Tod der Stieftochter von Bärbel Bas: Wenn der Tod einer Angehörigen politisch instrumentalisiert wird

Kampagnenmotiv der SPD

von JOSEF KRAUS

BERLIN – Wenn geliebte Menschen sterben, dann ist das für liebende Hinterbliebene oft auch ein seelisches Trauma. Umso mehr, wenn ein Mensch überraschend durch Unfall oder Suizid oder auch erwartbar nach einer langen Krankheit stirbt. Das ist in Deutschland in der Mehrzahl der täglich rund 2.800 Todesfälle der Fall.

Betroffen sind nicht selten Hinterbliebene, die mitten im Leben und im Beruf stehen und sich nach dem Tod eines Angehörigen wieder dazu aufraffen müssen zu sagen: Das Leben muss weitergehen; ich muss mich trotz all meiner Trauer wieder meiner Familie, meinen Kindern, meinem Beruf widmen. Dass damit oft über Monate Trauerarbeit einhergeht, ist mehr als verständlich – mehr als normal und notwendig. Aber es sind natürlich immer Einzelschicksale, die selten miteinander vergleichbar sind. Eines aber gilt nicht: Es gibt keine Trauerfälle erster, prominenter und zweiter, alltäglicher Ordnung.

Dass die vormalige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD, 58) jetzt als Bundesministerin und SPD-Co-Vorsitzende nach dem Tod ihrer Stieftochter (53) zurücktrat, ist psychologisch nachvollziehbar.

Aber wer im – normalen – Berufsleben kann sich einen solchen Ausstieg erlauben? Nur zum Vergleich: Im öffentlichen Dienst haben Beschäftigte und Beamte bei einem Todesfall in der engeren Familie in der Regel Anspruch auf zwei bezahlte Arbeitstage Arbeitsbefreiung (Sonderurlaub) unter Fortzahlung der Bezüge. Außerdem gibt es verschiedene – relativ enge – gesetzliche und tarifliche Regelungen, um schwerkranke oder schwerstbehinderte Angehörige pflegen zu können.

Bleiben wir beim Tod der Stieftochter der Ex-Ministerin Bärbel Bas

Natürlich kann sie es sich finanziell erlauben, aus ihrem Amt als Ministerin und Co-Parteivorsitzende auszuscheiden. Ihr Jahresgehalt war 2025 noch 520.000 Euro, bis sie dann auf die Zulage als Parteivorsitzende (monatlich 9.000 Euro „Aufwandsentschädigung“) verzichtete. Bundestagsabgeordnete bleibt Bas offensichtlich.

Aber darum geht es nicht. Sondern es geht darum, dass Frau Bas den Tod ihrer Stieftochter – pardon! – instrumentalisiert, um gegen den Koalitionspartner auszuteilen.

Das hat die Verstorbene und das hat bei allem Knirschen in der Koalition der Kabinettspartner nicht verdient. Dass aus der SPD-Spitze (Klingbeil, Schwesig, Miersch und Co.) nun überreagierend in die unterste Schublage gegriffen wird, um sich schützend vor Bas und ihren misslungen begründeten Rücktritt zu verteidigen, ist mehr als durchsichtig. Auch das ist eine emotional bewusst hoch aufgeladene Instrumentalisierung eines Todesfalls. Der Tod der Bas-Stieftochter taugt nicht zum Staatsakt. Das Ganze riecht im übrigen nach Profilierungsgehabe vor allem einer Manuela Schwesig, die vom Mainstream postwendend als Bas-Nachfolgerin in der SPD-Spitze gehandelt wird.

Bärbel Bas war übrigens nie eine Frau der leisen Töne

Im September 2025 bezeichnete sie als damalige Bundesarbeitsministerin die Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur Unfinanzierbarkeit des Sozialstaats bei einer Juso-Konferenz in Gelsenkirchen als „Bullshit“. Allein das wäre ein Entlassungsgrund  gewesen. Bas hat es ansonsten trotz eines riesigen ministeriellen Apparates unter anderem mit zwei Parlamentarischen und drei beamteten Staatssekretären realiter auch nicht geschafft, den Rentenkompromiss der Koalition qua Gesetzentwurf auf die Reihe zu kriegen. Auch das gehört zur Wahrheit.

Kanzler Merz hat Bärbel Bas im Zusammenhang mit dem Tod ihrer Stieftochter übrigens geschrieben, „dass sie sich bitte für die Zeit, die sie braucht, jetzt auch die Zeit nimmt“.

Wie bitte? Keinem Angestellten im öffentlichen Dienst, keinem Regierungsinspektor, keinem Lehrer kann das zugestanden werden, wenn ein Familienangehöriger stirbt.

 

Bildquelle:

  • SPD-Kampagnenmotiv: spd

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