Skandal-Documenta: Kein Zurückweichen vor den Antisemiten!

Besucher der documenta fifteen stehen nach Eröffnung vor dem Fridericianum, dessen Säulen der rumänische Künstler Dan Perjovschi mit schwarzer Farbe bemalt und mit weißen Symbolen und Zeichen zu Themen wie Frieden, Solidarität oder Nachhaltigkeit beschriftet hat. Foto: Uwe Zucchi/dpa
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von MICHAEL STING

KASSEL – Wenn Sie junge Menschen fragen, wie Sie sich selbst sehen, hören Sie in die Regel die gleichen Worte:

  • Aufgeklärt
  • Weltoffen
  • Tolerant
  • nachhaltig
  • Gegen Rechts

Noble Werte, keine Frage. Doch man sollte diesen Menschen einmal den Spiegel vorhalten, ob sich Ihre eigene Vorstellung mit der Realität vereinbaren lässt.

In einer Zeit, wo gegen jede Kleinigkeit demonstriert wird, sei es wegen einer sexistischen Beleidigung, jemand fühlt sich diskriminiert und nicht zu vergessen das Klima, gehen andere wesentliche Ereignisse völlig unter. Lange Zeit galt der Kampfschrei „Nie wieder“. Nie wieder Faschismus in Deutschland. Nie wieder Judenhass.

Mir persönlich ist egal, für welche Religion sich jemand in Deutschland entschieden hat. Die Hauptsache ist, er setzt sich für die Gemeinschaft ein.

Aber wissen Sie, was definitiv nicht dazugehört?

Massenauftritte von Palästinensern in Berlin oder dem Ruhrgebiet mit dem Ruf „Kindermörder Israel“. Und Polizisten und Politiker, die unbeeindruckt dabei zusehen und das durchgehen lassen.

Jüdische Mitbürger, die Ihre Religionszugehörigkeit verbergen müssen aus Angst vor wörtlichen oder körperlichen Übergriffen.

Und jetzt eine Documenta, auf der es zum guten Ton gehört, Juden in höchstmöglicher Form zu beleidigen. Durch Ausladung von jüdischen Autoren. Kunstwerken wie z.B. einem Mossad-Agenten mit Schweinsnase und Davidstern, ein Mann, der offenbar Kippa trägt – darüber ein Hut, auf dem eine „SS“-Rune eingraviert ist.

Erinnern Sie sich noch an die Darstellung der Mohammed Karikaturen?

Nach deren Veröffentlichung hagelte es Proteste. Es kam zu zahlreichen Demonstrationen, die Politiker zeigten sich empört gegenüber dem Künstler. Doch hier bleibt der öffentliche Aufschrei mau und wird weitgehend von der Allgemeinheit so hingenommen. Antisemitismus gehört wohl heute wieder zum guten Ton dazu. Auch wenn wir uns immer noch so hinstellen und so tun, als würden wir für eine tolerante Gesellschaft kämpfen.

Es ist inzwischen bekannt, dass viele Organisatoren der Documenta mit der BDS-Bewegung sympathisieren. BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“, übersetzt Boykott, Entzug von Investitionen und Sanktionen gegen Israel. Es steht jedem Menschen das Recht zu, sich kritisch zu äußern. Dazu gehört auch unangenehme Themen anzusprechen. Und es gibt durchaus auch gegenüber dem Staat Israel einige Aspekte, die man durchaus kritisieren darf. Doch das immer mit Respekt und Anstand. Und ganz klar nicht über eine Verallgemeinerung aller Juden oder eine Gleichstellung des Staates Israel mit in Deutschland lebenden Juden. Wenn wir wirklich so tolerant sind, wie wir immer behaupten. Warum haben diese Menschen dann so viel Angst in unserem Land? Es liegt also noch viel Arbeit vor uns, um diesen Menschen wieder ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Und Antisemitismus bekämpft man nur auf einem Weg. Indem man keine Toleranz gegenüber Antisemiten zeigt.

Bildquelle:

  • documenta fifteen: dpa
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