von KLAUS KELLE
HOUSTON/BERLIN – Heute Morgen unterwegs in Berlin habe ich immerhin sieben (7!) Autos mit Deutschlandfahnen am Fahrerfenster persönlich gesehen. In der Vier-Millionen-Metropole werden es insgesamt noch einige mehr sein, aber Ekstase und Sommermärchen – so weit sind wir noch (lange) nicht.
Aber es war ein sehr gelungener Start ins Turnier
Auch wenn natürlich Curaçao im Weltfußball alles andere als das Maß der Dinge ist.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, aber als die „Thekenmannschaft aus der Karibik“ in der 21. Minute zum 1:1-Ausgleich einschoss, da wehte ein Hauch von Moskau und Katar durch mein Gehirn, Erinnerungen an die beiden schmählichen Abgesänge Deutschlands bei vergangenen Weltmeisterschaften.
Aber dieses Mal brannte nichts an
Am Vormittag hatte ich mich wirklich noch geärgert, als ein langjähriger – eigentlich ganz bürgerlicher – Facebook-Freund eine dümmliche Kachel postete, um zu verkünden, dass er am Abend beim Spiel in Houston zu Curaçao halten werde. Er begründete das sogar noch damit, in meinen Worten, Hauptsache gegen dieses Deutschland und diese Mannschaft.
Da fehlt mir jedes Verständnis
Man kann sogar ein Mann sein und sich nicht für Fußball interessieren. Man kann auch Fußballfan sein und nicht zu Deutschland halten. Das habe ich selbst schon mal gemacht, beim Finale 1974 in München, als ich im Wohnzimmer meiner Eltern, wo sich viele Freunde und Nachbarn zum Bier vor dem Bildschirm versammelt hatten, als Einziger das Führungstor der Holländer bejubelte.
Einfach, weil mir die Spielfreude des Oranje-Teams so gefiel. Der einzige Grund, warum meine Eltern mich danach nicht in ein Heim brachten, war wohl, dass Deutschland letztlich das Spiel gewann und doch noch Weltmeister wurde.
Das 7:1 gegen Curaçao ist ein Traumstart ins Turnier, wenngleich ich nicht an einem Sieg gezweifelt hatte. Es gab Bier und Rostbratwurst mit Kartoffelsalat, Deutschland hat gewonnen, vorher wurde die Nationalhymne gesungen – ich würde sagen, alles gut.
Die Vorrunde überstehen wir locker, das Sechzehntelfinale auch, ab dem Achtelfinale beginnt das richtige Turnier für mich, ab dem Viertelfinale fängt das Zittern an.
Ich finde, wir haben ein gutes Team. Und dass neuerdings deutsche Nationalspieler auf dem Rasen beten und sich als Christen outen, das finde ich großartig.
Und wer sein eigenes Land so sehr hasst, der soll halt Minigolf spielen oder sich im Keller mit Kamillentee einschließen. Hier geht es um Deutschland und um Spaß und nicht um Friedrich Merz und Tino Chrupalla.
Bildquelle:
- Deutschland-Fan: adobe.stock/retrostudio
