Schüttet bloß kein Öl ins Feuer, ruft der Brandstifter

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

diese ständige Verblödung, die man mit uns versucht, macht mich wirklich wütend. Eigentlich wollte ich Ihnen heute früh ein spannendes Buch empfehlen, das ich derzeit lese und nahezu atemlos bin, was die Kollegin Liv von Boetticher bei ihrer Recherche zusammengetragen hat über das Verschwinden des früheren Tengelmann-Chefs Karl-Erivan Haub vor fünf Jahren, der übrigens – davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt – obwohl in Deutschland amtlich für tot erklärt, quicklebendig ist. Vielleicht schreibe ich meine Gedanken dazu hier demnächst auf. Wenn Sie sich jetzt schon einmal in die Materie einlesen möchten, empfehle ich Ihnen den starken Beitrag unseres früheren Kollegen Dietrich Kantel dazu hier vom 13. Juni 2021.

Nun aber zum aktuellen Ärgernis, und es tut mir leid, aber es hängt wieder einmal mit Russland zusammen. Russland, Sie erinnern sich? Das flächenmäßig größte Land der Welt, das einst in der Literatur Maßstäbe für die ganze Welt gesetzt hat, wenn Sie an Dostojewski und Tolstoi, an Solschenizyn denken. Oder nehmen Sie die russische Ballett-Tradition – einzigartig. Das Bolschoi-Ballett oder während der Sowjetzeit das Kirow-Ballett. Ich denke dann auch an den wunderbaren Mikhail Baryshnikov, der sich 1974 während einer Tournee des Kirow-Balletts in Kanada absetzte und politisches Asyl in den USA bekam. Ich habe ihn später mal live in der Deutschen Oper in Berlin gesehen. Umwerfend.

Vor Jahren habe ich hier (oder auf meinem Blog Denken erwünscht) über meine vier Reisen nach Russland erzählt. Über die schwermütige Musik, den Wodka, die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Unvergessen ein privater Abend mit Studenten in Moskau, ein Dolmetscher, eine Mitarbeiterin und ich bei einem halben Dutzend Mittzwanzigern eingeladen. Sie hatten ihr letztes Geld zusammengekratzt, um uns anständig bewirten zu können mit Gemüse, Fleisch, Käse, Wein und Wodka. Und wir redeten offen, ganz offen, so wie wir es im Westen gewöhnt sind. Beim Abschied umarmten wir uns alle einzeln und kehrten dann zurück in unsere eigenen Welten.

Nicht nur damals, auch heute denke ich, was könnte Russland für ein großartiges Land sein, für ein Partnerland, mit dem wir Handel treiben, die Welt ein Stückchen besser machen, wohin wir unsere Kinder zum Austausch schicken können, wie es uns nach dem Krieg mit Franzosen, Polen und anderen gelungen ist.

Russland hat gewaltige Bodenschätze, davon lebt es

Und sonst? Hat es nichts, was irgendjemand brauchen würde. Es erfindet nichts, es produziert nichts Nennenswertes, es lebt einfach träge und faul von dem, was zufällig im Boden Steckt – Gas, Öl und Weizen.

Niemand von uns hat einen Computer aus Russland, ein Smartphone, ein Auto oder Lederschuhe. Waffen und Schnapps, aber sonst? Stattdessen Geldwäsche, Mafia und Eroberungskriege.

Stellen Sie sich vor, Wladimir Putin hätte – und es fing ja gut an – sein Land modernisiert. Er hätte einen funktionierenden Mittelstand aufbauen lassen, er hätte die Korruption konsequent bekämpft, ein unabhängiges Rechtssystem geschaffen. Was könnte das für ein herrliches Land sein, oder?

Aber sie haben sich für den anderen Weg entschieden, und das dürfen sie ja. Sie wählen Putin, sie jubeln ihrem Führer zu, sie wollen die Sowjetunion zurück und Stalin huldigen. Dann macht mal! Ist Euer Ding, so wie es unseres ist, mit Russland nichts mehr zu tun haben zu wollen. Erdgas gibt es auch woanders, Wodka aus Polen ist genauso gut und Weizen produziert auch die Ukraine. Und die NATO ist ein vielfaches effektiver, moderner und stärker, um jede russische Aggression bei einem direkten Angriff auf unsere Staaten kalt und konsequent zu beantworten. Glauben Sie mir, das will auch Putin nicht!

Der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, hat gestern in Washington erklärt, die angekündigte Lieferung von sogenannter Streumunition von der Amerikanern an die Ukraine werde den Krieg weiter anheizen. Wahrscheinlich hat er recht. Nur, was er und seine Arbeitgeber im Kreml immer vergessen zu erwähnen:
SIE selbst haben diesen Krieg begonnen. SIE haben bisher über 200.000 Todesopfer, Hunderttausende verschleppte Kinder, zerstörte Städte, gefolterte Männer und vergewaltigte Frauen zu verantworten. Die Ukraine befreien von der Nazis? Man möchte kotzen über den widerlichen Zynismus der russischen Führung. Und auf keinen Fall dürfen wir im Westen die verzweifelt um ihre Freiheit kämpfenden Menschen in der Ukraine im Stich lassen.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.