Unterste Schublade…

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Sind Sie Masochist? Ihre Sache, geht mich und uns hier nichts an. Aber wenn Sie mal die geballte Bildungskatastrophe Deutschland erleben wollen, empfehle ich Ihnen, in eine Harcorde-Gruppe von Putin-Fans in den Sozialen Netzwerken einzuchecken, wie ich es manchmal tue, damit ich mich vergewissere, dass ich zu solchen unfreiwilligen Bildungsverweigerern sicher nicht dazu gehören möchte. Danke bei der Gelegenheit an meinen Freund Haio, der mich bei dieser jüngsten „Challenge“ begleitet hat.

Also in einem Thread von Putin-Fanboys und -girls mit einem Dummfilmchen vermutlich aus russischer Troll-Produktion reitet der ukrainische Präsident Selenskyj auf dem Rücken des „Goldesels“ Merz, aus dessem Mund und Hintern unablässig Goldmünzen und Geldschreine strömen. Das ist so unglaublich doof, dass selbst Comedy von Böhmermann wie für Akademiker gemacht erscheint.

Aber es gibt ein Milieu in manchen Regionen Deutschlands, wo man morgens in Jogginghose und mit Sandalen darauf wartet, dass die Trinkhalle öffnet, während man solche Volksverblödung total lustig findet und konsumiert.

Als ich mir erlaubte, den Hausherrn der Facebook-Gruppe zu fragen, ob ihm solche Hetze nicht selbst peinlich ist, brach ein Sturm an Beleidigungen und Beschimpfungen über mich herein.

Ralf D. empfahl mir, ich solle „nicht so viel Frostschutzmittel saufen“.

„Oh, weh, was bist Du dumm“, sorgt sich ein Ralph K. und sein Buddy Klaus K. – ausgerechnet – nennt mich einen „Ukrofreund der Faschisten“. Ich hätte „schwer einen anner Kelle“, weiß Ralf G. und Robert M. empfiehlt, ich solle „in den Wald gehen, um Holz zu hacken“.

Schön auch Olaf H., ein Angler, wie man auf seinem Profil feststellt. Er weiß, dass ich ein „Arschloch“ bin. Irene, sie wird keine Dame mehr, nennt mich „Dummschwätzer“ und Waldemar F. weiß, dass ich „ein ungebildeter Bauer“ bin. Frank Z. ist auch ein Schnuckelchen, ich solle doch in Ukraine fahren und „dem Kokser sein Poperze“ lecken…und Gabi versteht jetzt, dass ich „dumm“ bin. Und so weiter…

Nicht, das sich mein Pulsschlag erhöht, wenn ich solchen Gedankenmüll lese, ich möchte Ihnen, die Sie vielleicht nicht in solchen lustigen Hotspots des deutschen Bildungsprekariats unterwegs sind, nur schildern, wer da draußen alles Deutschland retten will und hier wählen darf.

Wenden wir uns wieder wichtigen Themen zu!

Eine schöne Woche Ihnen allen!

Mit herzlichen Grüßen

 

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.