Ronzheimer ist der Beste

Liebe Leserinnen und Leser,

die Älteren werden sich noch an die Sternstunden des deutschen Fernsehens in seinen Frühjahren erinnern. Und aus der späteren Zeit ist mir ein Begriff im Gedächtnis geblieben, den ich immer überaus treffend fand.

Da ging es um die ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“, die als „Lagerfeuer der Nation“ bezeichnet wurde. Da konnte man sich aufs Sofa setzen, Salzstangen essen und wurde zwei Stunden vom Allerfeinsten unterhalten.

Mit der ARD-Talkshow von Sabine Christiansen setzte sich das Phänomen dann bei einem großen Publikum sonntagsabends mit harten politischen Themen fort. Wenn es gut lief, war viel Unterhaltung mit drin, aber offener politischer Meinungsstreit im Fernsehen – das war etwas Neues. Und damals gab es die AfD noch nicht, da war es leicht für die Staatsfunker, Talkgäste einzuladen.

Für mich ist der Ronzheimer-Podcast heute das „Lagerfeuer der Nation“, irgendwie. Auch wenn er nicht Millionen Follower hat, sondern „nur“ Hunderttausende.

Aber der Mann ist einfach gut und mit Abstand die Nummer 1 in Deutschland

Es ist Jahre her, als ich bei einem Jungsabend in Düsseldorf das erste Mal auf das Podcast-Phänomen stieß. Zwei meiner drei Freunde da abends beim Bier erzählten mir von einem Ami namens Joe Rogan, der stundenlang vor dem Mikrofon sitzt und zig Millionen Amerikanern die Welt erklärt, wie es andere nicht tun. Denn – frei nach Fox Mulder – die Wahrheit ist da draußen, und auch wenn die meisten Verschwörungstheorien nichts als Bullshit sind – es gibt Themen, an die sich etablierte Berichterstatter heute nicht mehr herantrauen. Sie alle wissen das allzu gut. Einer meiner Freunde damals erzählte, dass er morgens 20 Minuten auf dem Weg zur Arbeit und abends 20 Minuten zurück immer Rogan höre.

Bei Corona war und ist bis heute nicht alles so, wie man uns erzählt und erzählt hat. Und, zum Beispiel, das Thema UFOs war jahrzehntelang ein Schmuddelthema in der zivilisierten Welt. Heute finden im US-Senat Anhörungen statt, auf denen respektable Personen, Luftwaffen-Offiziere, mit großer Ernsthaftigkeit darüber sprechen, dass da draußen irgendwas ist.

Und Joe Rogan war der Beste

An einem Tag spricht er zwei Stunden mit Donald Trump, am nächsten kommt Mel Gibson und am dritten ein No-Name, der behauptet, er sei von Außerirdischen entführt worden. Und so wie er, ohne eine Miene zu verziehen, Trump nach seiner Beziehung zum Kinderschänder Epstein fragt, so fragt er mit ernstem Gesicht den No-Name: „Wie sah das denn da aus im Raumschiff? Gab es da Stühle…?“

Damals dachte ich, so ein Gesprächsformat wird sich in Deutschland niemals durchsetzen. Da habe ich mich geirrt.

Es gibt gute Podcaster hierzulande, Ben „ungescripted“ sorgte zuletzt mit einem Höcke-Interview für mächtig Furore in Deutschland.

Aber Ronzheimer ist letztlich besser, weil er als lebende Springer-Legende Gesprächspartner vors Mikro bekommt, die wir Normalsterblichen eben nicht bekommen.

Ich höre – Sommerferien und Rekonvaleszenz – derzeit fast täglich mindestens einen Podcast von Paul Ronzheimer. Und ich habe mich noch nicht eine Minute dabei gelangweilt.

Der Mann ist bestens vorbereitet, führt souverän und charmant durch die Gespräche. Und er ist dennoch nicht immer dominant, wie sein Gespräch mit dem AfD-Außenpolitiker Markus Frohnmaier gerade bewies. Zwar hatte Ronzheimer in der Sache – Russland/Ukraine – recht, aber Frohnmaier parierte alle Verlockungen des Gastgebers – „Wollen Sie, dass Russland den Krieg gewinnt?“ – mühelos und schlagfertig.

Ronzheimers Podcasts bringen für jeden Zuhörer, egal, wo er politisch steht, immer einen Erkenntnisgewinn.

Gestern in der Mittagszeit habe ich zwei gehört – mit einem ehemaligen BND-Agenten in Syrien („Wie ist das denn so, wenn man mit Terroristen der Hisbollah über die Freilassung von Geiseln verhandelt. Geht man da abends auch mal zusammen essen?“) und mit dem früheren deutschen Botschafter in Moskau, Rüdiger von Fritsch („Ich ging auf Putin zu und sagte: Ich bin der zukünftige deutsche Botschafter, aber ich darf gar nicht mit Ihnen sprechen.“).

Heute Morgen um 6 Uhr – senile Bettflucht wohl – habe ich mir dann noch „Ronzis“ Gespräch mit Jan Josef Liefers über Ostdeutschland und Corona gegeben. Jede Minute ein intellektueller Gewinn, das darf ich Ihnen versichern.

Und falls Sie jetzt überhaupt nicht wissen, von was ich hier schreibe: Wenn Sie nachher Pause machen, setzen Sie sich einen frischen Kaffee auf, starten Sie YouTube und klicken Sie hier.

Aber vorsichtig: Suchtgefahr!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.