Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Ein-, manchmal zweimal pro Jahr gehe ich für drei, vier Tage in ein katholisches Kloster. Nicht, weil etwa eine Beichte bei mir so lange dauern würde, um alle Sünden aufzuzählen, dass ich übernachten müsste. Sondern, weil es gut ist, runterzukommen aus dem eigenen Stressalltag.
Oft war und bin ich in Maria Laach, einem Benediktinerkloster in der Eifel, und ich genieße die erstaunliche Ruhe dort, Spaziergänge am See und das Kontemplative bei der unauffälligen Begleitung des Lebensalltags der zwei Dutzend Mönche dort.
Als ich die ersten Male dort war mit Brüdern des OMCT-Tempelritterordens, waren die Zimmer im Gästeflügel noch „Gelsenkirchener Barock“, sehr einfach: Tisch, Stuhl, Bett und „Nasszelle“. Den Preis für Kost und Logis handelte man mit dem Gastpater bei Ankunft aus.
Denjenigen von Ihnen, die – frei nach Habermas – „religiös unmusikalisch“ sind, muss ich das erklären
Ein Kloster, das ist keine Ferien- oder Hotelanlage.
Gäste aufzunehmen und zu bewirten, das ist für die Mönche des Benediktinerordens etwas Heiliges und spielt eine zentrale Rolle, die deshalb auch fest in der Ordensregel verankert ist. So heißt es im Kapitel 53 der Regula Benedicti (der Benediktusregel): „Alle Gäste, die zum Kloster kommen, sollen wie Christus aufgenommen werden.“
Das ist mal eine Ansage, oder?
Jedem Gast – egal ob arm, reich, gläubig oder ungläubig – steht es zu, von den Mönchen empfangen zu werden, als wäre man Jesus Christus selbst. Mit Ehrfurcht und Demut. Und der Cellerar, der Gastpater, kümmert sich um die Gäste, als wären sie gute persönliche Freunde.
Heute gibt es feste Preise für Zimmer und Mahlzeiten, und das ist nicht schlimm, denn auch für katholische Orden gelten die Regeln der Marktwirtschaft, und so ein großer Betrieb muss wirtschaftlich funktionieren.
Gern bin ich auch im Kloster Roggenburg bei den Prämonstratensern in Bayern. Hier das Gleiche, sogar eine richtige Rezeption gibt es und Flachbildschirme auf den Zimmern. Ich habe die noch nie benutzt, das stört meine persönliche Klosterästhetik. Aber es gibt ein Restaurant, einen Biergarten und einen vorzüglichen Weinkeller dort. Alles kann ich Ihnen sehr empfehlen.
Nun habe ich eben gehört, dass der Kölner Dom ab 1. Juli 12 Euro Eintrittsgebühr verlangt, und das empört mich sehr
Ich weiß natürlich, dass die 157 Meter hohe Kathedrale des Erzbistums jedes Jahr mehrere Millionen Euro verschlingt, und auch das muss die Kirche irgendwie bezahlen. Gegner der katholischen Kirche kommen ja immer mit deren angeblich so großem Reichtum daher, was aber Quatsch ist. Denn der große Reichtum sind die majestätischen Gotteshäuser und Liegenschaften der Kirche, die aber keinen Profit bringen, sondern immense Kosten produzieren. Wenn da der Kölner Dom steht, dann können Sie sich an ihm freuen, aber mit seiner puren Existenz keine Rechnungen bezahlen. Sie müssen Rechnungen bezahlen, um seine Bausubstanz zu erhalten. Viele Rechnungen…
Und deshalb ist es legitim, wenn die Kirche überlegt, wie man all diese Kosten refinanziert
Und es ist legitim, regelmäßig zu Spenden aufzurufen, gern auch in der Kirche selbst oder vor dem Hauptportal.
Aber dass jemand, der in die Kirche will, der dort einen Moment im Gebet verharren will vor der Mailänder Madonna aus dem 13. Jahrhundert, dazu ein Ticket am Eingang lösen oder sich erklären muss, warum er den Dom überhaupt betritt, das stößt mich ab.
Eine christliche Kirche – egal ob katholisch, evangelisch oder orthodox – muss jederzeit offenstehen für einen Gast, und wenn es ein Tourist ist, der sich die Schönheit dieses sakralen Biotops anschauen möchte.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Kelle