Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Mein wirklich sehr geschätzter Freund und Kollege Boris Reitschuster tritt kürzer – einige von Ihnen werden das sicher mitbekommen haben. In einem Beitrag vor vier Tagen informiert er seine zahlreichen Leser, dass er seine Seite zurückbauen werde und auf Tagesaktualität und die Kommentarfunktion ab sofort verzichtet, weil die unglaublich viel Arbeit macht.
Boris schreibt:
„Das Hamsterrad, der 18-Stunden-Tag, all das hatte einen hohen Preis …“
Nun gäbe es immer wieder neue tagsaktuelle Portale in unseren Milieus, was ihm endlich die Möglichkeit gibt, aus der Verpflichtung herauszutreten und sich auf die gelegentliche Kür zu konzentrieren.
Ich verstehe das und bedauere es gleichzeitig
Weil Boris ein großartiger Journalist ist, der in den Corona-Jahren wahrscheinlich der wichtigste freie Publizist in Deutschland war. Unbestechlich, wagemutig und immer mittendrin im Geschehen,statt am gemütlichm Schreibtisch im Warmen.
Bis zu 54 Millionen Leser riefen seinen Blog damals auf, und im Herbst des vergangenen Jahres lobte ihn das renommierte Reuters Institute der Oxford University als Deutschlands „Newsfluencer Nr. 1“. Das hat er sich wahrlich verdient.
Gleichzeitig wirft sein aktueller Schritt ein Schlaglicht auf ein Thema, das in Kreisen konservativer und libertärer Publizisten schon lange diskutiert wird.
Wie machen wir alle weiter, und haben wir überhaupt eine Grundlage auf Dauer? Und was wollen wir mit unseren Arbeit erreichen?
Mehrere Hunderttausend Bürger lesen jeden Tag in Deutschland eines der sogenannten Alternativen Medien. Die Platzhirsche heißen NIUS, Reitschuster und Tichy’s Einblick. Immer wieder kommen neue Kollegen hinzu, die ganz starke Arbeit machen, wie etwa die bei Apollo News.
Wir liegen irgendwo im Mittelfeld, sind aber bekannt und werden, wenn ich oder ein anderer hier jemanden aus dem Politik- oder dem Berliner Klüngel anrufe, in der Regel problemlos durchgestellt.
Weil unsere Haltung klar ist, unser Geschäft aber eher Nachrichten statt Kampagne ist. Das ist meistens nicht so sexy, aber wenn man eine bewusst lebende und frei denkende Bevölkerung haben will, gehört der aktuelle, anständige und seriöse Journalismus unbedingt dazu. Und ich nehme für mich in Anspruch, dass ich das kann und dass wir das hier auch leisten.
Aber vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass sich etwas verändert
Und das will ich Ihnen heute erklären.
In den vergangenen drei Jahren ging es fast nur noch um Parteipolitik und Politiker – bei unseren Kollegen ebenso wie hier bei mir.
Wie umgehen mit der AfD? Warum gewinnt die so viele Wahlen? Muss die verboten werden oder muss man mit ihr koalieren? Und wird sich die CDU zum Guten wenden, wenn Friedrich Merz Kanzler ist? Oder sollte eher Markus Söder nach vorn? Und wie ist es mit den Kleinparteien? WerteUnion, Bündnis Deutschland – kann man die wählen, bringt das etwas? Und warum streiten die sich alle dauernd? Sollten Maaßen, Schönbach, Cotar, Krall, Petry und Meuthen nicht endlich am gleichen Strang ziehen?
Und wissen Sie was, liebe Freunde?
All diese Themen sind für die Masse der Bürger, für die einfachen Menschen in Deutschland, die arbeiten, eine Familie gründen und trotz hoher Spritpreise in den Urlaub fahren wollen, vollkommen bedeutungslos.
Niemand von uns, auch die großen Portale, kann Wahlen entscheidend beeinflussen.
Ja, die freien Medien sind wichtig – bei Corona, bei Migration oder bei der Verhinderung der Kandidatur von Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin. Alles gut, aber alles auch nur Nebensache, was wir dazu schreiben. Weil wir alle nur einen Teil des Spektrums abbilden und nicht die große Masse erreichen.
Wir alle „bespielen“ mehr oder weniger das gleiche Zielpublikum.
Die Mehrheit der Bevölkerung weiß wahrscheinlich gar nicht, dass es uns gibt und was unsere Intention ist.
Wir haben hier jetzt begonnen, thematisch ein breiteres Spektrum abzubilden, neben CDU und AfD, Merz, Maaßen und Trump und Wahlen, die ja immer irgendwie sind.
Wir beschäftigen uns zunehmend mit Themen, die auch Leute lesen könnten, die nicht in unserer Blase leben und hoffentlich slbst trotzdem denken. Die wissen wollen, wie die Wasserversorgung in Deutschland funktioniert und warum VW gerade so abschmiert, BMW aber nicht. Und was können wir von Japan lernen, und wie geht es weiter mit dem Bitcoin? Wer wird der neue James Bond und wie fastet man richtig?
Ich bin es leid, jeden Tag über die CDU und die AfD zu schreiben
Unser Ziel muss es sein, auch die anderen Menschen als Leser zu gewinnen. Mit Themen, die relevant sind und die ihr persönliches Leben betreffen. Und die niemals politische Korrektheit als entscheidenden Faktor haben. Schreiben und sagen, was ist. Und wem es nicht gefällt, der soll halt woanders lesen. Es gibt so viele Ideen, so vieles, was man mal machen müsste. Oft schreiben mir Leser solche Ideen, und manche würde ich sehr gern umsetzen – meistens scheitert es dann am Geld.
Und statt Unterstützung ernten Sie dann noch Zynismus, aber wie heißt es so schön: Man muss mit dem leben, was da ist.
Boris fährt seine hohe Schlagzahl zurück, ich freue mich jetzt schon auf die neuen, längeren und grundsätzlicheren Stücke von ihm. Reitschuster, Reichelt und Max Mannhart sind wichtig für die Meinungsbildung in unseren bürgerlichen Milieus, die Deutschland immer getragen und erfolgreich gemacht haben. Extremisten von links und rechts waren immer das Elend, das unser Land an den Rand des Abgrunds gezerrt hat.
Wir und ich werden noch ein Stück weitergehen mit tagesaktuellem Nachrichtenjournalismus und Meinung. Keine Ahnung, wohin das führt oder ob es überhaupt zu etwas führt.
Aber wie der aktuelle US-Präsident Donald Trump in seiner unnachahmlichen Art immer wieder empfiehlt: Never ever quit! Egal, wie groß die Probleme sind und wie tief sie im Sumpf stecken: Aufgeben ist keine Option.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Kelle
Wenn Sie uns mit Ideen und praktisch unterstützen wollen: Bitte schreiben Sie mir: k.kelle@the-germanz.de!