Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen… Kennen Sie, oder?
Das bekannte Zitat des deutschen Dichters Matthias Claudius stammt aus seinem im Jahr 1785 verfassten Gedicht Urians Reise um die Welt. Oft wird es falsch zitiert, wenn statt kann er was erzählen gesagt wird: kann er was erleben. Aber das ist hier heute egal. Richtig ist jedenfalls: Reisen bildet ungemein!
Ich bin derzeit in Norwegen, eingeladen von einem guten Freund zum Austausch mit kreativen Medienleuten, auch Influencern, zu Workshops und zum Besuch einer hochinteressanten Einrichtung, von der ich Ihnen in den kommenden Tagen berichten werde.
Norwegen ist ein fantastisches Land, das weiß ich schon seit 30 Jahren, als ich das erste Mal in Oslo war.
Es ist wohlhabend durch die boomende Öl-, Gas- und Fischerei-Industrie. Es ist Gründungsmitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO, aber nicht der EU, was dem Land augenscheinlich nicht geschadet hat.
Und wenn man hier mit Menschen am Tisch sitzt, denkt man unwillkürlich, wie gut es ist, dass wir in Europa in einem Boot sitzen. Wir haben eine gemeinsame Geschichte auf diesem Kontinent, wir haben verheerende Kriege geführt, und nun sind wir – zumindest mit den meisten – gute Freunde und Handelspartner und genießen die Vorzüge offener Grenzen und fehlender Zollschranken.
Nicht umsonst findet in Großbritannien derzeit eine intensive Debatte darüber statt, ob der Brexit vielleicht doch eine ganz schlechte Idee war und man zurück in die Europäische Gemeinschaft (EU) streben sollte.
Dabei ist die real existierende EU nicht einmal attraktiv
Wenn es wirklich drauf ankommt, dann versagt sie. Bei Corona war das zu beobachten und bei der unkontrollierten Massenmigration. Und die EU hat sich von einem sinnvollen Konstrukt, um in der Welt gegen Supermächte wie die USA, China und Indien bestehen zu können, weg von ihrer Kernkompetenz bewegt.
Es ist nicht die Aufgabe Brüssels, den Menschen in ihren Ländern vorzuschreiben, welche Glühbirnen sie benutzen dürfen oder wie viele Geschlechter sie haben sollen. Ob sie die gleichgeschlechtliche Ehe zulassen oder nicht – das können die Mitgliedstaaten mit ihren Bürgern allein regeln, das muss keine Frau von der Leyen tun.
Ich bin wirklich ein überzeugter Fan des vereinten Europas – nicht als Nationalstaat, aber als wertebasierte Gemeinschaft souveräner Staaten, gebaut auf dem christlichen Abendland und als Leuchtfeuer für die Menschen der Welt, wenn es um Demokratie, Meinungsfreiheit, Menschenrechte und unabhängige Gerichte geht.
Und wenn Sie mir jetzt Beispiele nennen, wo das innerhalb Europas auch mal gescheitert ist – geschenkt. Ich rede nicht über einzelne Personen oder Beschlüsse, ich rede von der großen Grundidee. Von den Visionen der Gründerväter Jean Monnet, Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi. Das waren solche Lichtgestalten, die es nach dem Krieg unbedingt brauchte, um uns Europäer wieder zusammenzuführen und dauerhaft den Frieden zumindest in diesem Teil der Welt zu sichern. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte bis heute.
Und ganz profan: Was wäre die Welt ohne britischen Tee, italienischen Kaffee und Fisch zum Frühstück? Den gibt es hier gleich.
Ihnen allen ein schönes Wochenende!
Ihr Klaus Kelle