Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
gestern Charlie Kirk, heute 9/11 – und das, obwohl es so viele innenpolitischen Themen gibt, über die man schreiben könnte.
Das stimmt, und wenn es Ihnen zu viel wird, müssen Sie ja auch nicht weiterlesen.
Aber als jemand, der in Berlin lebt wurde ich heute Morgen auf das Schicksal von Ingeborg Joseph aus dem Berliner Stadtteil Frohnau aufmerksam gemacht, einer Frau, die am 11. September 2001 im Südturm des World Trade Centers war und beim monströsen Terroranschlag schwer verletzt wurde. In ihrer Heimat erinnert eine Grabplatte auf dem Friedhof an die Frau, deren Name auch auf dem National 9/11 Memorial in Manhattan eingraviert ist.
Als älteste von sechs Geschwistern wuchs Ingeborg (geborene Fiechtner) in einer Familie auf, die wie damals üblich eher traditionell geprägt war, mit engen gesellschaftlichen Konventionen, wie es sie überall in der Nachkriegszeit gab. Doch zunehmend fiel es ihr schwer, sich einzufügen in traditionelle Rollenbilder für Frauen damals. Sie suchte nach Unabhängigkeit und, ja, nach Freiheit.
Noch jung verließ sie ihr Elternhaus und lebte in mehreren europäischen Metropolen: Paris, London, Brüssel und Barcelona. Praktisch nebenbei lernte sie in dieser Zeit fünf Sprachen fließend zu sprechen.
1967 dann, im Alter von gerade einmal 27 Jahren, zog Ingeborg Joseph in die pulsierende amerikanische Metropole New York, wo sie nach eigenem Bekunden endlich die Freiheit fand, die sie gesucht hatte.
Viele Jahre lang arbeitete sie als Import-Managerin für ein Hamburger Logistikunternehmen namens Rohde & Liesenfeld. Ihr Büro befand sich im 32. Stock des Nordturms des World Trade Centers.
Am 11. September 2001 entschied sich Ingeborgs Schicksal innerhalb weniger Minuten
Ihre Berliner Familie konnte anhand von Kreditkarten-Abrechnungen später herausfinden, dass sie um 8:40 Uhr noch in einer Drogerie (Duane-Reade-Markt) in der unterirdischen Einkaufspassage direkt unter dem World Trade Center einkaufte. Nur sechs Minuten später, um 8:46 Uhr, schlug das erste entführte Flugzeug (American-Airlines-Flug 11) in die oberen Etagen des Nordturms ein.
Der Jet-Treibstoff der AA 11 schoss nach dem Aufprall in den Turm die Fahrstuhlschächte hinab und löste in der Lobby Explosionen und verheerende Feuerbälle aus. Ingeborg Joseph überlebte, aber sie erlitt schwerste Verbrennungen an 80 Prozent ihrer Haut.
Man brachte sie in ein Krankenhaus, versetzte sie in ein künstliches Koma. Sie muss unerträgliche Schmerzen erlitten haben, fast einen Monat lang kämpften die Ärzte um das Leben der damals 60-Jährigen. Dann machten ihre Organe nicht mehr mit. Ohne noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben, verstarb Ingeborg Joseph. Ihre Familie überführte den Leichnam zurück nach Hause, nach Frohnau.
Mich hat diese Geschichte sehr berührt, auch weil ich oft in Frohnau unterwegs bin
Was für eine Tragödie, einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein.
Insgesamt elf deutsche Staatsbürger starben an diesem 11. September 2001 durch den islamischen Terror. Ich möchte Ihnen auch die anderen zehn neben Ingeborg Josep hier nennen:
- Heinrich Bernhard Ackermann (38): Er stammte aus dem Münsterland und arbeitete im Südturm für den Versicherungsmakler Aon Corporation.
- Sebastian Gorki (27): Investmentbanker aus Iserlohn. Er war für die Deutsche Bank in den USA tätig und hielt sich am Morgen zu einem Termin im World Trade Center auf.
- Klaus Johannes Sprockamp (42): Unternehmer und Familienvater, der für ein geschäftliches Meeting im Nordturm verabredet war.
- Christian Hans Rudolf Wemmers (42): Ein Softwareentwickler aus Hamburg, der in San Francisco lebte und wegen einer Messe in New York war. Er hatte um neun Uhr einen Termin im 106. Stock des Nordturms.
- Sigrid Charlotte Wiswe (41): Sie stammte aus Niedersachsen und arbeitete als Unternehmensberaterin im World Trade Center.
An Bord des United-Airlines-Flugs 175 (Südturm)
Drei Angestellte des Software-Unternehmens BCT Technology aus Baden-Württemberg saßen auf dem Weg zu geschäftlichen Terminen in der Maschine, die in den Südturm gesteuert wurde:
- Klaus Bothe (31)
- Heinrich Kimmig (43)
- Wolfgang Peter Menzel (59)
An Bord des United-Airlines-Flugs 93 (Absturz in Pennsylvania)
- Christian Adams (37): Der Exportmanager des Deutschen Weinfonds war auf dem Weg zu einer Weinverkostung an der US-Westküste. Er starb beim Absturz der Maschine bei Shanksville.
An Bord des American-Airlines-Flugs 77 (Pentagon)
- Barbara G. Edwards (58): Die gebürtige Deutsche arbeitete als Sprachlehrerin in den USA und befand sich nach einem Urlaub auf der Rückreise in dem Flugzeug, das die Terroristen in das Pentagon steuerten.
Wir alle werden den 11. September nie vergessen. Und wir alle sollten den fast 3000 Opfern, für die hier stellvertretend die 11 Deutschen genannt werden, ein ehrendes Andenken bewahren.
Mögen sie in Frieden ruhen und das Ewige Licht für sie scheinen!
Ihr Klaus Kelle