Ja zum Kapitalismus aber nein zu kriminellen Raubtieren

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Guten Morgen, meine lieben Leserinnen und Leser,

Tarek Kirschen ist echt sauer. Der Unternehmer aus Miami hatte – wie er dachte – in Thailand Millionen Einweghandschuhe für den amerikanischen Markt produzieren lassen. Und als die Lieferungen – natürlich verpackt – eintrafen, begann seine Firma gleich, diese Pakete an die eigenen Kunden weiterzuschicken. Und damit begann der Ärger.

Denn was da aus Thailand ankam, waren gebrauchte Handschuhe, offenbar in Asien von Wanderarbeitern gewaschen und getrocknet und neu verpackt. Aber gebraucht. Die Ware war vielfach verschmutzt. Tarek Kirschen sagte auf CNN: »Ich wollte meinen Augen nicht trauen. Das waren gebrauchte Handschuhe. Manche waren dreckig, auf manchen waren Blutflecken.«

Bis klar war, was da wirklich abgelaufen ist, hatte die thailändische Firma bereits viele Millionen minderwertiger Einweghandschuhe in die USA geliefert und auch bezahlt bekommen. Man nennt so etwas Betrug – in diesem Fall in ganz großem Stil.

Kirschen bekam wütende Anrufe seiner Kunden, alles, was noch an Beständen in seinem Lager war, wurde vernichtet, seine Kunden erhielten ihr Geld zurück, und er informierte die US-Aufsichtsbehöre FDA.

Warum erzähle ich Ihnen das zum Frühstückskaffee? Weil ich auch die Schattenseiten der globalen Wirtschaft nicht unerwähnt lassen will.

Wir Sie wissen haben ich grundsätzlich nichts gegen internationale Zusammenarbeit und auch das, was man globale Wirtschaft nennt. Gerade Deutschland, und damit wir alle, profitieren sehr davon, dass hochwertige deutsche Produkte rund um den Globus Kunden finden. Und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen unsere Unternehmen dort produzieren, wo sie Qualität für einen marktfähigen Preis bekommen. Das mag manchen nicht gefallen, aber so läuft es halt im Kapitalismus. Und damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich halte den Kapitalismus für die einzig sinnvolle Wirtschaftsform, weil Gesellschaften nur durch den Antrieb des Gewinnstrebens vorankommen. Deshalb hat auch in der DDR niemand gehungert, aber es gab eben nur den Trabbi und die einzige Innovation war, dass mal eine Produktionsreihe in hellblau lackiert wurde. Fahren konnte man auch, und wenn mal nicht, wusste jeder Ostdeutsche, wo die Benzinleitung zu reparieren war. Doch den Rückzug auf das absolut Notwendige bringt Gesellschaften nicht voran, und nur wenn Gesellschaften voran kommen, verbessert sich auch der Lebensstandard der Menschen.

Wie hat Brasilien vom ersten VW-Werk profiziert? 1953 wurde es gegründet und Volkswagen do Brasil wurde die „verlängerte Werkbank“ für den VW-Konzern. In den Folgejahren brachten die Wolfsburger Autobauer deutsche Standards in das Land, plötzlich gab es Tarifverträge, soziale Absicherung für die Mitarbeiter, Arbeitsschutz, Urlaub, Rechte… Es ist nicht alles schlecht. Überall auf der Welt, wo sich Staaten und Gesellschaften dem marktwirtschaftlichen Modell öffnen, wächst der Lebensstandard, haben eben nicht nur die bösen Bosse in ihren dicken Limousinen etwas davon, sondern auch jeder Arbeiter, Angestellte und deren Familien. Kennen Sie solche Geschichten für die breite Bevölkerung auch aus sozialistischen Ländern?

Natürlich nicht, weil der Sozialismus ebenso wie der Kommunismus der Natur des Menschen einfach komplett widerspricht. Es liegt nicht in unserem Wesen, dass wir alle nur das aus dem großen Topf herausnehmen, was wir unbedingt brauchen, und aus freiem Willen aber alles geben für die Gemeinschaft. Wenn Sie das nicht glauben, schauen Sie sich mal die Ausgabe von Wasserflaschen der Deutschen Bahn auf einem Bahnsteig in Koblenz an oder den Beginn des Winterschlussverkaufs! Was da los ist – unglaublich. Da können Sie Ihre Mitmenschen wirklich kennenlernen. Ellenbogeneinsatz pur, Sozialverhalten unter null. Aber so sind „wir“, oder (Sie natürlich alle ausgenommen)? Natürlich kann ich mir nach der Rasur irgendein Desinfektionsmittel auf die Haut schmieren, aber ich möchte, dass es auch gut riecht. Und ja, am liebsten was von Hugo Boss, auch wenn es nicht das preiswerteste Produkt ist.

Aber wenn ich etwas geliefert bekomme zum Beispiel aus Thailand, dann möchte ich bene auch genau das, was ich bestellt habe, in top Qualität, so wie wir es in Deutschland von unseren Herstellern auch erwarten. Und in Europa und Amerika. Ob wir es wollen oder nicht, wir haben eine globale Wirtschaft, und das ist auch gut so. Und das ist nicht zu verwechseln mit dem „Great Reset“, also Plänen, das Leben auf der Welt für alle verbindlich zu strukturieren und zu ordnen. Weil das schiefgehen muss, und es wird schiefgehen. Doch das bedeutet nicht, dass Kriminelle, wie diese eingangs erwähnte Firma in Thailand, mit ihren Machenschaften durchkommen dürfen, nur weil sie nicht im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichtes von Miami oder Castrop-Rauxel liegen. Es muss Regeln für das Wirtschaften geben, die auch international durchgesetzt werden können.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.