Sie flucht, gendert und denglischt – die neue Präses der EKD-Synode ist weit weg von Luther

HANDOUT - Die Philosophiestudentin Anna-Nicole Heinrich ist bei der 13. EKD-Generalsynode zur neuen Präses gewählt worden. Foto: Jens Schulze/EKD/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits
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von THOMAS PAULWITZ

BERLIN – „Wie verdammt mutig ist eine Kirche, die eine junge Frau in so ein Amt wählt“, fluchte Anna-Nicole Heinrich am 8. Mai. Mit der jungen Frau meinte sie sich selbst. Die neue Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) pflegt einen lockeren Umgang mit der Sprache. Das spiegelt sich nicht nur in solchen Kraftausdrücken wie „verdammt“ wider. „Deine Sprache verrät dich“ (Matthäus 26,73): Dass Heinrich wie einst Caesar in seinen Kommentaren zum Gallischen Krieg von sich in der dritten Person spricht, ermöglicht ihr ein unbescheidenes, scheinbar neutrales Eigenlob. Indem sie die Kirche lobt, lobt sie sich selbst.

Dabei ist es eine entwaffnend ehrliche Sprache, wenn Heinrich bekennt, worin sie selbst ihre wichtigste Qualifikation sieht: „junge Frau“. Frau muss man offenbar sein, um dieses Amt in der EKD bekleiden zu können. Ihre Vorgängerin Adam Schwaetzer trat mit 79 Jahren aus Altersgründen nicht mehr an. Ihre Gegenkandidatin, die Grünen-Politikerin Nadine Bernshausen, war mit 41 Jahren offenbar nicht mehr jung genug.

Berufliche Erfahrung und Qualifikation waren hingegen zweitrangig: Die grüne Richterin Bernshausen unterlag der studentischen Hilfskraft Heinrich mit 39:75 Stimmen. Auch deren Glaubensprofil spielte keine Rolle: „Ich kann meine theologische Ausrichtung nicht benennen“, gab Heinrich zu. Ausschlaggebend war also tatsächlich das Alter – eine unbeleckte junge Frau, die „verdammt“ sagt, und ehrlich ist sie offenbar auch. Sie hat damit die EKD-Synode überzeugt.

„Selbstverständlich mit Gendersternchen“

Auf diese Weise wurde Heinrich „in so ein Amt“ gewählt. Sie ist nun eine Präses. Halt: Muss es denn nicht „ein Präses“ heißen? Tatsächlich verwendeten schon die alten Römer in sehr fortschrittlicher Weise das Wort „Präses“ sowohl als Femininum als auch Maskulinum. „Praeses templorum“ konnte sowohl eine Beschützerin der Tempel als auch ein männlicher Beschützer sein. Was die Römer jedoch – anders als wir neuerdings – nicht kannten, ist ein drittes Geschlecht. Doch auch hier ist Heinrich auf der Höhe der Zeit. Der Bayerische Rundfunk schwärmt nämlich: „Sie spricht ganz selbstverständlich mit Gendersternchen und lacht selbstbewusst in die Kamera: Kirche von morgen muss sich bewegen, findet sie, muss digital werden und divers, queer, inklusiv, mit mehr ‚Street Credibility‘, also Glaubwürdigkeit, auch für junge Leute.“

Wer im übrigen glaubt, nur die evangelische Kirche folge den Gendersternen, ist auf dem Holzweg. Auch das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) schwört darauf. „Die Wirklichkeit ist komplexer als die klassische binäre Lesart der Schöpfungsordnung es darstellt“, erklärte die Vollversammlung des ZdK in einem Beschluss vom 24. April. „Sprache bestimmt unser Denken sowie unser Bewusstsein und sie schafft Realitäten“, heißt es weiter. „Deswegen verwendet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in jeder schriftlichen Kommunikation eine geschlechtersensible bzw. -gerechte Sprache, welche alle Menschen auch jenseits der Zweigeschlechtlichkeit einschließt und adressiert. Im geschriebenen Wort wird der Asteriskus (das Gender*Sternchen) verwendet. Im mündlichen Sprachgebrauch soll die Verwendung des Gender*Sternchens durch eine Pause an der Stelle des Sternchens ausgedrückt werden.“ ZdK-Präsident Thomas Sternberg gratulierte Heinrich also sicher gern zur Wahl.

Rufe aus der Denglisch-Bubble: „Solls Präseslike werden?“

Sprachliches Erkennungszeichen von Heinrich ist nicht nur die Genderei, sondern auch notorisches Denglisch. Das Gelaber von der „Street Credibility“ war leider kein Ausrutscher. So fordert sie: „Raus aus der Bubble und Einheit in Vielfalt üben.“ Auf ihrem Twitterkonto fragte sie ihre Abonnenten nach ihrer Wahl: „Okay liebe Community, Iʼm back (…) Solls Präseslike werden oder einfach wie vorher auch?“ Ihre Anhänger entschieden sich mehrheitlich für die Antwortmöglichkeit „as before, please“.

Weiter weg von Martin Luther, der dem Volk aufs Maul schaute, kann man nicht sein. Dieses Kauderwelsch spricht man vielleicht in Heinrichs kleiner „Bubble“, aber nicht in den Kirchengemeinden, die mit ihrem vielfach ehrenamtlichen Einsatz und Kirchensteuerzahlungen dafür sorgen, dass sich die evangelischen Landeskirchen einen solch unnützen, aufgeblähten, basisfernen und abgehobenen Apparat wie die EKD leisten können. So mancher evangelischer Sprachfreund dürfte also seufzen: „Heinrich, mir graut vor dir.“

Bildquelle:

  • Evangelische Kirche: dpa
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