Zunehmende Aussetzer und imperialer Größenwahn: Was passiert da gerade bei Donald Trump?

Das John F. Kennedy Center for the Performing Arts in Washington DC

WASHINGTON, D.C. – Aus den Tiefen des Potomac Rivers ragt ein gigantisches Gerüst, das zunehmend das neue Gesicht Washingtons prägt. Der United States Triumphal Arch, längst als „Arc de Trump“ verspottet, wächst täglich höher in den Himmel über Columbia Island. Mit einer geplanten Höhe von gut 76 Metern soll er den Pariser Triumphbogen und das Berliner Brandenburger Tor wie Spielzeuge wirken lassen.

Gekrönt von einer goldenen Freiheitsstatue und gebaut aus schneeweißem Granit, ist dieser Koloss das jüngste Monument einer beispiellosen städtebaulichen und politischen Transformation.

Auf die Frage von Reportern, für wen dieses monströse Bauwerk eigentlich errichtet werde, antwortete der 80-jährige US-Präsident entwaffnend ehrlich: „Für mich.“

Wenn man sich in diesen Tagen das Wirken des inzwischen 80-jährigen US-Präsidenten anschaut, fragt man sich unwillkürlich: Was soll dieser ganze Aktionismus?

Es ist ja nicht nur der überflüssige Krieg gegen den Iran, der jämmerlich zu scheitern droht. Bei Auftritten von Trump kann man den Eindruck gewinnen, dass es ihm nur noch darum geht, sich irgendwie für die Ewigkeit in Erinnerung zu halten, wenn es schon mit dem Friedensnobelpreis nichts wird.

Der „Arc de Trump“ ist nicht das einzige Prestigeprojekt, mit dem der Präsident in seiner zweiten Amtszeit das historische Fundament der Hauptstadt visuell und institutionell erschüttert.

Wenige Kilometer weiter östlich steht das „John F. Kennedy Center for the Performing Arts“, eine der großen amerikanischen Kultureinrichtungen, der Lebensleistung Kennedys gewidmet. Trump hat das Gebäude mithilfe des mit seinen Leuten durchsetzten Verwaltungsrats verriegeln lassen, angeblich droht ein Deckensturz.

Der Präsident verweigerte umgehend die Freigabe von rund 285 Millionen Dollar für die Sanierung, solange ihm ein Bundesrichter verwehrt, Trumps Namen dauerhaft an der Marmorfassade des Hauses anzubringen.

Bundesrichter Christopher Cooper urteilte nämlich schlüssig, das Kennedy Center sei 1964 per Bundesgesetz gezielt als Denkmal für John F. Kennedy geschaffen worden. Nur der US-Kongress besitze die gesetzliche Autorität, den Namen zu ändern oder andere Personen dort dauerhaft zu verewigen. Und der Kongress verweigerte sich Trumps Plänen.

Reaktion des Präsidenten: die sofortige Schließung

Doch das ist – im wahrsten Sinne des Wortes – nur eine Baustelle. Im Oktober 2025 ließ der Präsident den geschichtsträchtigen Ostflügel des Weißen Hauses, in dem traditionell die Büros der First Lady untergebracht waren, nahezu dem Erdboden gleichmachen.

Dort wird jetzt am „White House State Ballroom“ gebaut und gebaggert, einem 8.400 Quadratmeter großen, prunkvollen Festsaal für bis zu 1.350 Gäste.

Das Design ist eine exzentrische Mischung aus dem Spiegelsaal von Versailles und Trumps privatem Luxusresort Mar-a-Lago in Florida. Gelber Marmor, korinthische Säulen und tonnenschwere Kristallkronleuchter – der egozentrische Präsident lässt es krachen.

Dass ein Bundesgericht im August einen Baustopp wegen Denkmalschutzvorschriften verhängte, ignorierte die Regierung einfach.

Über den konservativ besetzten Supreme Court erwirkte das Weiße Haus eine Ausnahmegenehmigung im Namen der „nationalen Sicherheit“. Nun wird im 24-Stunden-Takt weiterbetoniert, während auf dem angrenzenden Südrasen bereits ein neuer, permanenter Hubschrauberlandeplatz aus Granit fertiggestellt wurde – für den ein zuvor errichteter Kampfsportring weichen musste.

Amerikaner ticken anders, das weiß man

Und irgendwie gucken wir alle dennoch staunend auf das, was drüben alles möglich ist. Doch Trump überspannt den Bogen zunehmend.

Pünktlich zu den Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der USA sollte der berühmte Lincoln Memorial Reflecting Pool in neuem Glanz erstrahlen. Statt einer biologischen Sanierung gegen den chronischen Algenbefall wählte Trump die vermeintlich unkomplizierte Methode: Er ließ den Boden des 600 Meter langen Spiegelbeckens von einer Poolbaufirma mit hellblauer Schwimmbadfarbe anstreichen.

Das Resultat war verheerend. In der drückenden Sommerhitze kollabierte das biologische Gleichgewicht des Gewässers innerhalb weniger Tage. Das Wasser verwandelte sich in eine stinkende, sumpfgrüne Brühe, während sich die blaue Farbe großflächig ablöste und in giftigen Fetzen an der Oberfläche trieb.

Diese und weitere Beispiele haben in den amerikanischen Medien inzwischen zu der weitergehenden Frage geführt: Hat das alles vielleicht mit dem erkennbaren schleichenden kognitiven Verfall des ältesten amtierenden US-Präsidenten der Geschichte zu tun?

Im Juni feierte der Mann, der sich in der vergangenen präsidentiellen Kampagne noch ständig und in unangemessener Art und Weise über Aussetzer des damaligen Amtsinhabers Joe Biden lustig machte, seinen 80. Geburtstag.

Mit einer Militärparade, zu der er 7.000 Soldaten und 150 schwere Militärfahrzeuge auffahren ließ, und mit Käfigkämpfen vor dem Weißen Haus, bei denen der in die Jahre gekommene Präsident immer wieder einschlief – von Fernsehkameras unbarmherzig festgehalten.

Und als Trump nach einem der Hauptkämpfe den siegreichen Kämpfer und dessen Mutter im Ring beglückwünschte, stellte er seine anwesende Tochter Ivanka fälschlicherweise als „First Lady“ vor.

Der Eindruck, dass Donald Trump zunehmend unter mentalen Aussetzern leidet, ist keine üble Nachrede politischer Gegner mehr, sondern Gegenstand intensiver öffentlicher Debatten unter Sprachwissenschaftlern, Neurologen und Regierungsmitgliedern.

Seine öffentlichen Auftritte weisen manchmal weit über den schon immer unkonventionellen Redestil hinaus.

Immer wieder fällt auf, dass der Präsident bei öffentlichen Reden Mühe hat, alltägliche Wörter korrekt auszusprechen. Stattdessen verheddert er sich in Silbenketten oder bricht Sätze mitten im Wort ab, um sie durch vage Füllwörter zu ersetzen.

Bei einer Rede vor Wirtschaftsvertretern im Frühjahr verlor er komplett den Faden, starrte sekundenlang schweigend auf seinen Teleprompter und begann dann unvermittelt über die Funktionsweise von Windrädern zu dozieren, die angeblich „die Gehirne von Vögeln zerstören“.

Mehrfach mussten Berater in den vergangenen Monaten Journalisten und Fotografen hastig aus dem Raum drängen, weil Trump inmitten einer ernsthaften geopolitischen Diskussion unvermittelt das Thema wechselte und minutenlang über die vermeintlich mangelhafte Qualität von modernen Duschköpfen oder die Rasenpflege in Washingtoner Parks schimpfte.

Trump weiß um die Kritik und Besorgnis und versucht, seine mentalen Sprünge als Geniestreich zu verkaufen.

Er taufte seine Methode in öffentlichen Statements auf Truth Social die „Web-Taktik“ (The Weave). Er behauptete, dass er absichtlich bis zu neun verschiedene Geschichten gleichzeitig erzähle, um sie am Ende auf brillante Weise wieder zusammenzuführen. Doch die Zuhörer finden das verbindende Element dann immer seltener.

So etwa, wenn der Präsident bei einer Kundgebung in Pennsylvania innerhalb von zwei Minuten von der atomaren Bedrohung durch Nordkorea über eine Anekdote über seinen Onkel, der angeblich den „Unabomber“ kannte, hin zu einer Tirade über die Strömungsgeschwindigkeit von Toilettenspülungen. Damit erweckt er nicht den Eindruck brillanter Rhetorik, sondern eher gedanklicher Fragmentierung.

Bildquelle:

  • John_F_Kennedy_Center: adobe.stock/nate hoove

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