„Nie wieder“ war gestern… Wie sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen am 7. Oktober blamierte

Brandenburger Tor gestern Abend mit passender Beleuchtung

von MARTIN EBERTS

BERLIN/HAMBURG/MAINZ – Der 7. Oktober 2023 ist ein Tag der Schande. Damals wurden im Süden Israels, ausgehend vom Gaza-Streifen, so viele Juden ermordet, wie noch nie seit dem Holocaust. Die barbarische Grausamkeit der „Hamas“-Terroristen, das Ausmaß ihrer Gewaltexzesse, die erbarmungslosen Kindermorde, die Perversität ihrer massenhaften Folterverbrechen und systematischen Vergewaltigungen – alles das, was diese infernalische Bande an Wehrlosen verübt hat, übersteigt jede menschliche Vorstellungskraft.

Man sollte meinen, dass dieses Thema in den Abendnachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland angemessen behandelt wird, zumal wenn man an die vielen Zeichen des Gedenkens und der Solidarität denkt, die es an diesem Tag gerade in Berlin gab. Aber wer das ernsthaft erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Die Performance der gebührenfinanzierten Fernsehnachrichten ist – gelinde gesagt – unbefriedigend.

In der ARD-Tagesschau um 20 Uhr wird von dem Überfall der Hamas-Terroristen berichtet wie von einer Naturkatastrophe

Frei nach dem Motto: Terroristen machen nun mal Terror, das ist ja ihr Metier. Problematisiert wird in der ARD ausschließlich die vermeintliche Schuld der israelischen Regierung. Die in Israel heiß diskutierte Frage, wieso die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt und das Massaker nicht verhindert werden konnte, steht für die Tagesschau allein im Mittelpunkt. Dazu noch mit einem besonderen Dreh: Wie wirkt es sich auf den Wahlkampf aus?

Das Massaker als Naturereignis. Die Regierung Netanyahu als Hauptschuldige. Der Wahlkampf als Erklärung. Ein Oppositionskandidat erscheint im Bild, wie er mit Hinterbliebenen spricht. Sein Name wird nicht genannt; für den deutschen Zuschauer muss es reichen, den Namen Netanyahu zu kennen, denn der ist an allem schuld.

Der eigentliche Schrecken des 7. Oktober kommt in der Tagesschau nicht vor. Die kurz eingeblendeten Hamas-Videos zeigen einen aufgerissenen Grenzzaun, durch den eine gemischte Menge läuft, dann Uniformierte mit Sturmgewehren, die durch ein Tor eilen, ein paar Bewaffnete im Feld. Schließlich hoch animierte Hamas-“Kämpfer“ (oder „Aktivisten“?) mit zwei unglücklichen, aber unversehrt scheinenden jungen Frauen, die dort gewiss nicht freiwillig standen. Das war’s. Aber das ist nicht Berichtserstattung über ein monströses Massaker, das ist Verharmlosung.

Es kommt natürlich noch eine Einordnung, damit nicht am Ende ein Zuschauer beim 7. Oktober an Israelis denkt. Denn kaum sind die flackernden Aufnahmen des Hamas-TV ausgeblendet, da sieht man schon – in gestochen scharfen Bildern – Explosionen in Gaza, zerstörte Häuser, weinende und blutende Palästinenser. Täter-Opfer-Umkehr wieder einmal geschafft. Soviel von der ARD am Tag der Schande.

Und das ZDF? Das bringt in der „Heute“-Sendung das Thema erst an dritter Stelle. Auch beim Zweiten ist der Hauptschuldige des Tages natürlich Netanyahu. Aber immerhin bekommt der interessierte Zuschauer noch einige Impressionen von den Gedenkfeiern in Berlin zu sehen, einschließlich des angestrahlten Brandenburger Tores – ein Bild, das um die Welt ging, in der ARD-Tagesschau von 20 Uhr hingegen nicht gezeigt wurde.

Und in der „Heute“-Sendung dürfen sogar in Berlin lebende Juden bzw. Israelis etwas sagen, und für einen ganz, ganz kurzen Moment kommt da aus dem Mund einer jungen Frau ein Hinweis auf die Berliner Realität, den die Redaktion wohl übersehen hatte: Dass doch seit dem 7. Oktober 2023 der Antisemitismus in Berlin so zugenommen habe. Trotz des Kampfes gegen Rechts, offenbar. Woher nur…?

Aber da ist noch ein Bonus für das ZDF

Man sieht in der „Heute“-Sendung ganz kurz ein paar Bilder vom Bebelplatz, wo eine beeindruckende Kundgebung mit prominenten Teilnehmern stattfand (TheGermanZ berichtete). Ein echtes Gedenken und eine echte Solidaritätsbezeugung. Das hatte man bei der ARD für nicht erwähnenswert gehalten. Obwohl auch dort durchaus der Bebelplatz mit Bild und Ton auftauchte, allerdings ohne Juden, im Zusammenhang mit der Bewerbungs-Kundgebung des (sogar singenden) Boris Pistorius, für das Amt des SPD-Parteivorsitzenden.

In Schulnoten ausgedrückt verdient die ARD für ihre Fehlleistung, die auch noch durch geradezu lächerliche Ton- und Bildqualität ihres Korrespondentenbeitrags aus Tel Aviv weiter abgewertet wird, ganz sicher eine dicke „Sechs“. Ungenügend, in jeder Hinsicht. Im Vergleich dazu sticht das ZDF fast schon positiv hervor, mit einer pädagogischen „Vier minus“.

Das mit der „Staatsräson…“ und dem „Nie wieder ist jetzt!“ hat für das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland anscheinend ausgedient, jedenfalls wenn es um Juden oder Israelis geht.

Bildquelle:

  • Brandenburger Tor_Israel: karin clemens

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