Wie das Land Brandenburg 1,5 Millionen Euro für Azubi-Plakate ausgab und nicht wissen will, ob es was gebracht hat

Viel Geld, erkennbar bescheidene Gegenleistung.

POTSDAM – Stellen Sie sich vor, Sie führen einen Betrieb und geben neun Jahre lang jährlich rund 200.000 Euro für Werbung aus. Dann fragt Ihr Steuerberater: Und, hat’s was gebracht? Und Sie antworten: Keine Ahnung, nachgesehen haben wir nie. Der Steuerberater würde vermutlich die Stirn runzeln. Das Land Brandenburg nennt es Ausbildungskampagne.

Die Kampagne heißt „Brandenburg will Dich! Hier hat Ausbildung Zukunft“. Sie soll junge Leute für eine Lehre im Land begeistern: Plakate, Online-Werbung, Fahrgast-TV im Zug und eine Bustour, bei der Jugendliche vor Ort beraten werden. Laut Landesregierung kostete das seit 2017 rund 1,5 Millionen Euro.

Belegt sind nur die Jahre ab 2020, ältere Akten wurden vernichtet. Allein seit 2020 sind es bis Ende September 2026 rund 1,43 Millionen. Und es geht weiter: Im Haushaltsentwurf stehen für 2027 und 2028 nochmal 214.000 Euro pro Jahr. All das steht in der Antwort auf eine Anfrage der AfD-Abgeordneten Dr. Daniela Oeynhausen und Dr. Hans-Christoph Berndt im Potsdamer Landtag.

Und die Antworten haben es in sich. Wurden Motive und Slogans je bei Jugendlichen getestet? „Nein.“

Wurde die Kampagne evaluiert, also auf ihre Wirkung untersucht? „Es wurden keine Evaluationen durchgeführt.“

Der Erfolg messe sich an „qualitativem Feedback“ der Besucher und am Wiedererkennungseffekt des Slogans. Für mehr gebe es„weder finanzielle Mittel noch personelle Ressourcen“. Wohlgemerkt: bei einem Budget von mehr als 200.000 Euro im Jahr.

Was die Daten sagen? Die Zahl der Bewerber sank von 14.521 (2017) auf 12.697 (2025). Die Zahl neuer betrieblicher Ausbildungsverträge stieg von 9.497 auf 9.972. Das eigene Ziel von 10.000 Verträgen erreichte das Land nur 2024.

Ob das an der Kampagne liegt?

Wer weiß. Die Regierung jedenfalls nicht, sie sieht die Kampagne als „einen von vielen Bausteinen“.

Und das Geld? Fast alles floß an Agenturen. Zwei Tage Bustour beim Lollapalooza-Festival in Berlin kosteten 22.574,30 Euro, Plakate in Brandenburg und Berlin rund 15.000 Euro. Berlin beteiligte sich nicht, Brandenburg zahlte.

Besonders auffällig: der Wettbewerb. Öffentliche Aufträge werden ausgeschrieben, damit mehrere Firmen Angebote machen und der Preis sinkt. Bei der Mehrzahl der aufgelisteten Aufträge gab es aber nur einen Bieter, so bei der Bustour 2026 für satte 91.808 Euro. Die größten Auftragnehmer: Preuss und Preuss (2020 bis 2022) und die Potsdamer medienlabor GmbH (seit 2023).

Oeynhausen dazu: „Steuergeld in Millionenhöhe für eine Werbekampagne und nach neun Jahren weiß die Landesregierung noch immer nicht, ob sie überhaupt etwas gebracht hat! Keine Evaluation, keine belastbare Erfolgskontrolle. Dafür kassieren Agenturen, die der SPD und den Grünen nahestehen, kräftig ab. Wenn es bei Ausschreibungen nur einen einzigen Bieter gab, hinterlässt das einen mehr als schalen Beigeschmack.“ Bis der Nutzen belegt sei, dürfe „kein einziger Euro mehr dafür in fragwürdige Kanäle fließen“.

Den Vorwurf der Nähe der Agenturen zu Parteien kommentiert die Landesregierung nicht. Dazu findet sich nichts in der Antwort. Auch kein Dementi. Klar ist nur: Wir, die zahlen, dürfen weiter bezahlen. Ohne Nachweis, ohne Prüfung. Man fragt sich: Wie lange noch?

Bildquelle:

  • Geld_Euro: pixabay

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