Neuer PISA-Schock: Deutsche Schüler verlieren bei Lesen und Rechnen weiter an Boden – und es passiert nichts

Seit Jahren bekannt, aber wer arbeitet daran, dass die Baustelle Bildung repariert wird?

von JOSEF KRAUS

BERLIN – Die vormalige Bildungsnation Deutschland befindet sich nach wie vor im freien Fall. Sowohl die Pisa-Studie 2022 als auch die aktuelle, nun mit konkreten Ergebnissen veröffentlichte Pisa-Studie 2025 belegen: Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind in den Bereichen Mathematik und Lesen erneut gesunken. Rund jeder Dritte verfehlt inzwischen das Mindestniveau. Bei Pisa 2025 erreichten die Jugendlichen in Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen erneut die niedrigsten Werte, die bislang bei den PISA-Studien gemessen wurden. Der seit etwa einem Jahrzehnt fortschreitende Abwärtstrend setzt sich damit fort. Im Deatil hier 

Gegenüber PISA 2022 sind die Leistungen der 15-Jährigen in Mathematik um 11 Punkte von 475 auf 464 Punkte gesunken, im Lesen um 15 Punkte von 480 auf 465 Punkte. (Der Wert 500 ist als Durchschnitt definiert.)

In den Naturwissenschaften liegt der Mittelwert mit 486 Punkten zwar sechs Punkte unter dem Wert von 2022, dieser Unterschied ist jedoch statistisch nicht bedeutsam. Nach Punktwerten liegt Deutschland in den Naturwissenschaften auf Rang 23 (von 90 beteiligten Nationen und Regionen), im Lesen auf Rang 24 und in Mathematik gemeinsam mit Schweden auf Rang 25. An der Spitze stehen vor allem asiatische Bildungssysteme: Die vier chinesischen Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, die bei Pisa gemeinsam ausgewiesen werden, sowie Singapur erzielten in allen drei Kompetenzbereichen die höchsten Ergebnisse.

Gegenüber Pisa 2015 ist der Anteil der leistungsschwachen Schüler in Deutschland um 10 Prozentpunkte gestiegen

Nur 9 Prozent der Schüler sind leistungsstark und erreichen die Kompetenzstufe 5 oder 6.

Nur 66 Prozent der Schüler in Deutschland erreichen in Mathematik mindestens die Kompetenzstufe 2. 34 Prozent bleiben unter diesem Mindestniveau; im OECD-Durchschnitt sind es 35 Prozent. 2022 hatte der Anteil der Leistungsschwachen in Deutschland noch bei 30 Prozent gelegen. Gegenüber 2015 ist er inzwischen um 17 Prozentpunkte gestiegen. 8 Prozent gehören zur Leistungsspitze und erreichen Kompetenzstufe 5 oder 6.

Nur noch 68 Prozent der 15-Jährigen erreichen beim Leseverständnis mindestens die Kompetenzstufe 2. 32 Prozent verfehlen das Mindestniveau, im OECD-Durchschnitt sind es 31 Prozent.

Bei PISA 2022 lag dieser Anteil in Deutschland noch bei 25 Prozent. Gegenüber 2015 ist die Gruppe der leistungsschwachen Leser um 15 Prozentpunkte gewachsen. 7 Prozent der Jugendlichen erreichen mindestens Kompetenzstufe 5 und gehören damit zur Leistungsspitze.

Importierte Probleme und hausgemachte Verirrungen

Der Zusammenhang zwischen Leistung und sozialer Herkunft sei in Deutschland besonders stark, heißt es. Sozioökonomisch begünstigte Schüler erzielen nämlich in den Naturwissenschaften im Durchschnitt 125 Punkte mehr als die Gruppe im untersten Viertel. Zwischen 2015 und 2025 hat sich diese Leistungslücke in Deutschland vergrößert, während sie im OECD-Durchschnitt kleiner geworden ist.

29 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland weisen nach der PISA-Definition einen Zuwanderungshintergrund auf. In den Naturwissenschaften erreichen Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund im Durchschnitt 521 Punkte. Jugendliche der zweiten Zuwanderungsgeneration kommen auf 463 Punkte. Wer vor dem 11. Lebensjahr nach Deutschland kam, erreicht im Mittel 423 Punkte; bei einem Zuzug ab dem 11. Lebensjahr sind es 392 Punkte und damit ganze 129 Punkte weniger.

Aber was sagt das schon?

Nicht das Schulwesen „selektiert“, sondern es ist viel Selbstselektion im Spiel

Will sagen: Bildung in Deutschland kostet nichts außer der Bereitschaft zu lernen und sich anzustrengen. Das kann man auch von Kindern aus „sozial schwachen“ Familien erwarten. Auch von Familien mit Migrationshintergrund. Daran mangelt es vielfach. Das ist bei einem Anteil von Klassen mit 80 und mehr Prozent Migrantenkindern ein maßgeblicher Grund, wenn Deutschland bei Pisa nicht vorankommt. Denn die Schulen sind mit den importierten Bildungsproblemen schlicht und einfach überfordert.

Es kommen seit Jahrzehnten hausgemachte Probleme hinzu: der Egalisierungswahn, die Entwertung des Leistungsprinzips, die Abitur-Vollkasko-Mentalität, die Geringschätzung der beruflichen Bildung, die Inflation an immer besseren Noten … All dies sind Faktoren, die nicht gerade leistungsfördernd sind und sich in Tests wie Pisa niederschlagen.

Hier wäre anzusetzen. Aber das ist eine Herkulesarbeit, die die Bildungsminister – in so manch ideologischer Verbohrtheit – nicht anpacken.

 

 

Bildquelle:

  • Baustelle_Bildung_PISA: adobe.stock/avaaroa

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren