Die ständigen russischen Provokationen müssen gravierende Folgen haben – reden wir doch mal mit China

Der Handel zwischen China und dem Westen hat zwei Spuren

von KLAUS KELLE

BUKAREST – Ich glaube nicht, dass das ein „Versehen“ war. Es war absichtlich und gewollt, um zu testen, wie der Westen jetzt reagiert.

In Rumänien knallte vergangene Nacht eine russische Drohne in einen Wohnkomplex – ein „Absturz“, wie es heißt. Zwei Menschen wurden dabei verletzt.

Und weiter?

Die NATO hat erklärt, das sei eine „Rücksichtslosigkeit“ Moskaus, und man werde jetzt seine Verteidigung „gegen alle Bedrohungen weiter verstärken, einschließlich Drohnen“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, nun sei „eine weitere Grenze überschritten“. Und natürlich stehe man an der Seite Rumäniens. Moldaus Präsidentin Maia Sandu verurteilte „aufs Schärfste den russischen Drohnenangriff auf rumänische Privatwohnungen“. Russland sei „eine Gefahr für alle und muss gestoppt werden“. Und da hat sie recht.

EU-Ratspräsident António Costa verurteilte die „leichtsinnige“ Eskalation durch Russland und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas spricht von einer „eklatanten und schwerwiegenden“ Verletzung der Souveränität Rumäniens und des europäischen Luftraums.

Also alles irgendwie wie immer

Die Russen provozieren und westliche Politiker schreiben Tweets auf X. Und das ist ja nicht das erste Mal, dass solche Dinge passieren.

Russische Drohnen über Schiffen der deutschen Bundesmarine, Sabotage sogar auf einigen Schiffen. Im Herbst 2025 drangen russische Kampfflugzeuge „versehentlich“ in den estnischen Luftraum ein. So wie 19 russische Drohnen „versehentlich“ in den polnischen eingedrungen sind. Und so weiter, solche Dinge passieren beinahe täglich.

Außer lauen Protesten in den Sozialen Netzwerken oder auch mal einer Sondersitzung des Nordatlantikrates passiert nichts.

So wie nichts Gravierendes passiert ist, als 20.000 russische Söldner 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einnahmen. Protest, laue Sanktionen und weiter auf der Tagesordnung.

Das muss aufhören!

Denn wir alle haben gesehen, was in der Folge mit der Ukraine passierte. Putin versteht nur eine Sprache, und das ist die der Stärke. Der wirtschaftlichen, aber auch der militärischen.

Die NATO, selbst die Europäer ohne die Amis, ist Russland militärisch haushoch überlegen. Trotzdem will natürlich niemand einen großen Krieg – übrigens bin ich überzeugt, die Kreml-Führung auch nicht.

Aber sie wollen uns ängstigen, sie wollen uns zu Pussies machen, die nicht mehr fähig sind, auf diese ständigen Provokationen hart zu reagieren.

Dabei gäbe es noch viele Werkzeuge, wie alle Fäden nach Russland gekappt werden könnten.

Und man muss auch mal bei Russlands wichtigstem Verbündeten China nachhaken, diplomatisch. Denn China verdient viel Geld mit dem Westen und verlässt sich auch darauf, dass unsere Wirtschaft schon brav vollzieht, was Peking erwartet, um bloß den größten Absatzmarkt nicht zu gefährden.

China ist der weltgrößte Elektronikproduzent, kann aber die dafür nötigen High-End-Chips nicht in ausreichender Menge oder Qualität selbst herstellen.

Konkret: 68 Prozent aller importierten Halbleiter stammen aus dem Westen und Taiwan. Ohne westliche Lithographiesysteme (wie die des niederländischen Weltmarktführers ASML) kann China keine hochmodernen Chips selbst pressen. Die Produktionsmaschinen im Halbleitersektor stammen zu rund 76 Prozent aus dem Westen.

Zwar baut China mit der C 919 mittlerweile eigene Passagierflugzeuge, um Marktführer wie Boeing und Airbus herauszufordern, doch das ist bisher nicht mehr als Fassade. Triebwerke, modernste Avionik (Bordelektronik) und komplexe Steuerungssysteme müssen fast vollständig importiert werden. Im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik liegt der westliche Importanteil bei etwa 99 Prozent.

China importiert gigantische Mengen an Nahrungsmitteln, um Engpässe zu vermeiden.

So kommen 77 Prozent des importierten Schweinefleischs und 70 Prozent des Maises aus westlichen Ländern. Auch bei Saatgut, hochspezialisierten Düngemitteln und landwirtschaftlichen Großmaschinen ist die westliche Technologie führend.

Es besteht also ein Gleichgewicht des Schreckens, wenn man es so nennen will

Aber auch China kann null Interesse an einem großen Konflikt mit einem vereinten Westen haben. Und wir haben das auch nicht. Aber vielleicht müssen unsere Diplomaten mal etwas deutlicher mit all denen reden, die meinen, aus strategischen Gründen weiter mit dem Irren in Moskau dealen zu können.

Bildquelle:

  • Container_China: adobe.stock/ki

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.