TV-KRITIK: Kein Sex, dann Mord – aber auf jeden Fall wieder ganz doll rechts irgendwie

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von KLAUS KELLE

Der ARD-Tatort heute Abend stimmt die Zuschauer auf den morgigen „Internationalen Frauentag“ ein. Nicht fehlende Frauenrechte oder unterschiedliches Lohnniveau waren das Thema, sondern die „Incels“. Kennen Sie nicht? Kannte ich bis eben auch nicht, habe aber gerade bei Wikipedia nachgelesen. Incels ist die Selbstbezeichnung einer aus den USA stammenden Internet-Subkultur von Männern, die Frauen hassen. Und warum tun sie das? Weil sie sich selbst als unattraktiv und minderwertig empfinden, mit der Folge, dass Frauen mit ihnen keine sexuellen Beziehungen eingehen wollen. Und deshalb sind Männer dann schlecht gelaunt und hassen alle Frauen…oder so. Und emanzipierte, starke Frauen hassen sie auch und sexuell aktive Frauen hassen sie ganz besonders.

Soweit ein ARD-Tatort unserer Tage. Man ist ja schon froh, wenn mal ein Tatort läuft, wo es sich nicht in erster Linie um Nazi-Kameradschaften und ihre dunklen Machenschaften dreht. Ich zum Beispiele schaue in jüngster Zeit auf YouTube häufig alte Derrick-Folgen oder Krimis auf Netflix. Herrlich, ganz normale Krimis. Da kommt zum Beispiel einer nach Jahren aus dem Knast frei und trifft sich mit alten Kumpels in der Kneipe, um den nächsten Bruch zu planen. Wunderbar. Oder haben Sie „Heat“ gesehen – die Mutter aller Bankraub-Filme mit dem packenden Zweikampf eines Mega-Gangsters und eines Bullen? Ich liebe sowas. Aber Bankraub, Eifersuchtsdrama, Fahrerflucht mit schlimmen Folgen, Drogenhandel im Frankfurter Bahnhofsviertel? Vergessen Sie es! Die ARD arbeitet nach dem Drehbuch zur großen Transformation in den Köpfen der Menschen. Orwell hätte seine Freude am kreativen Framing in den Staatsfunkanstalten.

Begonnen hat es mit der Übernahme der Nachrichtensendungen durch Redaktionen mit einer linken Agenda, der Geichschaltung aller politischen Magazine in den Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten, der Infantiliserung des Programms durch Leute wie Oliver Welke, die sich selbst für Satiriker halten, weil keiner wagt, ihm zu sagen, wie dümmlich seine immer gleichen Witzchen sind. Und von Jan Böhmermann will ich gar nicht anfangen. Ja, diese Leute haben ein großes Publikum und müssen bestimmt viele Autogramme für ihre Fan-Community schreiben. Aber Sie sind genau das Gegenteil von dem, was Satire sein sollte. So wie die ARD und das ZDF das Gegenteil von dem ist, was einmal Information mit Fakten war. Sie sind angepasste Werkzeuge eines politischen Juste Milieus und Sie bespielen ein gelangweiltes Publikum, das eben jeden Sonntag immer wieder Tatort guckt, weil sie es immer gemacht haben. So wie in manchen Familien Generationen immer wieder SPD gewählt haben, der Opa, die Mutter und jetzt die Jungen. Was sie nur nicht bemerken: die SPD liegt deutschlandweit bei 15 Prozent in den Umfragen. Ein jämmerliches Abbild der großen stolzen Arbeiterpartei. Aber einen Kanzlerkandidaten stellen sie dennch wieder auf…

Klaus Borowski aus Kiel ist einer der besseren Kommissardarsteller dieser Krimireihe, ohne Frage. Und seine Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) spielt ihre Rolle auch stark – vorhin durfte sie sogar mal durch eine Tür einen Schuss abgeben. Toll, oder? Nüchtern betrachtet war der heutige Tatort gar nicht schlecht, Plot gut, in Teilen spannend, überzeugende Schauspieler, auch der durchgeknallte Parkhauswächter Mario Lohse (Joseph Bundschuh) spielt seine Rolle als männlicher Waschlappen, der keine abkriegt, beeindruckend.

Doch dann kommt ARD pur, fallen Ausdrücke wie „rechte idioten“, werden Antisemiten herangezogen und ein Bezug hergestellt zu den Mördern von Christchurch, Halle, Hanau, Oslo und Utøya. Die Botschaft? Männer sind halt so. Werden sie abgewiesen, wollen Frauen mit ihnen nicht ins Bett, „verweigern sich“, ja, dann morden Männer halt, und wer mordet, der muss ja auf jeden Fall ganz doll rechts sein.

Ich weiß jetzt schon, dass ich über Nacht wieder ganz viele Mails und postings mit dem Text „Herr Kelle, warum tun sie sich die ARD immer noch an?“ erhalten werde. Und wissen Sie was das Problem dabei ist? Ich weiß nicht mehr, was ich darauf antworten soll. Wahrscheinlch liegt es daran, dass ich als Mann einfach zu doof bin. Oder zu rechts…

Bildquelle:

  • Tatort-Borowski-und-die-Angst-der-weissen-Maenner20_07.03.2021: ndr
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.