If you go through hell…keep going

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Liebe Leserinnen und Leser,

das Zitat, das der frühere Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser gestern Abend vor einem handverlesenen Publikum im Münchner Schloss Nymphenburg benutzte, stammt ursprünglich vom einstigen britischen Kriegs-Premier Winston Churchill. Aber der Satz ist bei mir hängengeblieben. Denn je älter ich werde, desto weniger Kompromisse mag ich schließen, stelle ich bisweilen an mir selbst fest. Es wäre viel leichter, Menschen nach dem Mund zu reden und zu schreiben, aber das mag ich nicht mehr.

Wenn Du sowieso durch die Hölle musst, dann bleib‘ bloß nicht stehen, würde ich formulieren, was Kaeser meint, immerhin einst einer der absoluten Top-Manager in Deutschland und auch international. Mein Freund Peter, der mich zuvor spontan zu dieser Veranstaltung einer schweizerischen Kantonalbank im Schloss eingeladen hatte, erinnerte mich nach dem Vortrag Kaesers an eine Situation während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, der seinerzeit internationale Top-Manager ins Weiße Haus eingeladen hatte, um von ihnen zu hören, was sie persönlich und ihre Konzerne tun wollen, um Amerika voran zu bringen. Sensationell, diese Chuzpe. Und gleich waren wir beim nächsten Thema: Kann man einen Staat, noch dazu die führende Weltmacht, wirklich wie ein Unternehmen führen? Ich weiß es nicht, aber ich finde, das ist ein spannendes Gedankenexperiment…

Der Abend mit Kaeser und 300 wohlhabenden Bankkunden war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Ich muss 62 Jahre alt werden, um zum ersten Mal im Schloss Nymphenburg zu sein. Gigantisch groß, sehr schön, der „Mantel der Ge’chichte“ weht in der Anlage. Das „Flying Buffet“ vorher und nachher war Champions League. Alles perfekt organisiert. Ich muss sagen, wenn ich Einladungen bekomme, wo außergewöhnliche Menschen aus der Nähe zu erleben sind, dann bin ich gern dabei. Das können Politiker sein, aktiv und gut, aber auch Elder Statesmen, die nach ihrer Karriere kein Blatt mehr von der Mund nehmen müssen. Das können Top-Manager wie Kaeser sein, die einen globalen Milliardenkonzern mit 150.000 Mitarbeitern und mehr geleitet haben.

Oder das kann ein Coach sein, wie dieser Mann aus Japan, dessen Name mir nicht einfällt, aber dessen Satz „Jedes Meeting, das länger dauert als zehn Minuten, und jedes Telefonat, das länger dauert als eine Minute sind vergeudete Zeit.“ Das ist doch absolut richtig. Oder der Ami, dessen Vortrag ich in Stockholm hörte vor einigen Jahren, und der uns damals eingebleut hat, eine Geschäftsidee sei nur dann gut, wenn man sie in drei Worten umfassend beschreiben kann. Als Walt Disney einmal gefragt wurde, wie er sein Business beschreiben würde, da hat er nicht von Comics gesprochen und von Donald Duck, nicht von animierten Filmen und Freizeitparks. Wald Disney beschrieb sein Geschäft so: „Making people happy!“

Ich genieße solche Abende, ich sauge die Erfahrung und den Erfolg dieser Leute auf. Und ich empfinde es als Privileg, dass ich als Journalist immer mal wieder zu solchen Runden kommen darf.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.