Einer der größten Geschichtenerzähler unserer Zeit ist tot: Jeffrey Archer (86) starb am Tag, bevor sein neues Buch erscheint

Britischer Bestsellerautor Jeffrey Archer

von KLAUS KELLE

BERLIN/LONDON – Der herausragende britische Bestsellerautor Jeffrey Archer ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren, wie sein Verlag mitteilte, ohne die Todesursache zu nennen. Es sei unerwartet passiert, so heißt es.

Archers Tod berührt mich, weil er zu den produktivsten, ja schillerndsten Köpfen im Literaturgeschäft gehörte und weltweit 300 Millionen Bücher mit seinen Erzählungen verkauft haben soll. „Das Imperium“ ist dabei mein persönliches Lieblingsbuch überhaupt, weil ich Thriller mit realem Hintergrund liebe. Auf Platz 2 folgt übrigens in meiner ganz persönlichen Hitliste „Goldküste“ von Nelson DeMille und dann Tom Clancys „Ehrenschuld“, wo ein Pilot mit seiner Passagiermaschine ins US-Kapitol kracht. Das Buch erschien 1994, und nicht nur ich bin überzeugt, dass Osama bin Laden den Bestseller damals in seiner Höhle in Tora Bora (Afghanistan) auch gelesen hat.

Zurück zu Jeffrey Archer, einem Titanen der klugen Unterhaltungsliteratur

Sein Leben steckte selbst so voller dramatischer Wendungen, politischer Triumphe und persönlicher Abgründe, dass er keine Mühe gehabt haben dürfte, immer wieder Ideen für neue Bücher zu entwickeln.

Irgendwie passt auch der Todestag dazu, denn Archer starb einen Tag, bevor sein letzter Roman veröffentlicht wurde.

Jeffrey Archer war zeitlebens auch ein zutiefst überzeugter Konservativer, der die politische Landschaft Großbritanniens über Jahrzehnte aktiv mitgestaltete. Bereits im Alter von nur 29 Jahren zog er für die Tories in das britische Unterhaus ein und galt rasch als eines der vielversprechendsten politischen Talente seiner Generation. In den 80ern wurde er zu einem der engsten Vertrauten der großartigen Premierministerin Margaret Thatcher. Die „Eiserne Lady“ schätzte seinen Ehrgeiz, seine rhetorische Brillanz und sein Gespür für den Zeitgeist. So ernannte Thatcher ihn 1985 zum stellvertretenden Vorsitzenden der Konservativen Partei.

Aus einfachen Verhältnissen in London geboren, kämpfte sich Archer ganz nach oben. Stipendien und sein sportliches Talent ebneten seinen Weg in eine private Schule (Wellington School), von der aus er später dann sogar den Sprung an die Oxford-Universität schaffte. Fortan zählte er zur britischen Elite.

Archer verkörperte den Geist Thatchers perfekt, nachdem man es durch eigene Leistung bis ganz nach oben schaffen kann.

Als er 1974 anfing mit dem Schreiben, geschah das nicht aus einer inneren Berufung heraus, sondern durch pure Geldnot. Und Talent, das hatte der Mann mehr als die meisten anderen.

Jeffrey Archer nahm seine Leser mit hinter die Kulissen des Parlaments, in die Chefetagen der Hochfinanz und in die Luxusvillen der globalen Machtelite. Zu seinen bekanntesten Werken gehören das Jahrhundert-Epos „Kain und Abel“, die Aufsteiger-Saga „Triumph und Fall“ und sein international gefeierter Mehrteiler „Clifton-Saga“.

Unter seinen großen Werken ragt für mich, wie eingangs erwähnt, der Roman „Imperium“ heraus, der zum großen Teil die erbitterte Fehde der beiden realen großen Medien-Zaren der damaligen Zeit, Rupert Murdoch und Robert Maxwell, erzählt.

Kein anderes Buch Archers fängt die Mechanismen von politischem Einfluss, medialer Manipulation und der berauschenden, oft korrumpierenden Wirkung von Erfolg derart meisterhaft ein. Und das auch noch genial erzählt…

Jeffrey Archers Leben war eine Aneinanderreihung von Extremen

Dem tiefen Fall zur Jahrtausendwende, als ihn ein Meineids-Skandal für zwei Jahre hinter Gitter brachte, begegnete er mit derselben Disziplin, die ihn als jungen Oxford-Studenten schon ausgezeichnet hatte: Er schrieb im Gefängnis einfach weiter und schuf seine gefeierten „Gefängnistagebücher“. Er war ein Freigeist, ein politischer Überzeugungstäter und vor allem ein unübertroffener Konstrukteur literarischer Welten. Seine Stimme ist jetzt verstummt, doch seine Romane werden weiterhin Millionen Menschen rund um den Globus begeistern.

 

 

 

 


Bildquelle:

  • Jeffrey_Archer: jeffreyarcher.com

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.