von KLAUS KELLE (z. Zt. Oslo)
BERLIN/OSLO/STOCKHOLM – In den vergangenen drei Tagen hat es eine Welle von Sabotageangriffen überall in Nord- und Westeuropa gegeben. Dabei wurden europäische Fluglinien, Lebensmittellogistik und Teile der Gesundheitssektors massiv attackiert. 25 Passagierflugzeuge „Ryanair, Wizz Air und Aer Lingus) mussten aufgrund einer Flut von anonymen Bombendrohungen notlanden oder wurden unter dem Schutz von Militärjets zu anderen Flughäfen umgeleitet.
Westliche Geheimdienste sind sicher, wer dahinter steckt: Russland
Während die Menschen in den baltischen Staaten ständige Störfeuer des aggressiven russischen Nachbarlandes gewohnt sind, nehmen in jüngster Zeit auch Angriffe im Norden Europas zu, wo sich die Bedrohungslage für Schweden und Norwegen zuletzt verschärft hat.
So waren skandinavische Fluggesellschaften wie SAS und Regionallinien von mysteriösen „Drohschleifen“ betroffen. Flugausfälle und stundenlange Sicherheitsüberprüfungen an nordischen Drehkreuzen wie Kopenhagen, Oslo-Gardermoen und Stockholm-Arlanda waren die Folge.
Der norwegische Polizeisicherheitsdienst (PST) warnt seit Monaten vor einer massiven Zunahme russischer Geheimdienstaktivitäten. In Norwegen wurden vermehrt illegale Drohnenflüge über kritischer Infrastruktur – insbesondere rund um Gasverarbeitungsanlagen und Offshore-Plattformen in der Nordsee – registriert. Zudem kam es zu GPS-Jamming (Signalstörungen) im Norden des Landes nahe der russischen Grenze, was den zivilen Flugverkehr in der Finnmark gefährdet.
Obwohl der Kreml jegliche Beteiligung als „absolut absurd“ von sich weist, sprechen digitale und physische Spuren eine andere Sprache
Die prorussischen Hackerkollektive Noname 057(16) und Z-Pentest Alliance prahlten im Messengerdienst Telegram kurzzeitig mit den Angriffen auf die westeuropäischen Kühlsysteme, bevor die Beiträge hastig gelöscht wurden. Sicherheitsbehörden stufen diese Gruppen als direkten Arm des russischen Militärgeheimdienstes GRU ein.
Die Bombendrohungen gegen Flugzeuge wurden teilweise im Namen rechtsextremer, russischer Gruppierungen verfasst. Das Zielgebiet deckt sich exakt mit den Staaten, die die Ukraine militärisch und finanziell am stärksten unterstützen.
Und: Die Aktionen sind strategisch so angelegt, dass sie unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs bleiben. Diese Methode – wirtschaftlicher Schaden und psychologische Verunsicherung ohne eindeutigen Kriegsgrund – entspricht exakt der bekannten russischen Doktrin hybrider Kriegsführung.
Angst verbreiten ist das eine, doch die Russen testen die Fähigkeiten der NATO-Staaten in Europa
Durch das Auslösen von Kampfjet-Einsätzen und die Lahmlegung digitaler Netze prüft der russische Geheimdienst, wie schnell und koordiniert die NATO-Staaten und Flugverkehrsbehörden (Eurocontrol) reagieren. Und das gezielte Ausspähen und temporäre Abschalten von zivilen Systemen wie der Lebensmittel- und Medikamentenkühlung dient als Generalprobe. Russland demonstriert dem Westen damit die Verwundbarkeit seiner modernen, vernetzten Infrastruktur.
Am frühen Abend explodierte in der Osloer Innenstadt eine dicke Fernwärmeleitung unter dem enormen Druck des kochend heißen Wassers (über 100 Grad). Über dem Stadtzentrum schwebte eine dichte weiße Dampfwolke, die kilometerweit zu sehen war. Die Polizei löste Katastrophenalarm aus und evakuierte 200 Menschen aus ihren Wohnungen. Am späten Abend Entwarnung: diesmal war es kein russischer Sabotageakt.
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