Heute wählt Frankreich: Le Pen reitet auf einer „sehr klaren und soliden Dynamik“

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Liebe Leserinnen und Leser,

in Frankreich finden heute Präsidentschaftswahlen statt. Erwartet wird wieder das Duell zwischen Amtsinhaber Emmanuel Macron und der Rechten Marine Le Pen, die in meinen Augen gar keine Rechte ist. Klar, sie ist gegen Masseneinwanderung und den Islam – und das ist gut nachvollziehbar und zu begrüßen. Aber ihre Partei hat eine klar sozialistische Agenda. Und das ist nicht gut.

Es ist nicht gut, weil Sozialismus noch nie irgendwo auf der Welt funktioniert hat und auch nie wird funktionieren können, weil der Sozialismus der Natur des Menschen widerspricht. Ganz einfach. Und man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll, dass nun ausgerechnet bei vielen Rechtsaußen in Ostdeutschland Sozialismus wieder hoch im Kurs steht, wenn man einfach nur das Label „patriotisch“ oder „völkisch“ draufschreibt.

Nationaler Sozialismus, wie ich das bezeichnen würde, ist die Pest. Jede Gesellschaft, die klar bei Verstand ist, sollte sich energisch gegen solche Bestrebungen auflehnen. Auch die französische, wenngleich ich einräume, dass Frau Le Pen in vielerlei Hinsicht durchaus beeindruckend ist, wir mir auch Menschen bestätigen, die sie persönlich gut kennen. „Das ist schon etwas anderes als HC Strache“, sagte mir mal jemand, der im Brüsseler EU-Zirkus mittendrin dabei ist.

Die aktuellen Umfragen vor dem ersten Wahlgang sehen Macron mit zwei, vielleicht drei Punkten vorn – zwischen 27 und 23 bewegt sich das derzeit. Und bisher galt immer – im zweiten Wahlkampf heißt es dann: Alle gegen Rechts – und dann war es das für Frau Le Pen.

Und doch: Langeweile wird nicht aufkommen. Jean-Luc Mélenchon, im Moment auf Platz 3 in den Umfragen, kommt zwar von der politischen Linken, hat aber beunruhigend viele Schnittmengen mit Le Pen. So fordern beide den Ausstieg der Grande Nation aus der Kommandostruktur der NATO, was gerade in dieser Zeit kein gutes Zeichen wäre. Und beide wollen weg vom exklusiven EU-Bündnis Deutschland-Frankreich im europäischen Club. Und Marine Le Pen hat zwar angesichts des russischen Völkermordes und der Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine Putins Krieg jüngst verurteilt, doch unvergessen ist ihr fast devoter Besuch im Kreml und der Neun-Millionen-Kredit einer russischen Bank für Le Pens Wahlkampf vor einigen Jahren, der – so war zu lesen – bis heute nicht zurückgezahlt wurde. Eine Putinistin und NATO-Deutschland-EU-Gegnerin an der Spitze Frankreichs? Ds wäre nicht gut. Nein, das wäre gar nicht gut.

Bisher hat das Verfahren immer geklappt – Kopf-an-Kopf-Rennen im ersten Wahlgang, klare Klatsche für Le Pen im zweiten Wahlgang. Dieses Mal läuft das möglicherweise anders. Befragt nach ihrer Präferenz für eine Stichwahl zwischen Macron und Le Pen fand das Meinungsforschungsinstitut Kantar Public Erstaunliches heraus: Le Pen hat darin bei den Franzosen von 34 auf 47 Prozent zugelegt. Institutschefin Laure Salvaing: „Le Pen reitet derzeit auf einer sehr klaren und soliden Dynamik“.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.