Im Vatikan brennt noch Licht: Kardinal Müller kritisiert politische Aussagen einiger deutscher Bischöfe zur AfD

Das Zentrum der katholischen Weltkirche in Rom.

ROM – Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, emeritierter Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, hat die Stellungnahmen einiger deutscher Bischöfe vor und nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit deutlichen Worten kritisiert. Die geistliche Autorität der Hirten dürfe nicht genutzt werden, um eine politische Partei zu begünstigen oder zu benachteiligen. Auf dem katholischen Nachrichtenportal kath.net mahnte er am Montag zur parteipolitischen Neutralität der Katholischen Kirche und sprach von „einigen verwirrenden Äußerungen deutscher Bischöfe anlässlich der Bundes-, Landes- und Kommunalwahlen“, die „aus theologischer Sicht einer Klärung bedürfen“.

Kardinal Müller reagierte damit auf Aussagen wie die des Münchner Erzbischofe, seines Amtskollegen Kardinal Marx, der den Wahlsieg der AfD „abscheulich“ genannt hatte. Und Berlins Erzbischof Heiner Koch hatte in einem Interview vor dem Wahltag gesagt, seine Kirche müsse das Risiko eingehen, Wähler der AfD als Mitglieder zu verlieren

Müller erinnerte daran, dass die Apostel Jesu und ihre Nachfolger eingesetzt worden seien, um das Evangelium zu verkünden, die Sünder zur Umkehr zu rufen und das Leben der Gnade durch die Sakramente zu vermitteln. Bischöfe und Priester dürften „ihre geistliche Autorität keinesfalls in die Waagschale werfen“, wenn es um den legitimen Wettbewerb um die Mehrheit in einem demokratischen Staat „für oder gegen eine bestimmte politische Partei“ geht.

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation unterscheidet diese parteipolitische Intervention von der Verpflichtung, moralische Grundsätze auf das öffentliche Leben anzuwenden.

Die Kirche müsse die Menschenrechte gegenüber Ideologien verteidigen, die der Würde der Person widersprechen, und sich zu Fragen äußern, die über die besonderen Interessen der Staaten hinausgehen, wie Frieden, soziale Gerechtigkeit oder die menschliche Würde. Die christliche Auffassung vom Menschen führe dazu, jede Einteilung der Menschen nach „Ständen, Klassen, Kasten und Rassen“ abzulehnen. Die pauschale Zuschreibung eines „ethnisch-rassischen“ Denkens an eine Partei und ihre Wähler stelle, so Müller, „eine nicht bewiesene Tatsachenbehauptung“ dar.

Es sei „schwer oder unmöglich zu verstehen“, dass Millionen deutscher Bürger eine Ideologie angenommen hätten, die das natürliche Sittengesetz und die christliche Anthropologie offen verletze. Sollte dies wirklich geschehen sein, so müsse man sich auch nach der Verantwortung der Kirche selbst – in den Familien, den Pfarreien und dem Religionsunterricht – bei der Bildung der Gewissen fragen.

Für den Kardinal wird die Zugehörigkeit zur Kirche nicht durch die Parteipräferenz bestimmt. Der Christ wird durch den Glauben an Jesus Christus und die Taufe in die Kirche aufgenommen, wodurch er Teil des Leibes Christi wird. Gleichzeitig erkennt der Kardinal an, dass das Lehramt „das Recht und die Pflicht“ habe, einen Katholiken zu warnen, wenn er seine Rettung dadurch gefährdet, dass er wesentliche Glaubenswahrheiten leugne oder die Gebote schwerwiegend verletze. Ausdrücklich zählt er dazu auch die „illegale und unmenschliche“ Behandlung von Ausländern, auch von solchen, die sich unrechtmäßig in Deutschland aufhalten.

Dennoch, so Müller, erstrecke sich diese geistliche Autorität nicht darauf, den Katholiken eine bestimmte Wahlentscheidung aufzuzwingen, wenn sie von den persönlichen politischen Präferenzen eines Bischofs abweichen.

Jeder Katholik muss selbst entscheiden, wen er wählt

„Bei demokratischen Wahlen hat jeder Katholik das Recht, seine Stimme der Partei zu geben, die er für fähiger hält, die Probleme des Landes besser zu lösen als die anderen Parteien“, bekräftigte Müller. Diese Freiheit setzt voraus, dass die gewählte Regierung „nicht zu unmoralischen Mitteln greift oder mit ihnen kokettiert“.

 

Bildquelle:

  • Petersdom_Vatikan: pixabay/hsvbooth

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