ENTHÜLLT! Angebliche 1,2 Milliarden Verlust: Was hinter den Kulissen des Versorgungswerkes der Zahnärzte wirklich passierte

Vorsitzender des Verwaltungsrates: Dr. Thomas Schieritz

BERLIN – Seit einem Jahr hält die neue Führung des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin (VZB) die Öffentlichkeit in Atem mit einem angeblichen Verlust von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Doch jetzt kommt heraus: die Geschichte stimmt offenbar vorne und hinten nicht.

Uns liegen die Zahlen vor, die den hohen Verlust belegen sollen. Doch diese „Zahlen können so nicht stimmen“, bestätigt uns ein externer Wirtschaftsprüfer. Dazu kommen ungewöhnliche Geldflüsse an Berater, Anwälte, Medien, und ein altbekannter Whistleblower mit einem Drehbuch, das schon 18 Jahre alt ist.

Aber wie ist es dazu gekommen?

Alles beginnt mit einem Coup und einer Nacht- und Nebelaktion am 17. März 2025 in einer Privatpraxis in Berlin.

Die Akteure unter anderem: die Rechtsanwälte Packi und Walter (Sozietät Adesse), ein Marc Münch, der sich als Investigativjournalist bezeichnet, und Alexander Klutke, Zahnarzt und früher Mitglied der Vertreterversammlung der Zahnärztekammer noch bis zur Neuwahl im April, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der VZB. Alle Teilnehmer hätten vor Beginn der Sitzung ihre Mobiltelefone abgeben und in einer Metallbox verstauen müssen – „wie bei einem Mafiatreffen“ berichtete uns unser Informant.

Klutke habe dann von einem Fragenkatalog, der dem amtierenden Verwaltungssausschuss vorgelegt wurde, berichtet und angemerkt, allein die Tatsache, dass er nicht vom VZB verklagt wurde, sei bereits als Schuldeingeständnis zu werten. Dann habe er den Teilnehmern den bis dahin unbekannten Marc Münch vorgestellt.

Der versicherte der Runde, er habe einen Vertrag mit Klutke über nur einen (1!) Euro geschlossen und startete dann eine atemberaubende Erzählung mit Hilfe einer PowerPoint Präsentation.

Tenor: Neben anderen sei der frühere langjährige Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des Versorgungswerks der Zahnärzte, Dr. Ingo Rellermeier, in dem Gespräch als „Gauner“ bezeichnet worden.

Ein Teilnehmer habe dann die Frage gestellt: „Wenn das wahr ist, wieso wurde nicht schon eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt?“ Und Rechtsanwalt Packi wies diese Idee mit der Begründung zurück, es würde zu lange dauern und zivilrechtlich habe man ein schärferes Schwert in der Hand.

Der Mann versteht sein Handwerk, denn wie wir später in den Kostenaufstellungen herausfinden werden, sind zu diesem Zeitpunkt schon Beratungskosten der Kanzlei Adesse von gut 75.000 Euro aufgelaufen. Bis zum Januar 2026 soll sich die Summe der Honorare für die Kanzlei auf 604.600,26 Euro erhöht haben.

Doch zurück zum Geheimtreffen: Weil angeblich Gefahr im Verzug sei, bräuchte man eine außerordentliche Vertreterversammlung und in dieser müsse der amtierende Verwaltungsausschuss abgewählt und ein neuer installiert werden.

Herr Klutke habe dafür den perfekten und vermeintlich folgsamen Kandidaten zur Hand gehabt, den Kiefernchirurgen Thomas Schieritz, dieser ist wohl nicht beim VZB versichert, wurde aber dennoch im April 2025 dann zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses ernannt, nachdem sein Vorgänger Dr. Ingo Rellermeier aufgrund der massiven Vorwürfe abberufen worden war. Schieritz gilt nun als der zentrale „Krisenmanager“, um das drohende Multiorganversagen der Rentenkasse aufzuarbeiten.

DER GEKAUFTE COUP

Der Plan folgte einem Drehbuch von Marc Münch, das es so schon im Jahr 2007 einmal gab

Akteure und Drehbuch finden sich damals, als ein zentraler Hinweisgeber mit seinen Dossiers (940 Seiten betriebsinterne Dokumente) den Vorstand des Telekommunikationsanbieters „Freenet“ zu Fall bringen wollte. Der Hinweisgeber damals: Marc Münch! Und wie sich die Vorgänge gleichen, war die Zeitung, die seinerzeit mit Insiderinformationen ausgestattet die heiße Story brachte, die „WirtschaftsWoche“ (WiWo).

Kommen wir zurück in den März und April 2025

Nachdem also Marc Münch die meiste Zeit seines Vortrages während des geheimen Treffens am 17. März 2025 darauf verwandte, dem damals amtierenden Verwaltungsausschuss kriminelles Handeln zu unterstellen, liefen die bewährten Drähte zur Presse heiß. Und die Geschichte wurde bereits seit Januar durch die „Wirtschaftswoche“ (WiWo) aufgebaut und am 21.Februar 2025 erschien dann die Geschichte mit auffallend vielen Detailinformationen – Raten Sie mal! – natürlich in der WirtschaftsWoche. Sicher nur ein Zufall…

Schauen wir uns deshalb also mal die aktuellen Aufstellungen des VZB unter der Bezeichnung „Sonderkosten 2025-lfd“ an, die uns exklusiv vorliegen:

19.02.2025 – 4.248,30 € – Bemerkung: VZB/Handelsblatt GmbH über Scherz/Bergmann
26.03.2025 – 5.765,55 € – Bemerkung: VZB/Handelsblatt GmbH – Pauschale über Scherz/Bergmann
19.05.2025 – 2.350,25 € – Bemerkung: VZB/Handelsblatt über Scherz/Bergmann
05.06.2025 – 41,80 € – Bemerkung: VZB/BurdaForward GmbH / Restzahlung über Scherz/Bergmann
05.06.2025 – 1.719,5 € – Bemerkung: VZB/Marc Münch über Scherz/Bergmann
05.06.2025 – 220,00 € – Bemerkung: VZB/BurdaForward GmbH über Scherz/Bergmann
28.11.2025 – 2.687,91 € – Bemerkung: Handelsblatt R. Wohltmann

Insgesamt 17.033,36 € an Zahlungen.

Übrigens: Wirtschaftswoche und Handelsblatt gehören zum selben Medienhaus!

Es drängt sich neben dem Verdacht, dass die WiWo mit internen Informationen ausgestattet wurde, auch die Frage auf:

Wofür hier diese und andere Zahlungen geleistet wurden?

Ist es sogar vorstellbar, dass die angesehene Wirtschaftszeitung sogar vom VZB bezahlt wurde, um die Artikel zu veröffentlichen?

Ein weiterer Blick in die besagte Sonderkostenaufstellung des VZB zeigt acht Kostenpositionen der Firma „Nemexis GmbH“ über insgesamt 709.424,31 Euro Honorare für „Forensiker“. Unter normalen Umständen würde man das zwar extrem viel Geld nennen, aber bei Wirtschaftskrimis auch nicht unmöglich finden.

Anders in diesem Fall, denn der Geschäftsführer dieser Firma ist Dr. Paul Milata, dessen Sohn ganz zufällig das Patenkind von Marc Münch ist! Der Marc Münch, der für all seine Recherchearbeiten nach eigenem Bekunden nur einen (1!) Euro erhalten habe.

Interessant ist übrigens auch die Verbindung, die aus einem exklusiven Artikel vom 13. Juli 2024 über Paul Milata unter der Überschrift „Ein Teller Antipasti mit Betrugsermittler Paul Milata…“ zu erkennen ist. Warum?
In dem viel beachtete Interview aus dem Management-Blog der Wirtschaftswoche philosophiert Dr. Paul Milata bei einem Teller Antipasti darüber, wie nachlässig deutsche Unternehmen bei der Einstellung von Führungskräften sind. Wohlgemerkt, in der WirtschaftsWoche. Der Mann, der innerhalb von zwölf Monaten fast eine dreiviertel Million Euro vom VZB abgeräumt hat. Man kennt sich gut…

DAS ERFUNDENE MILLIARDENLOCH

Ein Wirtschaftsprüfer geht normalerweise so vor, dass er für eine möglichst objektive Bewertung einer finanziellen Situation ALLE möglichen Optionen durchspielt.

Herauskommen kann natürlich, dass ein Investment vollständig abgeschrieben werden muss, weil man nach Prüfung aller Optionen keinen einzigen Euro mehr erzielen kann. In diesem Fall wäre eine Abschreibung mit einem Buchwert von Null die Folge. Aber nur, wenn man alle Optionen berücksichtigt hat.

Kann so etwas bei einer Immobilie der Fall sein? Selbst wenn die Managementgesellschaft dieser Immobilie pleiteginge, hat die Immobilie natürlich immer noch einen Wert, in guten Lagen sogar einen erheblichen Wert.
Deshalb ist es erstaunlich, dass Prof. Dr. Holger Wassermann von der hochspezialisierten Beratungsfirma CFRV in seinen sogenannten Bewertungsergebnissen allein für die drei Hotelimmobilien, in dem Geld der Zahnärzte angelegt wurden, eine Wertminderung von 38 Prozent vornimmt?

Nach welcher Berechnungsgrundlage ist das geschehen? Gibt es unabhängige Wertgutachten?

Wahrscheinlich nicht!

Stattdessen wird bei vielen Positionen eine Wertminderung angenommen, die aber nicht ausreichend erläutert wird oder nachvollziehbar ist. In der Folge wird eine erhebliche Anzahl der Positionen einfach auf Null gesetzt, oft mit der Begründung, es seien keine Jahresabschlüsse oder Unterlagen vorhanden.

Sehr seltsames Vorgehen, denn das Nichtvorhandensein einer Information macht doch ein Asset deshalb nicht automatisch wertlos.

Es stellt sich die Frage, ob da jemand mit der schieren Menge an Informationen und deren Analyse überfordert gewesen ist? Oder ob das fast schon nonchalant erfolgte Herabsetzen so vieler Buchwerte auf Null vielleicht besser in die Erzählung des Milliardenloches passte?

Verwunderlich ist, dass bisher niemand beim VZB diese Fragen stellt und scheinbar alle die Erzählung des Milliardenloches kritiklos übernehmen. Eine Erzählung, die sich natürlich dann irgendwann selbst erfüllt, nicht, weil die ursprünglichen Investments allesamt automatisch zum Vollverlust geführt hätten, sondern weil sie erst infolge der massive Falscherzählung systematisch kaputtgeredet werden mit erheblichen Folgen!

Wenn man z.B. eine Investmentverpflichtung über einen gewissen Zeitraum für ein Startup eingeht, nach der Hälfte der Zeit aber seine Meinung ändert und die vertragliche Zahlungsverpflichtung mit der Begründung sofort einstellt, dass man glaubt, das Projekt könnte insolvent werden, dann passiert genau das: das Projekt ist in diesem Moment insolvent.

Aber nicht, weil es per se schlecht war, sondern weil der Investor seiner Verpflichtung nicht mehr nachgekommen ist!

Glauben sie nicht?

Dann schauen wir uns einmal das Beispiel „HanseGarnelen“ an!

Die HanseGarnelen AG (heute HanseGarnelen Glückstadt GmbH) ist das wohl kurioseste und häufig zitierteste Fehlinvestment, das unter dem abgesetzten Verwaltungschef Ingo Rellermeier mit den Geldern der Berliner Zahnärzte-Pensionskasse getätigt wurde.

Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) stieg spätestens 2023 bei der Indoor-Garnelenfarm in Glückstadt (Schleswig-Holstein) ein und hielt zeitweise rund 45 Prozent des Unternehmens. Ein klares Renditeziel für die Shrimp-Farm gab es laut Branchenberichten nicht.

Im Sommer 2025 musste die hochmoderne Anlage Insolvenz anmelden, da das VZB durch ihren „Krisenmanager“ Thomas Schieritz zugesagte Zahlungen kurzfristig stoppte.

Durch die Insolvenz verloren die Zahnärzte allein bei diesem Projekt schätzungsweise 15 bis 16,3 Millionen Euro an Altersvorsorgegeldern. Im Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft saßen bis zum Skandal zwei Mitglieder des alten VZB-Verwaltungsausschusses.

Doch: War das Investment schlecht?

Mitnichten! Ein neuer Investor aus Hessen hat sich danach gefreut und ist anstelle des VZB eingestiegen. Jetzt will er die Produktion sogar ausweiten!

Das passiert, wenn ein „Bewerter“ selbst den Schaden verursacht, den er vorher mit seiner Bewertung vorhergesagt hatte.

Die Abschreibungserzählung erhält inzwischen erste Risse, denn wie Prof. Dr. Holger Wassermann selber in einem seiner Youtube-Videos (sinngemäß) erzählt, hängt eine Bewertung am Ende doch immer vom Bewerter ab! Da hat er Recht und stellt nebenbei gleich öffentlich fest, dass er genaugenommen kein klassischer Wirtschaftsprüfer sei.

Trotz aller Widersprüche gibt es bis heute keine zweite Bewertungsinstanz und die fragwürdigen Zahlen aus dem Wassermann-Dokument scheinen in Stein gemeißelt, was für die jetzige VZB-Führung auch notwendig ist, um sich selber zu legitimieren – koste es, was es wolle!

Selbst, wenn einzelnen Personen Verfehlungen oder Vorteilsnahmen aus der Vergangenheit nachgewiesen werden könnten, machen auch diese nicht automatisch eine Milliarde aus.

Zwei Szenarien gegenübergestellt:
Im ersten Szenario wäre man die Problemstellungen VZB-intern angegangen. Viele Investments hätten nicht abgeschrieben werden müssen. Man hätte konstruktive Lösungen erarbeitet.

Im zweiten Szenario aber war das Durchstechen von internen Informationen und somit eine große Öffentlichkeit erforderlich, um den beschriebenen Führungswechsel zu legitimieren. Jetzt bewerten nicht mehr Wirtschaftsprüfer einen Deal, sondern Anwälte und zwar nach ganz anderen Maßstäben. Da ist nicht mehr wichtig, ob ein Investment doch noch erfolgreich sein könnte. Jetzt scheint nur noch wichtig, ob man daraus einen Prozess stricken kann.

DESASTRÖSE EINJAHRESBILANZ

Kommen wir nochmal zum „Krisenmanager“ Thomas Schieritz zurück. Der Kandidat, der von Herrn Klutke am Ende des geheimen Treffens vorgeschlagen wurde.

Seine Strategie: eine außerordentliche Vertreterversammlung, in der der amtierende Verwaltungsausschuss gestürzt und Thomas Schieritz zum neuen Verwaltungsausschussvorsitzenden „gewählt“ wird.

Warum die Anführungsstriche um das Wort „gewählt“?

Nun ja, für eine ordentliche Abwahl braucht es eine rechtliche Grundlage! Die war an diesem Tag nicht gegeben, wie später die Berliner Senatsverwaltung klargestellt hat.

Schauen wir abschließend auf die Arbeit, die der neue Verwaltungsausschuss begonnen hat.

Eine verantwortungsvolle Führung sollte als erstes damit beginnen, weiteren Schaden vom VZB abzuwenden. Dazu würde unter anderem gehören, alle Positionen in der Übersicht der besagten Bewertungsergebnisse für den Jahresabschluss zum 31. Dezember 2024 zu überprüfen, oder, wenn man dazu selber nicht in der Lage ist, qualifiziert von einer zweiten Instanz überprüfen zu lassen. Erst, wenn man den Status Quo lückenlos überprüft hat, kann man sinnvolle Maßnahmen einleiten.

Thomas Schieritz handelte in seiner neuen Position offenkundig anders.

Eine Analogie zur Verdeutlichung ist vielleicht an dieser Stelle angebracht: Wenn sich auf hoher See eine Gruppe Personen in einem Schlauchbot einem Schiff nähert, dieses übernimmt und den Kapitän mit der Begründung absetzt, das Schiff hätte durch schlechte Führung einige Lecks, durch die Wasser eindringt, dann würde man vermuten, dass als erstes der Wassereinbruch gestoppt und das Schiff stabilisiert wird, bis es in einem sicheren Hafen professionell repariert wird.

Sie würden niemals auf die Idee kommen, dass der neue Kapitän mit einer Anzahlung von 7,4 Millionen Euro den größten Vorschlaghammer kauft, um noch auf hoher See auf den gesamten Rumpf einzuschlagen, weil er sagt, wir müssen noch mehr Löcher finden. Und anstatt einen sicheren Hafen zu suchen, stellt er in Aussicht, für vermutlich weitere 30 Mio. Euro noch mehr Vorschlaghammer kaufen zu wollen.

Dieser Vergleich klingt übertrieben?

Keineswegs, denn er ist deshalb so wichtig, weil das VZB keine Ermittlungsbehörde ist. Es ist auch kein Untersuchungsausschuss und keine Staatsanwaltschaft.

Das Versorgungswerk verwaltet die Altersvorsorge seiner Mitglieder. Jeder Euro, der ausgegeben wird, ist letztlich Geld, das der langfristigen Sicherung von Rentenansprüchen dienen soll. Gerade deshalb müssen auch die Kosten und Maßnahmen der Aufarbeitung denselben Maßstäben unterliegen wie jene Investitionsentscheidungen, die heute kritisiert werden.

Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Monate, entsteht jedoch der Eindruck, dass diese Maßstäbe nicht gelten

Während die Öffentlichkeit immer neue Zahlen über angebliche historische Verluste erfährt, haben sich im Hintergrund neue Kostenblöcke aufgebaut, die inzwischen selbst bemerkenswerte Größenordnungen erreicht haben.
Nach den vorliegenden Unterlagen wurden innerhalb eines Jahres mehr als 7,4 Millionen Euro alleine für Anwälte, Forensiker, Sonderberater, Kommunikationsagenturen und externe Spezialisten ausgegeben.

Sicherlich, eine komplexe Aufarbeitung kostet Geld.

Die entscheidende Frage lautet jedoch, welche konkreten Ergebnisse diesen Ausgaben gegenüberstehen?

Bis heute wird öffentlich vor allem über laufende Verfahren und spekulative Ansprüche gesprochen. Deutlich weniger erfährt man darüber, welche Vermögenswerte tatsächlich gesichert wurden, welche Forderungen bereits erfolgreich durchgesetzt werden konnten und welche wirtschaftlichen Erfolge bislang messbar sind. Wir sehen bisher nur eine Vorschlaghammermethode. Genau an diesem Punkt beginnt ein Problem, das immer mehr Mitglieder beschäftigt.

Denn in jeder wirtschaftlichen Organisation gilt letztlich ein einfaches Prinzip: Nicht die maximal machbare Höhe des Aufwands entscheidet über den Erfolg, sondern das Verhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis.
Früher sagte man, wenn mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Gerade deshalb erscheint die derzeitige Strategie der VZB-Führung bei einigen Verfahren mehr als erklärungsbedürftig.

Besonders deutlich wird dies bei den öffentlich kommunizierten Schadensersatzforderungen gegen einzelne natürliche Personen. Teilweise bewegen sich diese Forderungen in einer Größenordnung von 50 Millionen Euro. Solche Summen erzeugen Schlagzeilen. Sie vermitteln Entschlossenheit und den Eindruck kompromissloser Aufklärung. Aus Sicht eines Vermögensverwalters stellt sich jedoch eine wesentlich nüchternere Frage: Welchen wirtschaftlichen Nutzen erwartet Schieritz tatsächlich aus einer derartigen Klagewelle?

Selbst, wenn ein Verfahren erfolgreich geführt werden könnte, bedeutet dies noch lange nicht, dass entsprechende Beträge jemals realisiert werden.

Zwischen einem Urteil und einem tatsächlichen Zahlungseingang liegt häufig ein weiter Weg. Verfügt der Anspruchsgegner überhaupt über Vermögenswerte in entsprechender Höhe? Wie hoch sind die Vollstreckungschancen?

Welche Prozesskosten fallen bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung an? Und wie lange wird es dauern, bis überhaupt Klarheit herrscht?

Worum geht es hier eigentlich? Um wirtschaftliche Abwägung? Um Rache? Oder vielleicht nur um persönliche Egos?

Diese Fragen müssen sofort geklärt werden, denn sie sind die eigentlichen Kernfragen des Versorgungswerks in der jetzigen Situation

Die Mitglieder haben keinen Anspruch auf möglichst spektakuläre Klagen oder Rachefeldzüge. Sie haben einen Anspruch darauf, dass mit ihrem Vermögen wirtschaftlich sorgsam umgegangen wird. Deshalb ist die Frage notwendig, ob Verfahren mit zweistelligen oder gar dreistelligen Millionenforderungen tatsächlich auf einer belastbaren Wirtschaftlichkeitsrechnung beruhen oder ob ihre öffentliche Wirkung mittlerweile wichtiger geworden ist als ihre wirtschaftliche Erfolgsaussicht. Anwälte raten grundsätzlich zum Streiten – und verdienen dabei immer.

Gerade hier entsteht ein Widerspruch, der in der bisherigen Debatte kaum thematisiert wird.

Während auf der einen Seite die historische Vermögensverwaltung unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Vernunft bewertet und kritisiert wird, scheint auf der anderen Seite die heutige Aufarbeitung deutlich seltener denselben Maßstäben zu unterliegen. Niemand würde akzeptieren, dass ein Investmentmanager Millionenbeträge investiert, ohne zuvor die Erfolgsaussichten sorgfältig abzuwägen. Warum sollte für millionenschwere Gerichtsverfahren etwas anderes gelten?

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt

Die Aufarbeitung hat inzwischen eine ausufernde Infrastruktur hervorgebracht und ist anscheinend zu einem eigenen Geschäftsmodell geworden. Große Anwaltskanzleien, Forensiker, Restrukturierungsberater, Kommunikationsspezialisten, externe Experten und möglicherweise bezahlte Medien sind in den Prozess eingebunden. Die Liste der Sonderkosten umfasst bis Februar 2026 bereits fast 300 Einzelpositionen mit insgesamt 7,396 Millionen Euro.

Allein die Kanzlei BRP Renaud hat bisher die atemberaubende Summe von 1,686 Millionen Euro abgerechnet! Jeder einzelne Auftrag mag für sich genommen nachvollziehbar sein. In ihrer Gesamtheit entsteht jedoch ein komplexes System, dessen Kosten kontinuierlich steigen und dessen wirtschaftlicher Nutzen für Außenstehende immer fragwürdiger wird. Ist das VZB doch schon zu einer Ermittlungsbehörde geworden?

Genau deshalb gewinnt die Frage nach der Kontrolle der Aufklärer an Bedeutung. Wer überprüft die Wirtschaftlichkeit der Verfahren? Wer bewertet die Erfolgsaussichten? Wer kontrolliert auch hier die Kostenentwicklung?
Wer hinterfragt die Bewertungsgrundlagen, auf denen das angebliche Milliardenloch beruht? Wer hinterfragt die Vergabe von Aufträgen an Freunde und Bekannte? Und wer stellt sicher, dass die Aufarbeitung selbst nicht zu einem Bereich wird, der sich zunehmend der kritischen Kontrolle entzieht?

Diese Fragen ergeben sich zwangsläufig aus dem eigenen Anspruch der aktuellen VZB-Führung. Wer Transparenz fordert, muss Transparenz liefern. Wer Rechenschaft verlangt, muss selbst Rechenschaft ablegen. Wer wirtschaftliche Fehlentscheidungen der Vergangenheit kritisiert, muss sich auch an den wirtschaftlichen Konsequenzen seiner heutigen Entscheidungen messen lassen.

An diesem Punkt schließt sich der Kreis zur aktuellen Geschichte des VZB. Über Monate hinweg wurde die Öffentlichkeit ausschließlich mit der Frage beschäftigt, wer für die hausgemachte Krise verantwortlich sei. Diese Frage bleibt wichtig. Doch sie ist längst nicht mehr die einzige Frage.

Ebenso wichtig ist inzwischen, wie die heutige Führung mit dieser Krise umgeht und ob ihre Maßnahmen tatsächlich geeignet sind, den Schaden für die Mitglieder zu begrenzen.

Am Ende wird sich die Aufarbeitung nicht daran messen lassen müssen, wie viele Klagen eingereicht wurden oder wie viele Pressemitteilungen veröffentlicht wurden.

Entscheidend wird vielmehr sein, ob sie den Mitgliedern des Versorgungswerks einen messbaren wirtschaftlichen Nutzen gebracht hat

Ob Vermögen gesichert wurde. Ob Werte zurückgeführt wurden. Ob die Renten stabilisiert wurden.

Wenn laufende Verträge einseitig durch den VZB beendet werden, wenn Verpflichtungen nicht mehr eingehalten werden, ist zu erwarten, dass auch die anderen Seiten klagen werden – Ausgang ungewiss.

Die vielleicht größte Ironie der aktuellen Entwicklung besteht darin, dass ausgerechnet jene Akteure, die angetreten sind, um die Vergangenheit kritisch zu überprüfen, nun selbst Gegenstand kritischer Fragen sein werden. Das ist die unvermeidliche Folge jedes ernst gemeinten Aufklärungsprozesses. Denn wirkliche Aufklärung endet nicht dort, wo eine neue Führung beginnt. Wirkliche Aufklärung beginnt erst dann, wenn auch diejenigen bereit sind, sich denselben Fragen zu stellen, die sie seit Monaten an andere richten.

Eine starke Stimmen-Basis, vor allem aus dem Kreis IUZB, fordern bereits eine Abberufung von Schieritz, um weiteren Schaden zu vermeiden.

Das laute Schweigen um Jörg Lindner

Jede große wirtschaftliche Krise bringt ihre eigenen Erzählungen hervor.

Es gibt Akteure, die im Mittelpunkt stehen. Es gibt Namen, die immer wieder genannt werden. Es gibt Verantwortliche, deren Entscheidungen öffentlich seziert werden. Und es gibt Figuren, die über Monate hinweg zum Symbol eines gesamten Systems werden.

Denn nach Monaten der Berichterstattung über das VZB fällt ein Umstand auf, der mit jeder neuen Veröffentlichung bemerkenswerter erscheint: Das auffällige Schweigen um Jörg Lindner.

Wenn es eine Investmentarchitektur gab, die zu überprüfen es sich heute noch lohnt, dann die des Jörg Lindner, geschäftsführender Gesellschafter der traditionsreichen Lindner Unternehmensgruppe.

Dabei geht es nicht um irgendeinen Unternehmer, der zufällig mit einzelnen Projekten in Verbindung stand. Wer die Entwicklung der Hotel- und Tourismusinvestments des Versorgungswerks über die vergangenen zwölf Jahre nachvollzieht, stößt immer wieder auf dieselben Strukturen: Fleesensee. MareMüritz. Weiße Wiek. Sardinien. Ibiza.

Zahlreiche Betreibergesellschaften, Projektentwicklungen und Beteiligungskonstruktionen.

Kaum ein anderer Unternehmer war mit dieser Entwicklung so eng verbunden wie Jörg Lindner, beziehungsweise seine später entstandenen „12.18.“-Strukturen, deren geschäftsführender Gesellschafter er war und kein anderer Partner kommt so häufig auf der Wassermannliste mit 100% Abschreibungen vor.

Die „12.18. Investment Management GmbH“ (Düsseldorf) ist das Epizentrum und der größte Hebel des Finanzskandals um das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB). Über dieses Unternehmen flossen über ein Jahrzehnt hinweg dreistellige Millionenbeträge aus der Altersvorsorge von rund 11.000 Zahnärzten in hochriskante Luxushotels und Tourismusprojekte weltweit

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Engagements ist kaum zu überschätzen. Denn während die öffentliche Diskussion heute häufig auf einzelne Beteiligungen und einzelne Vorgänge fokussiert wird, entstand ein erheblicher Teil der Hotelstrategie des Versorgungswerks über Jahre hinweg gemeinsam mit genau jenem Netzwerk. Wer verstehen will, wie das VZB zu einem der größten institutionellen Hotelinvestoren Deutschlands werden konnte, kommt an dieser Geschichte nicht vorbei.

Umso erstaunlicher erscheint die einseitige Debatte heute.

Denn betrachtet man die Bewertungsunterlagen, die als Grundlage für das sogenannte Milliardenloch dienen, dann zeigt sich, dass zahlreiche der größten Wertberichtigungen aus genau jenen Bereichen stammen, die historisch mit diesen Strukturen verbunden waren. Die Summen bewegen sich nicht im Randbereich des Portfolios. Sie betreffen zentrale Beteiligungen, Fondsstrukturen, Projektgesellschaften und Darlehensengagements. Mit anderen Worten: Wenn eine Krisenerzählung zutrifft, dann spielt dieser Komplex für das wirtschaftliche Ergebnis eine erhebliche Rolle.

Genau deshalb stellt sich eine naheliegende Frage: Warum wird darüber so wenig gesprochen? Warum konzentriert sich die öffentliche Diskussion in einer Weise auf bestimmte Akteure und bestimmte Vorgänge, während die historische Rolle eines der prägendsten Hotelnetzwerke des gesamten Portfolios vergleichsweise selten Gegenstand derselben öffentlichen Aufmerksamkeit ist?

Diese Frage wird umso interessanter, wenn man die zeitliche Entwicklung betrachtet. Nach Aussagen verschiedener Beteiligter befand sich das Versorgungswerk Anfang 2025 in einer Phase, in der über die Zukunft seiner Hotelstrukturen diskutiert wurde. Mehrere Engagements standen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Betreiberkonzepte wurden hinterfragt. Restrukturierungen wurden diskutiert. In einzelnen Bereichen soll es Überlegungen gegeben haben, Managementstrukturen neu zu ordnen und bestehende Verantwortlichkeiten neu zu bewerten. Lindners Strukturen wurden plötzlich hinterfragt, und das schon von der ehemaligen Führung des VZB.
Aus Sicht eines außenstehenden Beobachters ist das zunächst nichts Außergewöhnliches. Institutionelle Investoren überprüfen regelmäßig ihre Beteiligungen und Betreiberstrukturen. Bemerkenswert wird die Situation erst dann, wenn man sie mit den Ereignissen aus dem Frühjahr 2025 verknüpft.

Denn genau in dieser Phase beginnt die öffentliche Eskalation. Es entstehen besagte interne Dossiers. Dann folgen Treffen außerhalb offizieller Gremienstrukturen, beginnen Weitergaben interner Dokumente an die Presse, erscheinen Berichte.

Es entsteht eine Dynamik, die zwangsläufig die Frage aufwirft, ob die öffentliche Aufarbeitung tatsächlich nur der Vergangenheit galt oder ob gleichzeitig auch über die zukünftige Kontrolle wesentlicher Teile des Portfolios entschieden wurde.

An dieser Stelle gewinnt die Lindner-Frage eine zusätzliche Dimension

Denn es geht nicht mehr allein um historische Verantwortung. Es geht um die Frage, welche wirtschaftlichen Interessen durch bestimmte Entwicklungen berührt wurden und welche Akteure durch eine spätere Neuordnung an Einfluss gewinnen oder verlieren würden.

Wir erinnern uns, dass zur gleichen Zeit die Lindner Hotels selber in die Insolvenz geraten sind. Interne Dokumente belegen, dass Jörg Lindner, gegen den Willen des VZB und damit vermutlich rechtswidrig noch schnell wesentliche Managementverträge die VZB Immobilien betreffend auf die Lindner Hotels überschrieben hat, um seine eigenen Gesellschaften zu retten. Das ist strafrechtlich relevant und muss untersucht werden.

Genau deshalb ist die Zurückhaltung der VZB-Führung gegenüber Jörg Lindner und dem von ihm geschaffenen „12.18.“-Themenkomplex so bemerkenswert. Zumal gegen andere Akteure strafrechtlich ermittelt wird, und Lindner in der langen Liste der im Handelsblatt veröffentlichten Unternehmen und Institutionen wie APO Bank, Mazars, Berliner Senat, etc., welche auf Schadensersatz in die Pflicht genommen werden sollen, keine Erwähnung findet!

Bei all dem bisher Geschehenen steht eines außer Frage: Es ist dringend an der Zeit für den VZB, die Vorschlaghammermethode zurückzufahren und endlich mit der Sanierung der selbst verursachten Krise zu beginnen!

Stattdessen führt erst eine Ideologie, die von Rache getrieben scheint, das VZB in immer größere Schwierigkeiten. Die sich selbst verwirklichende Prophezeiung und die Flut an Klagen werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich so viel zusätzliche Kosten produzieren, dass dann tatsächlich die Hälfte – vermutlich sogar mehr – des Vermögens weg sein könnte.

Das wird naturgemäß die beteiligten Rechtsberater und Ermittler nicht freuen, die sich nach den ersten 7,4 Millionen Euro Honoraren schon auf besonders große und somit erträgliche Prozesse freuen.

Allein die Prozesskosten in den USA machen in der Regel 30 bis 40 Prozent des Streitwertes aus und hier gibt es bereits Klage Androhungen im dreistelligen Millionen Bereich. Da wird Herr Schieritz mit seinen veranschlagten 30 Millionen Euro für weitere Verfahrenskosten nicht weit kommen, zumal er bereits schon über 7 Millionen Euro ausgegeben hat.

Es ist absehbar, dass immer mehr gutes Geld der VZB-Mitglieder dem schlechten Geld hinterhergeworfen wird und aus einem angeblichen Aufklärer selbst ein Zerstörer wird.

P.S.: Wo steckt in dieser schwierigen Phase eigentlich der Mitinitiator der Krise, Alexander Klutke? Der lässt sich – gerade weit weg auf Weltreise – von den Medien als den mutigen Insider feiern, der seinerzeit den Stein ins Rollen brachte. Dass er allerdings behauptet, er hätte von den Strukturen der Anlageportfolios nichts gewusst, ist zweifelhaft. Jahrelang muss er als Mitglied der Vertreterversammlung Kenntnis zu allen Einzelheiten und Vorgängen gehabt und diese sogar mitgetragen haben…

Bildquelle:

  • Dr. Thomas_Schieritz_VZB: schieritz

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