Andrij Melnyk im Auto unterwegs Richtung Kiew: Eine höchst effektive Nervensäge fährt nun nach Hause

Andrij Melnyk hat Deutschland verlassen. Foto: Michael Kappeler/dpa
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von KLAUS KELLE

BERLIN – Zugegeben, der Mann hat genervt, vielleicht nervt er auch in Zukunft. Er hat jeden Tag unablässig gefordert, gefordert, gefordert…von der Bundesregierung, von Deutschland, von uns. Und wenn nach lamgem Zaudern und Zagen dann die Bundesregierung mal irgendwelche Waffen geliefert hat, so legte er am gleichen Abend noch nach und forderte noch mehr und noch effektivere Waffen.

Nach fast acht Jahren als ukrainischer Botschafter in Deutschland ist Andrij Melnyk am Morgen Richtung Kiew aufgebrochen, wo er einen neuen Posten im Außenministerium übernehmen soll. Er sei gegen 10 Uhr mit dem Auto von seiner Residenz abgereist, teilte Melnyk mit. Am Montag wird sein Nachfolger Oleksii Makeiev in Berlin erwartet. Der Wechsel an der Spitze der Botschaft wird formell aber erst mit der Akkreditierung bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vollzogen, für die es noch keinen offiziellen Termin gibt.

Andrij Melnyk hat einen exzellenten Job gemacht – für sein Land, die Ukraine. Und genau das ist die Aufgabe eines Botschafters, dessen Land in seiner Existenz bedroht ist.

Er hat die Deutschen genervt, auch die große Mehrheit der Deutschen, die hinter der Ukraine stehen. Jetzt ist aber auch mal gut, war überall zu hören, wenn Melnyk wieder den Bundeskanzler, den Bundespräsidenten, die Parteien, nahezu alle öffentlich abgewatscht hat. Aber so hat er die Aufmerkamkeit der Bevölkerung auf den widerwärtigen russischen Angriffskrieg gegen sein Land gelenkt. So hat er viel bekommen für die Ukraine, Geld, Waffen, Solidaritätserklärungen. Ja, ich finde, Melnyk hat das gut gemacht, auch wenn er immer wieder genervt hat. Ich hoffe, Deutschland hat in einer internationalen Krise auch Botschafter, die die Interessen unseres Landes dann vertreten, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Der 47-jährige Melnyk war im Januar 2015 Botschafter in Deutschland geworden und hat sich hier mit einer für einen Diplomaten ungewöhnlich harten Gangart gegen die deutsche Staatsführung einen Namen gemacht. In den ersten Kriegsmonaten wurde Melnyk zu einem der häufigsten Gäste in deutschen Talkshows. Kaum ein Tag verging, an dem er nicht Kampfpanzer und Luftabwehrgeschütze forderte und der Regierung Zögern und Zaudern vorwarf.

Melnyk sieht seine Aufgabe erfüllt

«Ich glaube, es ist mir gelungen, die Deutschen für das Thema Ukraine zu interessieren, dafür zu sorgen, dass man die Ukraine hier wirklich erkennt und versteht», sagte Melnyk der dpa vor seiner Abreise. «Wenn ich jetzt nach Hause komme, erfüllt es mich mit Stolz, dass viele Waffensysteme aus Deutschland geliefert wurden, die uns helfen, die besetzten Gebiete und unsere Landsleute Schritt für Schritt zu befreien.» Melnyk betonte aber auch, na klar, dass noch mehr geliefert werden müsse, «um die Russen zu vertreiben».

Der scheidende Botschafter soll nun wahrscheinlich Vize-Außenminister werden, ein Posten, den er schon früher einmal hatte. Die Regierung hat aber noch nicht abschließend darüber entschieden. «Deswegen bin ich selbst gespannt, was auf mich zukommt. Ich werde wahrscheinlich am Dienstag Präsident Selenskyj sehen. Und er wird mir dann hoffentlich persönlich sagen, wo er mich in seinem großen Team sieht», sagte Melnyk…

Bildquelle:

  • Andrij Melnyk: dpa
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