Retourkutsche aus Moskau: Durchgesteckte Satellitenbilder helfen Iran bei Angriffen auf US-Stützpunkte im Nahen Osten

Zerstörtes US-Tankflugzeug auf der Prince Sultan Airbase in Saudi-Arabien
MOSKAU/TEHERAN/RIAD – Die Zeit der absoluten amerikanischen Luftüberlegenheit im Nahen Osten könnte vorbei sein. Wie eine umfangreiche Recherche von CNN belegt, bahnt sich in der Region eine gravierende militärische Zäsur an. Grund ist, dass die Russische Föderation schon vor Monaten begonnen hat, dem iranischen Regime hochpräzise militärische Satellitendaten zu liefern. Durch diese Unterstützung ist es dem Iran mehrfach gelungen, die Luftabwehr der Amerikaner auf ihren Stützpunkten in der Region zu durchbrechen.
So traf ein iranischer Angriff die strategisch höchst relevante Prince Sultan Air Base am 27. März mit voller Wucht.
Bei einem kombinierten Schlag ballistischer Raketen und Kamikaze-Drohnen wurden damals zwölf US-Soldaten verletzt. Schwerer wog jedoch der materielle und strategische Verlust: Ein hochmodernes Boeing E-3 Sentry (AWACS) Radarflugzeug – Hunderte Millionen Dollar teuer – wurde am Boden komplett zerstört, obwohl es nicht am üblichen Standort geparkt war. Ein solcher chirurgischer Treffer ist nur möglich, wenn der Angreifer über detaillierte aktuelle Informationen und Zieldaten verfügt.
Und tatsächlich: Zwei Tage vor dem Angriff wurden 14 russische Aufklärungssatelliten beobachtet, die eine koordinierte Serie von Überflügen direkt über der Luftwaffenbasis flogen. Angeführt von dem militärischen Spionagesatelliten Kosmos-2573 sammelte die russische Satellitenkonstellation ein lückenloses Spektrum an Daten. Durch die Kombination von optischen Aufklärern, Infrarotsensoren zur Erfassung von Wärmesignaturen und hochentwickeltem Synthetic Aperture Radar (SAR), das selbst dichte Wolkendecken und die Dunkelheit der Nacht durchdringt, erstellte Moskau daraus offenbar ein Echtzeit-Lagebild der Basis und leitete die Daten direkt an Teheran weiter.
Die Kooperation zwischen Moskau und Teheran beschränkt sich nicht auf reguläre Militärstützpunkte
Westliche Geheimdienste, besonders der ukrainische, warnen, dass die russische Zielerfassung auch andere geheime Infrastrukturen der Amerikaner offenlegt. So geriet etwa eine streng abgeschirmte Außenstelle der CIA in Riad, die auf dem Gelände des US-Botschaftskomplexes eingebettet ist, ins Visier iranischer Drohnen.
Stationen wie diese tauchen nicht auf offiziellen Landkarten auf und sind physisch wie elektronisch maximal geschützt. Um sie mit einer solchen Präzision anzufeuern, dass – wie Augenzeugen berichteten – die erste Drohne ein Loch in die Fassade reißt und die zweite exakt durch diese Öffnung nachstößt, bedarf es modernster Lenksysteme. Neben den reinen Bilddaten lieferte Russland dem Iran offenbar auch das hochresistente Satellitennavigationssystem Kometa-M. Diese Technologie macht die iranischen Shahed-Drohnen weitgehend immun gegen das elektronische Jamming (GPS-Störsender) der Amerikaner, welches normalerweise die primäre Verteidigungslinie gegen unbemannte Systeme darstellt.
Die Logik der russischen Vergeltung
Experten wie Dr. Nawaf Obaid vom King’s College London sehen im russischen Vorgehen eine direkte Vergeltung für die elektronische Unterstützung der Amerikaner für die Ukraine. Seit Jahren liefern die USA und ihre NATO-Verbündeten der ukrainischen Armee präzise Aufklärungsdaten, um russische Kommandozentralen, Treibstofflager und Kriegsschiffe am Schwarzen Meer und tief im russischen Hinterland anzugreifen.
Wladimir Putin gleicht durch Russlands aktuelles Vorgehen im Nahen Osten das asymmetrische Spielfeld aus. Jede Flugabwehrrakete vom Typ Patriot, die die USA zum Schutz ihrer Stützpunkte in Saudi-Arabien, Jordanien oder Kuwait abfeuern müssen, fehlt unweigerlich auf dem europäischen Kriegsschauplatz oder bei der Absicherung Taiwans im Pazifik. Russland nutzt den Iran strategisch als Hebel, um die militärischen Ressourcen und die politische Aufmerksamkeit der Supermacht USA maximal zu strapazieren und zu fragmentieren. Die andere Supermacht, China, wird es mit Wohlwollen sehen und vermutlich technologisch ebenfalls unterstützen.
Für das Mullah-Regime in Teheran ist das wie ein überraschendes Geschenk
Denn der Iran, der sich technologisch über Jahrzehnte hinweg isoliert sah und auf klobige, teils ungenaue ballistische Raketen angewiesen war, mutiert nun durch die weltmilitärische Infrastruktur der Russen zu einer hochpräzisen Bedrohung für den Erzfeind USA. Während der Iran billige, massenhaft produzierte Drohnen und Raketen stellt, steuert Russland die „Augen“ in der Erdlaufbahn bei.
Für die Amerikaner ist das ein schrilles Warnsignal, denn: Wenn selbst hochentwickelte AWACS-Frühwarnsysteme am Boden nicht mehr sicher vor Einschlägen sind, müssen die USA ihre gesamte regionale Verteidigungsstrategie überdenken. Wieder ein Schachzug, den man in der Trump-Administration und im Pentagon nicht einkalkuliert hat.
Russland ist nicht der Freund des Westens
Russland ist der Feind der USA, Europas, der NATO und ihrer Verbündeten rund um den Erdball. Hybride Angriffe der Russischen Föderation auf Deutschland und andere europäische Staaten im Baltikum, Polen und Rumänien sind inzwischen Alltag. Obwohl durch hohe Verluste im Ukraine-Krieg gebeutelt, ist Putin weiter in der Lage, Nadelstiche zu setzen, die umfangreicher und ernster werden.
Erst vor drei Tagen wurden in der Ostsee von einer russischen Fregatte in internationalen Gewässern nahe der dänischen Stadt Gedser zwei Leuchtkugeln direkt auf einen dänischen Militärhubschrauber vom Typ Fennec abgefeuert. Ein Geschoss verfehlte den Helikopter nur um Haaresbreite. Seit Ende August operieren und ankern mehrere hochmoderne russische Kriegsschiffe – darunter die Fregatte Admiral Kasatonow, die mit Hyperschallraketen bestückt ist – außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer nahe der Insel Fehmarn. Und im Ärmelkanal feuerte jüngst die Besatzung der russischen Fregatte Neustraschimi bei einer unangekündigten Schießübung scharfe Munition ab, nachdem sie ein patrouillierendes britisches Kriegsschiff aufgefordert hatte, Abstand zu halten.
Zur russischen Strategie des Krieges gehörten immer schon begleitende Maßnahmen der Desinformation und hybriden Kriegsführung
Und immer noch sind die Reaktionen der westlichen Verbündeten darauf verhalten. Das ist ein Fehler.
Ein junger EU-Parlamentarier schlug vor wenigen Tagen in einem Redebeitrag vor, der Westen müsse deutlich härter und selbstbewusster gegenüber russischen Marineaktivitäten in der Ostsee oder Drohnenangriffen auftreten. Für jeden einzelnen solcher Angriffe, wie jüngst auf einen Zug zwischen Polen und der Ukraine, sollten die Europäer zehn Marschflugkörper zusätzlich an die Ukraine liefern. Damit Russland begreift, dass seine gefährlichen Provokationen einen konkreten und hohen Preis für es selbst haben…

Bildquelle:

  • US-Tankflugzeug_zerstört_Saudi-Arabien: us air force

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