Es nervt, wenn die Politik – die CDU – die Bürger nicht mehr ernst nimmt

Wahlwerbung 2025 am Konrad-Adenauer-Haus in Berlin.

Gastbeitrag von SASCHA FELSKEN* (CDU-Mitglied)

BERLIN – Uns als CDU steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Bundeskanzler Friedrich Merz – im Wahlkampf mit großen Versprechen angetreten, aber seitdem nur darauf bedacht, dass „der liebe Lars“ nicht grantig wird – ist unbeliebt wie kaum ein Kanzler zuvor.

In den Umfragen zieht die AfD immer stärker an uns vorbei. Im Norden irrlichtert Genosse Günther von einer Kooperation mit der umbenannten SED. Und was macht unsere CDU? Eine seltsame Broschüre über die AfD – und – weil der Witz irgendwie nicht so richtig gezündet hat – schreibt man jetzt noch einen Brief an alle AfD-Bundestagsabgeordneten und fordert sie zum Parteiaustritt auf. Haha! Was für eine tolle Aktion. Oder?

Was glaubt man in Berlin eigentlich, wie unsere Wähler ticken?

Der Unternehmer, der vor lauter Bürokratie, Berichtspflichten und Vorgaben keine Zeit hat, sich um sein Unternehmen zu kümmern? Der Arbeitnehmer, dessen Werk geschlossen werden soll, weil wegen der „Energiewende“ Strom künstlich teuer gemacht wird und man im Ausland für die Hälfte produzieren kann? Der Landwirt, dem irgendwelche Beamten erklären wollen, wie man gesunde und regionale Lebensmittel herstellt? Die Angestellte, die sieht, wie sein Viertel absteigt und sich fragt, wo die „Asylwende“ bleibt und warum immer noch Hunderttausende Syrer hier im Bürgergeld leben, statt Syrien wiederaufzubauen?

Der Pendler, dem man jedes Jahr mit irgendeiner CO2-Abgabe den Weg zur Arbeit künstlich verteuert?

Glaubt irgendwer in der Berliner CDU-Blase, dass auch nur einer unserer Wähler sagt: „Ha, super!“ Jetzt haben wir eine lustige Broschüre gegen die AfD gemacht und denen einen Brief geschrieben. Super! Endlich tut die CDU mal was!

Hält man unsere Wähler im KOnrad-Adenauer-Haus wirklich für so einfach gestrickt?

Mich macht das wirklich fassungslos! Uns steht das Wasser bis zu den Nasenlöchern. Und in Berlin veranstaltet man so ein Kasperletheater.Die Wahrheit ist doch: Genau mit so was machen wir die AfD groß! Weil wir dem Wähler das Gefühl vermitteln, dass wir uns nur mit uns selber befassen.

Anstatt endlich Energie günstig zu machen, Bürokratie abzubauen, Steuern und Abgaben zu senken, Sozialleistungen zusammenzustreichen, die Asylwende knallhart durchzusetzen, die Einbürgerungsregeln zu verschärfen, endlich in großem Umfang nach Syrien abzuschieben und das Leben der Bürger spürbar zu verbessern, machen wir so einen Kindergarten.

Und im Übrigen: Man muss sich schon entscheiden. Man kann die AfD finden, wie man will, aber: Entweder ist die Partei eine Gefahr für die Verfassung – dann sollte man einen Verbotsantrag stellen. Oder sie ist es nicht, dann ist so ein Aufruf, aus einer konkurrierenden Partei auszutreten, einer bürgerlichen Volkspartei einfach unwürdig.

Das Grundgesetz privilegiert nicht umsonst die Parteien, weil sie das Rückgrat der parlamentarischen Demokratie sind. Und da gehört sich so was einfach nicht! Punkt! Man sollte diesen Unfug schnellstens einstellen – oder irgendwas anderes machen, was nichts mit Politik zu tun hat. Es nervt, wenn die Politik die Bürger nicht ernst nimmt.

Bildquelle:

  • Konrad-Adenauer-Haus_CDU_AfD: adobe.stock/ardan fuessmann

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.