Berliner Kasperletheater: Elif Eralp hat Angst vor „diesen Leuten“ – wir auch, deshalb darf sie nicht an die Macht

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

was sich derzeit in Berlin abspielt, sprengt jeden Rahmen des bisher im halbwegs seriösen Politikbetrieb üblichen. Die LINKE-Politikerin Elif Eralp, Wahlsiegerin bei der Abgeordnetenhauswahl Ende September und designierte zukünftige Regierende Bürgermeisterin, hat dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ein Interview gewährt.

Das ist folgerichtig, denn trotz Verbindungen einzelner Abgeordneter ins kriminelle Clanmilieu, trotz Antisemitismus und Verstaatlichungs-Fieberträumen wollen SPD und Grüne dieser Frau ernsthaft zur Macht verhelfen.

Als jemand, der die traditionsreiche einstige Volkspartei von innen und außen gut kennt, macht mich allein die Haltung der Berliner SPD-Genossen zu Eralp und dieser Linken fassungslos. Denn die Berliner Linke ist deutlich radikaler als die Linke fast überall in Deutschland, kein Vergleich mit den Salonkommunisten Bodo Ramelow oder Gregor Gysi.

Und wenn ich mir anschaue, wie Berlins SPD-Spitzenmann Steffen Krach gerade bei Lanz ins Schlingern geriet, als er klipp und klar sagen sollte, welche Folgen er und die SPD ziehen, wenn sich die LINKE nicht von ihrer Vorzeigeantisemitin in der Fraktion im Abgeordnetenhaus trenne, dann frage ich mich ernsthaft, was die den heutigen Genossen der beeindruckenden Berliner SPD-Chefs wie Willy Brandt, Klaus Schütz und aus meiner Sicht auch Walter Momper morgens für Medikamente hinstellen.

Also, Frau Eralf gibt Redakteuren des „Spiegel“ ein Interview, und sie oder ihre Leute autorisieren das gegenüber den Journalisten dort – und das völlig irre – zusammen mit ihren für die interne Kommunikation gedachten Anmerkungen. Allein das lässt für die Professionalität des zukünftigen Senats von Berlin das Schlimmste erwarten.

Die „Spiegel“-Interviewer hatten übrigens während des Interviews den Eindruck, dass die Sozialistin mit zunehmender Gesprächsdauer genervt war.

Klar, es nervt Politiker immer, wenn Journalisten ihren Auftrag ernstnehmen und nachbohren.

Was hat Elif Eralp denn erwartet?

Hofberichterstattung? Wenn bei der Wahlparty der LINKEN am 20. September der bekannt Chef eines berüchtigten kriminellen Clans auftaucht – und Interviews gibt? Mit dem der LINKE Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak und auch die frisch gewählte Abgeordnete fürs Berliner Abgeordnetenhaus, Vanessa Emde, für Fotos posierten? Ja, was fragt man denn nach einem solchen Abend, wo auch noch ein Repräsentant der extremistischen „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“ auftaucht, das der Berliner Verfassungsschutz als extremistische Organisation einstuft? Nach Eralps Lieblingsblumen?

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Nein, die „Spiegel“-Kollegen fragten natürlich zum Beispiel nach genau diese „Terrorsympathisanten Ibrahim Ibrahim“, der für die Neuköllner Linke im Wahlkampf aktiv die Werbetrommel gerührt hatte.

Eralp beantwortete im Interview diese und andere für sie unangenehmen Fragen. Und schrieb in ihrem internen Vermerk für die eigenen Mitarbeiter, die Frage sei „ein Problem“, sie wolle keine konkreten Namen nennen, und sie und ihr Mann hätten Angst „vor diesen Leuten“.

Lesen Sie das bitte nochmal: Die zukünftige Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt und ihr Mann haben Angst „vor diesen Leuten“. Eigentlich wäre Ihre Aufgabe, die Berliner vor „diesen Leuten“ zu beschützen, statt Angst vor ihnen zu haben. Im besten Fall, diese Leute aus Berlin zu vertreiben.

Die neue starke Frau aus Berlin regt in ihrem Vermerk zusätzlich an, zu überlegen, ob man das ganze Interview nicht „stornieren“ könne.

Wahnsinn, oder? Die wahrscheinlich persönlich sympathische Frau Eralp ist ganz offenkundig vermutlich mit ihrer zukünftigen Aufgabe jetzt total überfordert, die sie noch gar nicht hat.

Wenn die Berliner eine linke Stadtregierung haben wollen, dann dürfen sie das

Ist zwar idiotisch, aber legitim. Und im Grunde wählen die an der Spree ja fast immer so, um dann die folgenden Jahre zu jammern, wie schlimm alles ist und was nicht funktioniert in der Vier-Millionen-Metropole.

Ein progressives Bündnis, dass die Stadt nach vorne bring – das wollen Linke, SPD und Grüne nach eigenen Bekunden sein. Aber die sind sich nicht einmal einig, ob sie tatsächlich regieren wollen.

Klar, ordentlich Kohle, fette E-Limousinen mit Fahrer, Freunde mit ordentlich (von uns) bezahlten Pöstchen ausstatten – das wollen sie natürlich. Aber wenn gespart werden muss im zweithöchst verschuldeten Bundesland, da kommt man mit Revolutionsromantik nicht weit.

Und was sind Lippenbekenntnisse gegen Antisemitismus wert, wenn man die schrille pro-palästinensische Abgeordnete Vanessa Emde weiter in der LINKE-Fraktion duldet? Ein absolutes No-Go versichert der Ober-SPDler Krach, ist aber unfähig zu formulieren, was dann daraus folgt.

Eine Berliner Stadtregierung unter Führung der LINKEN ist ein Alptraum. Dagegen ist die verspießerte Berliner AfD eine Blockflötenspiel-Selbsthilfegruppe.

Berlin will links, Berlin wählt links

Falsch und dumm, aber legitim. Berlins CDU ist aber im Grunde auch weitgehend linksgrüne Großstadtpartei. Die würden alles unterschreiben, um irgendwie noch im Spiel bleiben zu dürfen.

Und die machen ganz sicher SPD und Grünen auch keinen Ärger, wenn sie wenigstens den zukünftigen Innensenator stellen dürften. Und die Brandmauer mit der AfD – so wahr uns Gott helfe – halten die Berliner Unionschristen natürlich hoch, wenn der ein oder andere Dienstwagen rausspringt.

Und wenn Krach dann doch Regierender Bürgermeister würde, dann wäre das halt so. Dit is‘ Berlin… Nur, Herr Krach weiß noch nicht richtig, wie er dazu stehen darf. Da müssen erstmal „die Gremien beraten“…

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.