Péter Magyar ist jung, konservativ und hat Sex: Warum Viktor Orbán im April fallen könnte

Ein starker Hrausforderer: Péter Magyar

BUDAPEST – Lange Zeit basierte Viktor Orbáns Erfolg in Ungarn auf einem einfachen Deal mit der Bevölkerung: Ihr lasst mich regieren, dafür sorge ich für Stabilität und ein günstiges Leben. Doch dieser Deal ist geplatzt. Ungarn hat in den vergangenen zwei Jahren die höchste Inflationsrate in der Europäischen Union verzeichnet. Während Orbán versuchte, die Schuld auf die „Brüsseler Sanktionen“ gegen Russland zu schieben, sehen offenkundig viele Ungarn, dass in Wahrheit seine Geldpolitik den Forint entwertet hat. So stiegen die Lebensmittelpreise zeitweise um über 40 Prozent, während die Reallöhne stagnierten. Das kann für viele Bürger zu einer existenziellen Bedrohung werden.

Nicht hilfreich ist außerdem das Einfrieren der Milliarden-Subventionen durch die EU-Kommission. Ohne dieses Geld kann Orbán keine Wahlgeschenke mehr verteilen. Die Infrastruktur bröckelt, das Gesundheitssystem ist am Limit, und die Mittelschicht sieht ihren Wohlstand zunehmend schwinden.

Und als wäre das nicht alles schlimm genug: Plötzlich ist ein ernstzunehmender Herausforderer da

War die Opposition in Ungarn jahrelang zerstritten und schwach, liegt nun Péter Magyar in den Umfragen Kopf an Kopf mit Orbán. Der Ex-Ehemann der früher populären Justizministerin Judit Varga, Rechtsanwalt und Mitglied des EU-Parlaments, war einst Teil des innersten Zirkels in Budapest. Als er 2024 aus dem Kreis ausbrach, war das eine Art Urknall in der ungarischen Politik.

Magyar und seine Tisza-Partei stellen die Machtfrage und nutzen genau die Waffen, die Orbán einst groß machten: Er hat Charisma, ist unbestreitbar konservativ und ein Patriot und beherrscht eine klare Sprache. Er besetzt die Themen, die Fidesz-Wähler verstehen, er ist kein Linker – und er sorgt beim Orbán-Lager für spürbare Nervosität.

Magyar wirft der Regierung vor, Ungarn zum „korruptesten Land der EU“ gemacht zu haben. Er fordert eine unabhängige Justiz und den Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA), um EU-Gelder freizuschalten. Er prangert den schlechten Zustand der staatlichen Schulen und Krankenhäuser an und verspricht massive Investitionen in diese Bereiche. Und er ist pro-europäisch, will Ungarn wieder enger an die EU und die NATO binden.

Und weil es derzeit nicht gut für den Amtsinhaber läuft, greift Orbáns Team offenkundig zu schmutzigen Tricks. So wurden viele Wahlbezirke neu zugeschnitten. Besonders in Budapest, traditionell die Hochburg der Opposition gegen Orbán, wurden Grenzen so gezogen, dass Stimmen für die Opposition weniger Gewicht haben. Und jetzt wird mit angeblich existierenden Sexvideos gegen Magyar vorgegangen. In Ungarn kann so etwas funktionieren; man erinnert sich noch gut an den Fall des Fidesz-Bürgermeisters von Győr, der auf einer Jacht mit Prostituierten gefilmt wurde.

Ist Magyar zu „unmoralisch“, um Präsident zu werden?

Er habe ein Privatleben und auch Sex, versichert er auf sozialen Netzwerken und fügte hinzu: „Na und?“ Zudem bezichtigt er seine Ex-Freundin Evelin Vogel, ihm im Auftrag des ungarischen Geheimdienstes oder der Fidesz-Regierung eine „Honigfalle“ gestellt zu haben, um ihn politisch zu vernichten. Schließlich dreht er den Spieß um und nutzt den vermeintlichen Skandal, um die „schmutzigen Methoden“ der Regierung gegen Kritiker wie ihn öffentlich anzuprangern.

Orbán versucht jetzt, auf internationaler Bühne zu punkten, indem er seine Freundschaft zu US-Präsident Donald Trump nach vorn stellt: „Ich bin der Einzige, der einen direkten Draht zum mächtigsten Mann der Welt hat.“ Doch ob ein Lob aus Mar-a-Lago ausreicht, um die Wut über die Inflation in der ungarischen Gesellschaft zu dämpfen, ist fraglich.

Viktor Orbán hat das System in Ungarn über die Jahre so sehr zu seinen Gunsten verbogen, dass ein Sieg der Opposition eigentlich unmöglich ist. Doch die Kombination aus wirtschaftlicher Not, einem charismatischen Anführer der Opposition und der Erschöpfung nach 16 Jahren seiner Herrschaft – zuletzt mit absoluter Mehrheit – könnte tatsächlich die kritische Masse erreichen.

Bildquelle:

  • Péter Magyar_HUN: hungarian conservative

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