Mein Kino-Nachmittag am Sonntag: Gehirnwäsche als deutsche Komödie verkleidet

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

als wir gestern nach der Heiligen Messe und einer Tasse Kaffee in Berlin zufällig am „Zoo-Palast“ in Berlin vorbeischlenderten, überkam uns die Lust auf ein Kino-Ereignis der Extraklasse am Sonntagnachmittag, wo alles immer ein bisschen ruhiger ist und keine Termine auf unsereins warten.

Allein das Kino ist schon der Hammer: 773 Sitzplätze, ach, was sag ich? Es sind elektrisch verstellbare Ledersessel und Logenplätze mit viel Beinfreiheit, und vor jedem Hauptfilm gibt es eine spektakuläre Licht-, Sound- und Wassershow. Und in den Premium-Logen gibt es vor dem Film sogar Service direkt am Platz, der leckere Schweinereien bringt.

Ja, der Zoo-Palast ist spektakulär und schon allein einen Besuch wert

Egal, welcher Film gerade gezeigt wird.

Wir schauten auf das große Filmplakat an der Außenfassade und lasen „Der perfekte Urlaub“ – mit deutschen Filmgrößen wie Karoline Herfurth, Wotan Wilke Möhring und Jessica Schwarz. Was also, sollte da schiefgehen?

Ich muss in der Rückbetrachtung sagen: Ich glaube, ich habe noch niemals in meinem 67-jährigen Leben Eintrittsgeld in einem Kino für so etwas Geist- und Belangloses ausgegeben, wie diesen Film.

Für diejenigen unter Ihnen, denen dieses Kinoerlebnis bisher erspart geblieben ist: Herzlichen Glückwunsch!

Die Handlung ist schnell erklärt. Eine Großstadt-Clique will getrennt voneinander auf Mallorca entspannen und reist unter allerlei Lügengeschichten auf die Insel. Durch eine Reihe unerwarteter Ereignisse landen die Männer und Frauen dann aber doch ungewollt in derselben Luxus-Villa. Die ging dann schnell versehentlich in Flammen auf, so dass man in ein All-inclusive-Clubhotel umziehen muss.

Und mal unter uns: Die Vorstellung, dass eine Villa zufällig gerade dann abbrennt, wenn alle Geheimnisse zwischen den Protagonisten ans Licht kommen, und alle Beteiligten das unbeschadet überstehen, ist allein schon absurd.

Das Auffliegen sexueller Geheimnisse und Partnertausch auch unter den Hauptdarstellern wird als ein einziger grenzenloser Spaß gezeigt.

Niemand ist niemandem für nix irgendwie böse, selbst peinlichste Momente am Pool werden irgendwie weggelächelt.

Wer den grenzenlosen Hedonismus für etwas Normales hält, der hat noch nie erlebt, wie tiefe emotionale Wunden derartiges in der Lebensrealität aufreißt und dauerhaft hinterlässt.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch!

„Der perfekte Urlaub“ ist als Komödie angekündigt. Und sicher gibt es Zeitgenossen, die was zu lachen haben.

Ich hatte nicht einen Moment, in dem ich lachen konnte. Was natürlich auch an mir liegen kann.

Der ganze Film ist eine einzige Eloge auf ungehemmtes Fremdgehen, also Betrügen des eigenen Partners und – ganz nebenbei – eine Werbeveranstaltung für die Homosexualität. Etwa, wenn die Jungs aus der Clique zur Strandparty alle in Regenbogen-Badehosen auflaufen. Und natürlich gibt es einen, der am Anfang des Film noch mit seinem anbahnenden „Coming Out“ hadert, um dann – endlich – in die Arme eines anderen durchtrainierten Herrn mit langen blonden Haaren versinkt. So ist das wahre Leben, oder?

 

Hey, wir leben in einer freien Gesellschaft

Sollen die Leute einvernehmlich tun, was sie miteinander tun wollen. Geht mich nichts an, den Staat und auch die Kirche nicht. Aber ich muss es mir auch nicht zwei Stunden zur bunten und schrillen Gehirnwäsche als Unterhaltung durch den Kopf blasen lassen.

 

Ich bin wahrscheinlich jetzt irgendwie wieder voll Nazi, weil für mich die Ehe von Mann und Frau etwas Besonderes und die Treue in der Partnerschaft extrem wichtig ist. Wird die nämlich umgangen und der andere betrogen, dann zerstört das das Vertrauen total. Und das ist nicht gut für eine gemeinsame Zukunft.

 

Gucken Sie sich die Schmonzette an, wenn es Ihnen Spaß macht. Ich brauche solches Brain-Washing ganz sicher nicht…

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Ihr Klaus Kelle

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.