Weiter Zugausfälle wegen Lokführer-Streik

Claus Weselsky (r) spricht am Ostbahnhof in Berlin zu den streikenden Lokführern. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

BERLIN/FRANKFURT – Kunden der Deutschen Bahn müssen sich auch heute auf Verspätungen und Zugausfälle einrichten.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) setzt ihren gestern begonnenen Streik im Güter- und Personenverkehr noch bis in die Nacht fort. Die Bahn setzt nach eigenen Angaben alles daran, morgen wieder den Regelbetrieb zu fahren.

Wie bereits am Vortag sollen auch heute nur rund 25 Prozent der Fernzüge nach einem Sonderfahrplan verkehren, hat die Deutsche Bahn angekündigt. Insbesondere in den westdeutschen Regionetzen könnten erneut etwas mehr Züge fahren, weil hier noch mehr beamtete Lokführer ohne Streikrecht ihren Dienst tun. Wegen des höheren Organisationsgrads der GDL im Osten waren unter anderem zwischen Berlin, Leipzig und Dresden gestern kaum Züge unterwegs.

Weselsky: «Gehen sorgsam mit Tarifmacht um»

GDL-Chef Claus Weselsky hat bereits mit weiteren Streiks gedroht. Insbesondere die von der Bahn vorgeschlagene lange Laufzeit von 40 Monaten für den Tarifvertrag müsse vom Tisch. Zu seinen Gefolgsleuten sagte Weselsky: «Ich verspreche euch nicht, dass es am Freitag schon vorbei ist. Aber wir gehen sorgsam mit unserer Tarifmacht um.» Eine Entscheidung über weitere Arbeitskampfmaßnahmen soll erst in der kommenden Woche fallen.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn, die im Regional- und Güterverkehr beträchtliche Marktanteile haben. Bei ihnen kam es gestern ihren Verbänden zufolge nur zu vereinzelten Störungen.

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL bei den Mitarbeitern im internen Machtkampf mit der EVG punkten.

Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen. Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Bildquelle:

  • Claus Weselsky: dpa

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