Wir können uns glücklich schätzen, dass das Wasser immer sprudelt – aber nichts ist ohne Risiko

Einmal drehen und das Wassersprudelt...

von KLAUS KELLE

BERLIN – Vorab mal zur Einordnung: In vielen Regionen unserer Welt ist Trinkwasser so knapp, dass das tägliche Überleben für die Menschen, die dort wohnen, zur existenziellen Herausforderung wird. Die Vereinten Nationen (UN) haben festgestellt, dass etwa 2,2 Milliarden Menschen keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser haben. Etwa 3,5 Milliarden fehlt es an grundlegenden sanitären Einrichtungen wie Duschen oder Toiletten. In Ländern wie Eritrea oder Uganda laufen die Leute jeden Tag mindestens eine halbe Stunde, um an Trinkwasser zu kommen.

Ich dachte heute Morgen daran, als ich mir eine Flasche kaltes Wasser aus dem Kühlschrank holte, um sie dann mittels Sprudelmaschine prickelnd zu machen und erst mal ein großes Glas zu trinken, bevor ich duschen ging.

Es ist eines der vielen Dinge, die für uns Deutsche seit Jahrzehnten so selbstverständlich sind, während wir uns jeden Tag in Debatten über kleine Problemchen und Belanglosigkeiten ergehen. Der jederzeitige ungehinderte Zugang zu Trink- und Nutzwasser ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Ich meine, ein Viertel unseres gesamten täglichen Wasserverbrauchs wird allein dazu genutzt, unsere Toilette zu benutzen.

Das ist – kein Witz – die größte Einzelposition in unserer Wasserbilanz, noch vor der persönlichen Hygiene. Wir nutzen für unsere Toiletten kein aufbereitetes Regenwasser oder Grauwasser, sondern das gleiche Wasser, das wir auch für einen frisch aufgebrühten Earl Grey-Tee oder Babynahrung verwenden könnten.

Eine durchschnittliche Dusche von etwa acht Minuten verbraucht bei einem herkömmlichen Duschkopf zwischen 80 und 100 Liter Wasser. Wer gerne ausgiebig badet, füllt die Wanne sogar mit bis zu 150 Litern. Die Körperpflege macht rund 36 Prozent unseres Verbrauchs aus. Rechnet man das Geschirrspülen und das Putzen hinzu (jeweils etwa 6 Prozent) sowie die Waschmaschine, die mit rund 12 Prozent zu Buche schlägt, wird allein bei dieser Statistik deutlich, wie gut wir in diesem Land ganz selbstverständlich leben.

Von den etwa 125 Litern, die jeder Deutsche täglich direkt verbraucht, landen nur etwa zwei bis fünf Liter tatsächlich in unserem Körper.

Wir trinken es, kochen Kaffee oder bereiten eine Suppe zu. Weniger als 4 Prozent unseres direkten Wasserverbrauchs dienen also der direkten Lebenserhaltung durch Ernährung. Der Rest ist reines Brauchwasser für Komfort, Hygiene und Entsorgung.

Deutschland ist ein wasserreiches Land

Und die sichere Versorgung mit Wasser basiert auf einem ausgeklügelten System mit der wichtigsten Voraussetzung: dem Grundwasser.

Denn mehr als 60 Prozent unseres Trinkwassers werden aus tiefen Brunnen gefördert. Es ist vorher durch Kies-, Sand- und Gesteinsschichten gesickert, die wie natürliche Filter funktionieren. Und das Schöne dabei: Es wird so nicht nur gereinigt, sondern auch mit wertvollen Mineralien angereichert. Und dort, wo das Grundwasser nicht ausreicht – wie etwa in Ballungsräumen oder Gebirgsregionen –, greift man auf Oberflächenwasser zurück.

Talsperren im Harz, im Sauerland oder im Schwarzwald sammeln Regenwasser und Schmelzwasser und leiten es über riesige Fernleitungen bis in die Städte, wo wir dann einfach den Wasserhahn aufdrehen.

Der ewige Kreislauf, wie das so schön heißt

Aber so einfach ist es dann doch nicht. Denn verbrauchtes Wasser ist ja nicht einfach so weg. Es muss danach eben wieder in den technologischen Kreislauf zurück – über die Kanalisation in Klärwerke, wo es in mehreren Stufen (mechanisch, biologisch und chemisch) gereinigt wird, bevor es wieder in die Flüsse als sogenannt „Vorfluter“ geleitet wird. Dort verdunstet es, regnet ab und füllt dann das Grundwasser auf.

Die deutsche Trinkwasserverordnung gehört zu den besten in der Welt. Unser Leitungswasser wird häufiger und genauer kontrolliert als jedes Mineralwasser aus der Flasche. Wir können es überall bedenkenlos trinken. Und selbst in extrem trockenen Sommern ist die Versorgung stabil.

Doch nichts ist ohne Risiko

Auch bei der Wasserversorgung in Deutschland gibt es natürliche und unnatürliche Risiken.

Wenn es im Winter nicht genug regnet oder schneit, füllen sich die Grundwasserspeicher nicht auf. Bei extremer Hitze steigt der Verbrauch. Durch Überdüngung in der Landwirtschaft gelangt zu viel Nitrat ins Grundwasser. Die Aufbereitung wird dadurch extrem teuer und technisch aufwendig.

Alles bekannte Gefahren, mit denen sich Experten jeden Tag erfolgreich herumschlagen.

Kaum kalkulierbar sind in diesen Zeiten allerdings gewollte und bewusst ausgeführte Angriffe auf die deutsche Trinkwasserversorgung. Diese hybriden Angriffe bereiten den Sicherheitsbehörden vor dem Hintergrund feindlicher Aktivitäten in Deutschland die größten Sorgen.

Da moderne Wasserwerke hochgradig digitalisiert sind, können Angreifer über das Internet oder lokale Netzwerke vergleichsweise einfach in die Steuerungssysteme (SCADA) eindringen.

Hacker könnten die Software dann so manipulieren, dass zu viel Chlor oder andere Aufbereitungsstoffe zugesetzt werden, was das Wasser vergiftet. Oder das Lahmlegen der Steuerungskonsolen: Dadurch kann die Wasserzufuhr für ganze Stadtviertel oder strategisch wichtige Standorte (Krankenhäuser, Bundeswehrkasernen) unterbrochen werden. Und bei den Talsperren können digitale Angriffe Schleusen unkontrolliert öffnen und so massive Überschwemmungen auslösen.

Nein, sicher ist nichts mehr in diesen Zeiten, auch die Wasserversorgung nicht.

In Deutschland gab es bereits mehrfach Vorfälle, bei denen Zäune an Trinkwasser-Hochbehältern durchschnitten wurden, was den Verdacht einer Kontamination auslöste und zur sofortigen Sperrung der Versorgung für tausende Menschen führte – konkret zum Beispiel bei der Bundeswehr-Kaserne in Mechernich.

Freuen wir uns also, dass manche Dinge in Deutschland immer noch gut funktionieren, und hoffen wir, dass unsere Sicherheitsbehörden in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass das auch so bleibt.

Bildquelle:

  • Dusche_Wasserverbrauch: adobe.stock/rawpixel.com

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.