/Twitter
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