Ich bleibe dabei: Sie macht den Job gut!

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Liebe Leserinnen und Leser,

kein Tag vergeht, ohne dass Frau Baerbock in den Schlagzeilen der Zeitungen zu finden ist. Gestern hat sie sich in Istanbul auf offener Bühne mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoglu ziemlich undiplomatisch gefetzt. Über angebliche Ansprüche der Türken auf griechische Inseln und über den nächsten türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien und auch den inhaftierten türkischen Kulturförderer Osman Kavala. Und der Chefdiplomat der Türken keilte unfreundlich zurück. Er müsse leider sagen, dass man früher immer mit großem Respekt auf Deutschlands Meinungen gehört habe, aber das sei halt in der Ära Merkel gewesen…

Sie wissen, dass Außenminister in der Regel immer schon nach kurzer Amtszeit die höchsten Beliebtheitswerte im eigenen Volk haben. Aber das ist auch leicht. Man reist herum, trifft die wichtigesten Menschen der Welt in stilvollem Ambiente, der Gastgeber immer bei Sonnenschein mit ausgestrecktem Arm auf irgendwas Wichtiges am Horizont zeigend. Fotografen lieben das. Auch beim amerikanischen Präsidenten, der immer winkt, wenn er aus seinem grünen Hubschrauber oder der Air Force One steigt. Nicht, weil da jemand zurückwinken würde, sondern weil die Fotografen genau auf das Bild warten. Die Welt ist eine einzige Inszenierung, oder?

Meistens sind Außenminister in ruhigen Zeiten unterwegs, produzieren schöne Bilder, vermitteln ein positives Bild Deutschlands in der Welt – gut, Heiko Maas nehmen wir vielleicht an dieser Stelle raus – und versprechen Dinge wie mehr Handel, mehr Hilfe, mehr Kooperation, mehr Jugendaustausch. Und letztlich verteilen sie auch noch- besonders beliebt –  deutsches Geld für die wirtschaftliche Entwicklung. Ärgerlich allerdings, wenn sie hochentwickelte Länder mit Millionen zuballern, die auf dem Weltmarkt mit uns konkurrieren und alles andere als unsere Freunde sind. Gruß auch nach Peking an dieser Stelle!

Und jetzt komme ich zum ersten Punkt: Ich habe das schon vor Monaten ein oder zwei Mal geschrieben: Annalena Baerbock macht als deutsche Außenministerin eine gute Figur. Damals bin ich dafür viel gescholten, ja beschimpft worden. Und ich war so froh, als der wunderbare Kollege Henryk M. Broder vor ein paar Wochen in einem Fernsehinterview Abbitte bei Frau Baerbock leistete, weil er sie – wie ich und andere auch – im Bundestagswahlkampf dauernd verspottet haben. Und wir sind ja nicht allein, denn Baerbock und Habeck sind die beliebtesten Politiker in allen Umfragen und auch in meiner Wahrnehmung, denn in meinem persönlichen Umfeld – alles mit ganz wenigen Ausnahmen Konservative – hat sich die Ansicht über die Performance der Grünen seit Übernahme des Regierungsamtes deutlich verändert.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich wechsle nicht die Seiten, ich werde bis ans Lebensende niemals die Grünen und ihre menschenverachtenden Politikstil mit Verboten statt überzeugen, mit Sozialismus-Romantik und GenderGaga und all diesem Müll wählen. Ich bin da wirklich total ungefährdet, das können Sie mir glauben. Aber als deutsche Außenministerin – Chapeau, Frau Baerbock!

So, und jetzt kommen wir zum zweiten Punkt: Der subjektiven Wahrnehmung.

Am Abend schreibt eine Facebook-Freundin, die eher rechts der Mitte verortet ist, Baerbock sorge mit ihrem Streit überall (sie meinte Istanbul) dafür, dass bald niemand mehr mit Deutschland reden wolle. Eine kühne These.

Im Philosophie-Unterricht hatte ich eine 2+ als es um den Marxismus-Leninismus ging. Mir gefiel, auch einmal theoretisch erklärt zu bekommen, warum diese menschenverachtende Ideologie niemals funktionieren kann. Aber im Gedächtnis hängengeblieben ist mir auch ein anderer Satz aus dem Unterricht, dass nämlich Wahrnehmen nicht gleichbedeutend mit Erkennen ist. Und da ist was dran.

Nehmen wir also mal kurz an, wir befänden uns gerade im Jahr 2036 und wir hätten die erste Bundesregierung mit Beteiligung der AfD. Die deutsche Außenministerin hieße Alice Weidel und würde in Istanbul auf offener Bühne den türkischen Amtskollegen vor laufenden Fernsehkameras zerlegen. Da würden die gleichen Leute, die heute unbedingt Frau Baerbock runterreden wollen, begeistert jubeln. Endlich hat es mal jemand gewagt, denen so richtig die Meinung zu geigen und statt mit freundlichem BlaBla einen netten Eindruck zu machen, Klartext über politische Streitpunkte zu reden. Ja, sehen Sie mal, Herr Kelle, da muss eine von der AfD kommen, die so mutig ist. Und wir haben es ja schon immer gesagt. Aber wenn es eine Grüne macht, dann bäääh, igitt, ganz schlimm.

Ich werde langsam ein bisschen älter, ganz langsam natürlich nur. Aber ich empfehle allen, die Filterbrille abzunehmen und unsere Politiker danach zu beurteilen, was sie tun, und nicht danach, wie wir sie gerne sehen oder scheitern sehen möchten. Olaf Scholz ist der falsche Kanzler in dieser Zeit, Christiane Lambrecht und Hubertus Heil sind spätestens nach der Sekt-Nummer in Kiew untragbar geworden, nein, Korrektur, Frau Lambrecht war vom ersten Tag an eine furchtbare Fehlbesetzung. Und wären die in der CDU oder FDP, dann würde ich das auch genauso schreiben. Aber die Außenministerin Baerbock tritt selbstbewusst auf dem internationalen Parkett auf. Und das finde ich gut. Für Deutschland.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.