Amthors Strandkorb ist eine Lappalie, die unfähige Regierung ist das Problem

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Deutschland kriselt, die Regierungskoalition ist eine Regierungsdisruption. Wie wird es mit der Pflege, wie wird es mit der Rente – wann kommt ihr endlich zu Ergebnissen?

Und über wen und was diskutiert das politische Berlin?

Über die Arbeitsmoral von Jens Spahn und den Strandkorb von Staatsminister Philipp Amthor (beide CDU).

Der Strandkorb, der wieder zurück nach Mecklenburg-Vorpommern transportiert wird, nachdem eine Welle der Kritik über das ewige Jungtalent der Union eingebrochen ist, ist eigentlich eine Lappalie, völlig belanglos.

Würde die Regierung ihren Job gut machen, interessierte der Vorgang keinen Menschen. Aber das macht sie eben nicht.

Da wird alles, was irgendwie kritikfähig wäre, zu einem großen Skandal aufgeblasen. Und der CDU-Politiker, geboren in Ueckermünde, ist natürlich jemand, der polarisiert und der – jedenfalls für CDU-Verhältnisse – die Werkzeuge der Social-Media-Kanäle beherrscht.

Als unser jüngster Sohn noch 14 war, kannte er Philipp Amthor schon, einfach weil der dauerpräsent auf TikTok und Insta und irgendwie witzig war. Nicht wegen kluger Aussagen oder weil er ihn als politisches Vorbild erkannte – einfach, weil er präsent und bisweilen lustig war.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, auch sie von der CDU, hat erst gestern wieder harte Kante gegen die Umgangsformen im Deutschen Bundestag angekündigt. Dabei geht es um rüpelhaftes Verhalten und Dauerstörungen seitens der Fraktionen von SED/Linke und AfD, aber auch um die Selbstinszenierung einzelner Abgeordneter.

Manche Reden im Parlament wirkten, als würden sie nur gehalten, um danach in kurzen TikTok-Videos verwertet werden zu können. Da würden „Follower“ vom Rednerpult des Bundestages begrüßt und Reden ohne jeden Bezug zum Vorredner gehalten. Die Geschäftsordnung des Bundestages sei deshalb – so Klöckner – umfassend überarbeitet worden – zum ersten Mal in diesem Umfang seit 45 Jahren.

Was hat das alles mit Amthors Strandkorb zu tun?

Nun, der Mann wirkt, als sei er die CDU-Variante der von Klöckner kritisierten AfD und Linken. Als der Strandkorb geliefert wurde – na klar – ließ Philipp davon erstmal ein Video drehen. Und das ZDF verbreitete das in der Dokumentation „Inside CDU“ und übers Netz in die deutschen Haushalte. Als die Skandalisierung begann, wurde der Strandkorb sogar Thema in der Bundespressekonferenz.

Ein Sprecher der Bundesregierung versicherte, Amthor habe ein Stück seiner Heimat mit an den prominenten Arbeitsplatz im Bundeskanzleramt bringen wollen. Und klar, wenn ich ein neues Büro beziehe, dann steht oder hängt da auch ein Kreuz, ein Bild meiner Familie und etwas von Arminia Bielefeld. Aber ich arbeite auch nicht auf Kosten der Steuerzahler im Bundeskanzleramt.

Würde diese Bundesregierung funktionieren und anständige Politik abliefern, niemand würde sich für den Strandkorb interessieren. Aber die Stimmung in Deutschland ist inzwischen so, dass die beschließen können, was sie wollen, es gibt Dresche, wo immer es geht.

Erinnern Sie sich noch an Frau Schlesinger?

Die war 2022 Intendantin des öffentlich-rechtlichen RBB und ließ sich die „Intendanz-Etage“ an der Berliner Masurenallee für schlappe 658.000 Euro umbauen – wohlgemerkt aus den GEZ-Zwangsabgaben, die Sie alle und ich bezahlen müssen für die mediale „Grundversorgung“.

Konkret: Fußboden in Schlesingers Büro für etwa 17.000 Euro, Designermöbel für 60.000 Euro, Massagesessel. Während im Sender ein striktes Sparprogramm aufgelegt wurde inklusive Stellenabbau, erhielt die Führungsebene um Schlesinger ein geheimes Bonussystem, durch das sie zusätzlich zu ihrem ohnehin hohen Grundgehalt von rund 300.000 Euro hohe jährliche Sonderzahlungen kassierte.

Ich könnte viele andere Beispiele von unverschämter Selbstbedienung auf Kosten der Allgemeinheit hier aufzählen. Und wenn Sie sich das vor Augen führen, dann ist ein Strandkorb – Neupreis zwischen 600 und 1500 Euro – wirklich eine Lappalie, zumal Amthor den selbst bezahlt hat und auch den Transport zum Kanzleramt und jetzt den Abtransport. Kein echter Skandal, aber Minister Philipp wollte halt mal wieder witzig sein…

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.