Jordan Bardella gewählt: Nach 50 Jahren heißt der Anführer der Rechten in Frankreich erstmals nicht Le Pen

ARCHIV - Marine Le Pen (r), damalige Präsidentschaftskandidatin der rechtsnationale Partei Rassemblement National(RN), und Jordan Bardella, stellvertretender Vorsitzender des RN, sitzen bei einer Wahlkampfveranstaltung nebeneinander. Foto: Michel Euler/AP/dpa
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von RACHEL BOßMEYER

PARIS – Es könnte das Ende einer Ära sein – oder aber Teil einer ausgeklügelten Strategie von Frankreichs rechtem Superstar Marine Le Pen: Erstmals in der 50-jährigen Geschichte des Rassemblement National (früher: Front National) steht kein Mitglied der Familie Le Pen an der Spitze der rechten Partei. Das Ruder hat am Samstag Jordan Bardella übernommen, Le Pens Sprössling und zuvor kommissarisch Spitzenmann des RN.

Der 27-jährige Bardella hatte unter Le Pens Führung in der Partei eine steile Karriere hingelegt, als Wortführer rechtsnationale Themen belegt und Le Pen das Feld überlassen bei allem, was Sympathiepunkte außerhalb rechter Kreise bringt. Dass Le Pen nun selbst kürzer treten wird, heißt der Führungswechsel aber lange nicht.

Denn nach einem äußerst erfolgreichen Wahljahr, in dem sie zur größten Oppositionspartei in der Nationalversammlung angewachsen ist, will die Partei mehr. Es dürfte ihr um mehr Einfluss in den Regionen gehen und um den Élyséepalast – also konkret die Regionalwahlen 2026 und die Präsidentschaftswahl 2027.

Wer steigt in den Ring?

Auch wenn die 54-jährige Le Pen für ihre Partei in diesem Jahr Rekordergebnisse einfuhr, steht noch nicht fest, ob die gelernte Juristin 2027 ihren vierten Anlauf auf das höchste Staatsamt nehmen wird. Im Anschluss an die diesjährigen Wahlen entschied sie sich statt für eine Rückkehr an die Parteispitze für den Vorsitz der enorm gewachsenen Fraktion im Unterhaus.

Beobachter halten auch für denkbar, dass Bardella in fünf Jahren in den Ring geschickt wird, doch ebenso könnte Le Pens Verzicht auf die Parteispitze Teil ihrer Strategie für 2027 sein. Bereits im vergangenen September gab sie den RN-Vorsitz vorübergehend an ihren bisherigen Vize und Schützling Bardella ab. Die Begründung: Sie wolle bei der Präsidentschaftswahl eine Kandidatin sein, die über parteipolitischen Gegensätzen stehe und alle Bürger anspreche. Möglich also, dass Le Pen genau diese Linie nun fortführen und damit weitere Wählerschichten gewinnen will.

An Zustimmung gewonnen

Die Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen übernahm 2011 den Front National von ihrem Vater, benannte die Partei um und unterzog sie ihrem Kurs der «Entteufelung». Sie trennte sich von altem rassistischem Vokabular und ließ den Vater ausschließen, als der die Gaskammern der Nazis erneut als «Detail der Geschichte» bezeichnete. Inzwischen gilt RN bis in Teile der bürgerlichen Rechten hinein als wählbar. Während die Partei früher oft als stümperhaft kritisiert wurde, erhalten die Abgeordneten laut einer Umfrage des Instituts Ipsos nun unter den Oppositionsparteien mit etwa 35 Prozent noch am meisten Zustimmung für ihr Auftreten im Unterhaus.

Macron, der Le Pen zweimal besiegte, kann 2027 nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Wer von den Liberalen in seine Fußstapfen treten könnte? Ungewiss. Im RN wähnt so mancher die eigene Partei bereits als Gewinner. Meinungsforscher Jérôme Fourquet vom Institut Ifop meint, ein Sieg Le Pens 2027 sei eine Hypothese, die nicht mehr einfach abgewunken werden könne.

Bildquelle:

  • Führungswechsel bei Frankreichs Rechtsnationalen: dpa
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