Die „documenta“ in Kassel: Antisemitismus an jeder Ecke, Isrealis nicht zu finden

Kunstschau mit dem Hang zum Antisemitismus.
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von THILO SCHNEIDER

KASSEL – Von der „documenta“ in Kassel haben Sie bestimmt schon gehört. Bei diesem alle fünf Jahre stattfindenden „Kunstevent“ gibt es in Kassel an verschiedenen Standorten Kunst zu sehen. Von echten Künstlern und solchen, die glauben, es zu sein. Die Künstler stammen aus aller Herren- und Damenländer, man trinkt Rotwein, plaudert und ist charmant und mit etwas Glück findet der ein- oder andere auch ein hübsches Kunstwerk, das dem heimischen Vestibül einen Hauch Schick und Kunstverstand verleiht.

Für die 15te documenta 2022 hatte sich die Generaldirektorin Sabine Schormann etwas Besonderes ausgedacht: Kuratieren sollte die diesjährige documenta ein indonesisches Kollektiv mit dem hübsch exotischen Namen „ruangrupa“. Was sollte da schon schiefgehen? Nun, das indonesische Künstlerkollektiv hat keinen israelischen Künstler gefunden. Nicht einen. Nichts, nothing, nada. Aber nicht, weil es keine israelischen Künstler gäbe oder diese den hohen Qualitätsstandards der indonesischen Künstlergrupa entsprächen, sondern weil, eh, weil eben.

Den die ruangrupa hat ein – nennen wir es freundlich – „distanziertes“ Verhältnis zu Israel. Weil Israel ein Apartheidstaat ist. Sagen jedenfalls einige Mitglieder der Kuratorengrupa. Nicht direkt, aber indirekt.

Aber der Reihe nach

Es gibt einen hübschen offenen Brief mit dem charmanten Titel „A letter against Apartheid“ (Apartheid kennen Sie: Eine nach Religion oder Hautfarbe getrennte Gesellschaft, die tunlichst die „Unreinen“ von den Übermenschen trennt), der Israel vorwirft, ein Apartheidstaat zu sein, weil in Israel angeblich Palästinenser straflos verletzt oder sogar gelyncht werden dürften. Aus keinem bestimmten Grund, einfach, weil sie da sind. Das ist natürlich hanebüchener Quatsch, aber exakt dieser Quatsch reicht einer Hamas, um Israel mit allem zu beschießen, was die EU-Hilfsgelder hergeben. In jenem literarisch kotbaren Kleinod stehen noch ganz andere Dinge drin, die im Tenor auf die Vernichtung des Staates Israel hinweisen. Diverse Künstler haben diese nette Fantasiegeschichte unterschrieben, so beispielsweise Ayşe Güleç („Artistic Team“ der documenta), Farid Rakun (Mitglied ruangrupa), Ade Darmawan (Mitglied ruangrupa) oder Reza Afisina (Mitglied ruangrupa) – und das sind nur einige der Namen, die direkt oder indirekt mit ruangrupa oder den angeschlossen Künstlergruppen zusammenhängen.

Natürlich rauscht es ob dieser seltsamen Nähe der Kuratoren von ruangrupa zu waschechtem Antisemitismus und dem unvermeidlichen BDS gewaltig in den deutschen Feuilletons. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, meint vorsichtig, es „dränge sich der Eindruck auf, dass der BDS mit seinem Boykottisraelischer Kunst und Kultur bereits wirke.“ „Aber nicht doch“, erklären die Kuratoren von ruangrupa treuherzig, ja, es treten zwar palästinensische Künstler auf, die „Israelkritik“ (ein so hübsches Wort) oder „Zionismuskritik“ (noch ein hübsches Wort) üben und, ja, es haben sich keine israelischen oder wenigstens jüdischen Künstler gefunden (haben lassen), aber hey: Auch andere Staaten sind auf der documenta15 nicht vertreten, ja und? Machen deswegen die Fidschi-Inseln oder Mikronesien die Welle? Also! Das „da siehts mans mal wieder, de Jodn“ schwingt da nur so ein klein wenig zwischen den Zeilen. Wobei, man muss es ehrlich sagen, niemand „Fidschi-Kritik“ oder „Mikronesien-Kritik“ übt.

Aber es gibt auch Entwarnung: Denn wie lautet das überdeutsche Credo? „Für Antisemitismus ist in Deutschland kein Platz!“ Und seit der großen deutschen Diagonal-Denkerin und Nicht-ganz-Dichterin Sawsan Chebli wissen wir ja, dass Antisemitismus „vor allem Muslime bedroht“. Nun, für jüdische Künstler ist bei der documenta offensichtlich auch kein Platz.  Erst recht nicht, wenn drei Viertel der Kuratoren und angeschlossenen Künstlergruppen dem BDS und seiner „Israelkritik“ zumindest nahestehen.

Dafür kommt jedoch das „palästinensische“ Künstlerkollektiv „A Question of Funding“ auf seine staatlich geförderten Kosten: Dort finden sich unter anderem Überlebenskünstler des „Khalil-Sakakini Cultural Center“, dessen blumiger Namensgeber der Meinung war, „Hitler habe der Welt die Augen geöffnet und sich den Juden gestellt und diese in ihre Schranken gewiesen“.

Nun, es waren keine Schranken, sondern Gaskammern, in die die Juden „gewiesen wurden“, aber halten wir uns diesbezüglich nicht mit Kleinigkeiten auf, denn jener Khalil Sakakini war nach seiner Zeit als antisemitischer Schrankenwärter dann der Auffassung, dass „der Holocaust von den Juden parasitär ausgenutzt wurde“. Antisemiten also bei der documenta? Aber nein – ich bitte Sie. Das hat er bestimmt nicht so gemeint. Er und all die anderen, die von „Israelkritik“ und „Apartheidstaat“ und „Lynchmorden“ für hartes öffentliches Geld schwafeln. Das ist doch bitte keine Antisemitismus – und selbst, wenn er es wäre, so würde er ja „vor allem Muslime bedrohen“.

Je tiefer man bei den Veranstaltern und den Künstlerkollektiven der documenta gräbt, desto mehr unappetitliche antisemitische Leichen schwemmen nach oben, desto mehr tut sich ein Sumpf von gegenseitigen Abhängigkeiten, Beziehungen und dem Abgreifen öffentlicher Gelder auf. Aber wie sagte „ruangrupa“ der „Hessischen Allgemeinen“? „Ruangrupa ist in der Stadt Kassel fest verwurzelt!“ Nun, Juden scheinen das hingegen nicht zu sein. Für Antisemitismus ist in Kassel immerhin mehr Platz als für jüdische Künstler. Man muss da Prioritäten setzen.

P.S. „Stoppt BDS“-Kundgebung am Samstag, dem 18. Juni ab 14.00 Uhr am Friedrichsplatz in Kassel. Antisemitismus keine Chance geben.

(Weitere documenta-tionen des Autors auch unter www.politticker.de)  

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

 

Bildquelle:

  • Documenta_Kassel_2022: stadt kassel
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