Warum der Frühe Vogel heute so viel später losgeflattert ist

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Bitte entschuldigen Sie die Verspätung des Frühen Vogels am heutigen Dienstag, aber es gibt gute Gründe dafür, dass meine allmorgendliche Plauderei mit Ihnen in den neuen Tag heute zehn Stunden später erscheint, als sie es gewohnt sind.

Dazu müssen Sie wissen, dass ich seit dem 6. März, dem Start von TheGermanZ als Online-Tageszeitung für Deutschland, ein nächtliches Ritual pflege. An jedem Abend gehe ich nämlich eine Viertelstunde vor Mitternacht in die Küche, mache mir einen frischen Kaffee, und dann setze ich mich gemeinsam mit der („Einstein“-) Tasse vor mein Laptop. Und dann überlege ich, welches Thema ich für Sie als leichtes Hinübergleiten ins Frühstück vorbereite. Der „Frühe Vogel“ ist ja eigentlich geklaut von den – natürlich – Amis. Die engsten Berater des US-Präsidenten bereiten aus allen wichtigen Ereignissen der Nacht jeden Tag für POTUS eine Mappe vor, in der er auf wenigen Blättern Papier eine Übersicht bekommt, was gerade auf der Welt Unerfreuliches los ist. Und diese Mappe nennen sie im Weißen Haus den „Early Bird“, den frühen Vogel.

Als Leser meines allmorgendlichen Beitrags wissen Sie, dass es sich bei mir in der Regel nicht um Kim Jong Un, Putin und den Gaza dreht, sondern eine ganz bunte Mischung an Themen behandelt wird. Und dafür gibt es keinen Wochenplan und keine Spätkonferenz, das denke ich mir nachts um 23.45 Uhr aus, und dann schreibe ich los. Im Grunde ist der „Frühe Vogel“ vergleichbar mit der sogenannten „Lokalspitze“ früherer Zeiten bei den örtlichen Zeitungen, wo auch mal zum Start in den Tag über den Streit mit den Nachbarn oder die Goldene Hochzeit eines Vereinsvorsitzenden philosophiert wird. Sowas gab es auch bei der Süddeutschen Zeitung als „Streiflicht“ als ich die zuletzt las. Es muss so irgendwann in 2013 gewesen sein.

Bei mir ist bunte Themenvielfalt hier, mal geht es um Merkel und ihre Gäste mit den Messern, mal über die bevorstehenden Sommerferien und mal schreibe ich über die Impfung meiner ältesten Tochter, alles was so anfällt, alles, was mir gerade nachts in den Sinn kommt.

Vergangene Nacht um 23.45 Uhr befand ich mich allerdings am Steuer meines Autos auf einer deutschen Bundesautobahn und hatte noch 740 Kilometer vor mir bis nach Hause. Wahrscheinlich halten mich einige von Ihnen sowieso für völlig durchgeknallt, sicher aber für einen Workaholic, und ich würde beiden Kategorisierungen gar nicht widersprechen. Ich liebe meinen Beruf auch nach 35 Jahren noch heiß und innig, und für eine gute Geschichte lasse ich nahezu alles liegen. Und um eine solche Geschichte ging es gestern.

Eine Geschichte, für die ich stundenlang in ein Nachbarland fahren musste, um einen Informanten zu sprechen, den ich nie vorher getroffen hatte. Und um mir seine atemberaubende Geschichte in einem dreistündigen Gespräch anzuhören. Jetzt muss nachgearbeitet werden, weitere Recherchen dazu stehen an, und in zwei, vielleicht drei Wochen werden Sie es in TheGermanZ lesen und Sie werden sich an diesen Frühen Vogel erinnern, weil die Geschichte, die ich schreiben werde, mit Sicherheit im politischen Deutschland für erhebliches Aufsehen sorgen wird. Und sie werden sich erinnern, dass Sie unbedingt noch mit einem einfachen Klick auf der Startseite ein Abo abschließen wollten, es dann aber nicht getan haben, weil das andere schon für Sie erledigen.

Ich hatte vorhin überlegt, in einem Hotel zu übernachten und dann heute früh die Marathontour zu absolvieren, aber ich entschied mich dagegen, weil ich heute Mittag einen wichtigen Termin in der Heimat habe. Und – glauben Sie es oder nicht – ich war zwei Mal versucht, nachts um 1.30 Uhr und um vier Uhr an eine Raststätte zu fahren, mich im McDonals-W-Lan einzuloggen und einen aktuellen „Frühen Vogel“ zu schreiben. Aber ich war letztlich froh, dass ich standhaft blieb und einfach weiterfuhr. Kurz nach 1 Uhr rief mich noch ein betrunkener Freund aus einem Hotelzimmer irgendwo an, um mit mir an der Strategie zu feilen, wie wir Deutschland mit französischen Rotwein vor dem Sozialismus retten. Das hält 20 Minuten wach, ansonsten mussten sechs Stunden Rap-Musik den Job übernehmen, mich wachzuhalten.

Was soll ich sagen? Kurz vor sieben Uhr stieg ich aus, räumte noch den Pappbecher, den 70-Cent-WC-Coupon, die Tankquittung und die Verpackung vom Lions vom Beifahrersitz. Drei Tassen Kaffee, ein Mettbrötchen beim Bäcker nebenan geholt, Nachrichtenlage gecheckt, ein paar Texte redigiert und diesen Frühen Vogel geschrieben.

Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sch…müde ich gerade bin. Ihnen einen wunderbaren Tag! Ich gehe jetzt schlafen. Bis später mal!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.