EXKLUSIV IM INTERVIEW Das „Phantom der AfD“ Tom Rohrböck: „Ich wünsche Björn Höcke ein langes und gesundes Leben“

Politikberater und Strippenzieher Tom Rohrböck

BERLIN – Zumindest für die Medien gilt Tom Rohrböck als einer der mächtigsten Strippenzieher hinter den Kulissen der AfD. Dass das nicht aus der Luft gegriffen ist, wurde diese Woche deutlich, als der AfD-Bundesvorstand beschloss, dass die Partei keinerlei Zusammenarbeit mit dem Mann mehr zulassen will, ihn nicht mehr an Parteiveranstaltungen teilnehmen oder diese organisieren zu lassen. Grund sei, dass der Mann ganze AfD-Landesverbände „unter Kontrolle“ habe, wie das linke Meinunungsportal Correctiv gerade berichtete. TheGermanZ gelang es, Herrn Rohrböck selbst ans Telefon zu bekommen und exklusiv zu befragen.

Herr Rohrböck, seit Jahren gelten Sie als „das Phantom“, das in der AfD die Strippen zieht und von dem keiner weiß, wo er ist und was er wirklich tut. Wie viel Einfluss haben Sie wirklich auf die Partei und die Fraktion?

 Mein Einfluss liegt allein darin, dass ich vielerlei Kontakt habe. Und wenn einer nach meiner Meinung fragt, äußere ich diese gerne mal.

Der AfD-Bundesvorstand hat in dieser Woche formell beschlossen, dass man ausdrücklich keine Zusammenarbeit mit Ihnen will. Können Sie sich erklären, weshalb nicht?

 Im AfD Landesverband Bayern ging der Notruf rum, das „Phantom“ würde den barocken Landesvorsitzenden Stephan Protschka stürzen wollen. Björn Höcke wurde von seinen bayerischen Statthaltern Stephan Protschka und Katrin Ebner-Steiner in großer Panik vor ihre Abwahl angesteckt, und so machte der Thüringer enormen Druck auf Dr. Alice Weidel, hier für seine Leute zu handeln. Alice ist eine sehr ängstliche Person. So kenne ich sie. Sie dürfte innerlich vor dem großen NS-Romantiker Höcke stramm gestanden sein. Das Ergebnis ist nun, dass ich vorerst keine Parteitage der AfD besuchen kann und zur Vorbereitung eines solchen auch keine Stühle rücken darf.

 Um Sie ranken sich viele Geschichten, von Förderung von Kandidaturen, von Geldflüssen an Zukunftshoffnungen in der Partei, vom Organisieren von Delegiertenstimmen. Verraten Sie uns, wie viel Wahrheit in diesen Geschichten steckt?

 Keine! Das sind alles  Gespenstergeschichten.

Dass Ihr Name aktuell in der medialen Öffentlichkeit aufploppt, hängt wohl mit dem brutalen Machtkampf im bayerischen AfD-Landesverband zusammen, der am Wochenende beim Landesparteitag seinen Höhepunkt finden dürfte. Im Umfeld der bayerischen Fraktionsvorsitzenden Ebner-Steiner heißt es, Sie wollten sie stürzen, um damit den Einfluss von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke in der West-AfD zu reduzieren. Ist an diesen Gerüchten etwas dran?

Sollte mich je jemand zu Hilfe rufen, die umtriebige Katrin Ebner-Steiner los zu werden, wäre ich für die bayerische AfD und für ganz Bayern gerne dabei. Die Frau ist eine sehr gewöhnungsbedürftige Person und wird nie eine AfD Bayern in die Regierung führen können. Ihr fehlt einfach jedes Format meiner Einschätzung nach.

Was stört Sie persönlich eigentlich an Björn Höcke und seinen völkischen Freunden?

An Björn Höcke stört mich persönlich nichts. Ich wünsche dem Privatmann Höcke ein langes und gesundes Leben. Er ist ein intelligenter Kerl, der sich aber ein arg romantisch verklärtes Weltbild erschaffen hat. Seine reine Lehre verbreitet er wie in einer Sekte. Eine 30 Prozent AfD kann aber nicht wie eine kleine, rechtsextreme Partei geführt werden. Geht nicht. Wird nie gehen. Da mag ein Björn Höcke kämpfen wie er will.

Es ist bekannt, dass Sie der vielleicht wirkmächtigste Netzwerker im AfD-Milieu sind. Sie unterstützen offenkundig Kampagnen, sie ziehen Fäden vor Parteitagen und sie laden zu schicken Kennenlern‘-Wochenenden auch außerhalb Deutschlands ein. Verraten Sie uns, in welchem Auftrag und mit welchem Geld?

Das ist völlig wild übertrieben. Auch Sie, lieber Herr Kelle, stützen sich hier auf oft kolportierte Behauptungen.

Aus dem AfD-Bundesvorstand hört man, Sie könnten für Russland oder auch für den Verfassungsschutz arbeiten. Verraten Sie wenigstens das unseren Lesern?

Die Russische Föderation ist ein großes und mächtiges Land. Der russische Auslandsnachrichtendienst SWR wirkt sicher auch in die AfD, aber nicht über mich. Und der deutsche Verfassungsschutz ist meiner Ansicht nach in seiner jetzigen Konstruktion veraltet. Er ist Entwurf der Nachkriegszeit. Andere Staaten bauen ihren Inlandsgeheimdienst funktioneller auf. Aber das ist eine andere Thematik.

 

Das Gespräch führte Klaus Kelle.

Bildquelle:

  • Tom_Rohrböck_AfD: privat

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.