Penetrant, schulmeisternd und großmäulig: Es ist nicht Aufgabe der Nationalmannschaft, den Oberlehrer raushängen zu lassen

Stein des Anstoßes: die sogenannte "One Love"-Binde.
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von THILO SCHNEIDER

DOHA – „Deutschland ist eine Turniermannschaft!“, „Wir brauchen Eier!“ – so klang das mal früher. Da spielte noch eine Nationalmannschaft, deren kickende Millionäre ihren Ehrgeiz daran legten, die Siegprämie zu kassieren. „Geht´s raus und spielt´s für den Rudi“ – auch das haben sie im Zorn gemacht – und das ganz gut. „Hört auf und nehmt einen Gang zurück!“ – da war es schon keine Nationalmannschaft mehr, sondern nur noch „die Mannschaft“, offizieller Werbeträger für Schokoriegel und Verbrenner-Autos.

Ein kluger Mann sagte einst: „Deutschland definiert sich über drei Dinge: D-Mark, Wirtschaftswunder und Fußballweltmeister“. An alle drei Dinge wurde die Axt gelegt: die D-Mark gibt es nichts mehr, über diese Wirtschaft kann man sich nur noch wundern und die letzte Bastion der nationalen Identität – der Fußball – wurde trotz des Weltmeistertitels 2014 jetzt auch noch geschleift. Die „Mannschaft“ versteht sich heute nicht mehr als eine Nationalmannschaft, für die, böse gesagt „Fußball Krieg mit anderen Mitteln ist“, sondern zuerst als „Markenbotschafter“ und jetzt als „Moralbotschafter“.

Es scheint nicht mehr wichtig zu sein, wie die Diversschaft spielt, sondern welchen Eindruck sie dabei macht. Hieß es früher von London bis Rom „Deutsche Panzer überrollen Brasilien“, ist die Diversschaft von heute nur noch eine Randnotiz zwischen der Leidenschaft der Kroaten und der Leichtigkeit der Spanier. Kein Fußballfan wird sich mit diesen beliebig austauschbaren Tattoospazierenträgern identifizieren wollen. Wie auch? Das einzige, was das Häuflein Regenbogiger von anderen Werbetruppen unterscheidet, ist der DFB-Adler auf der Brust. Das war es. Wer will da noch von „unseren Jungs“ schreiben?

Klingt das unfair? Vielleicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Kader von Hansi Flick sehr scharf darauf war, die frohe Botschaft der deutschen Diversität in alle Welt hinaus zu blasen, aber welche Wahl haben die jungen Spieler denn? Natürlich müssen sie sich den Wünschen des DFB und seiner Vermarktungsfirma beugen, der wiederum dem woken Zeitgeist unterliegt, für den möglichst alles bunt und divers und regenbogenfarben sein muss. Und dafür im Gegenzug die nächste Übertragung oder das nächste Trainingslager sponsert. Umso peinlicher, wenn eifrig mit dem Regenbogen-fähnchen gewedelt wird – speziell da, wo es nichts kostet – und dann in der „Stunde der Wahrheit“ in einem Land, das jetzt nicht gerade begeistert von Buntheit und Diversität ist, kläglich versagt wird. Und das nicht nur beim exhibitionistischen Haltungsvorzeigen, sondern direkt auf dem Platz.

2:1 gegen die Fußballmacht Japan verloren

Der Mannschaft eines Beckenbauer oder eines frühen Jogi Löw hätte man das vielleicht noch verziehen, wegen weil „Turniermannschaft“. Jetzt ist es ein weiteres Indiz für die blamable Dekonstruktion einer einst großen Fußballnation, die vor vier Jahren zu Recht bereits nach der Vorrunde nach Hause fuhr. Was soll das auch? Warum meinen sie beim Diversen Fußball Bund, unbedingt mit Haltung auf Reisen gehen zu müssen? Wird deswegen in Budapest ein schwules Paar Kinder adoptieren? Werden deswegen dann in Katar Homosexuelle nicht mehr ausgepeitscht oder im Iran aufgeknüpft?

Es ist Unsinn, es ist Blödsinn, es ist nicht die Sache einer Nationalmannschaft, den Oberlehrer heraushängen zu lassen. Womit sich der Kreis schließt, da wir keine Nationalmannschaft und damit Identifikationskonstrukt haben dürfen sollen können, sondern gefälligst einer Diversschaft zujubeln sollen, für die Fußball und die Leistung und der Kampf auf dem Platz nur eine lächerliche Unterbrechung der Werbetour für Shampoo und die richtige moralische Einstellung sind.

Auf diese Weise wird die Diversschaft sicher nur Weltmeister:in der Herzen einiger staatlich gepamperten LGBTQ+Queer-Vereinigungen, aber garantiert werden daraus keine Helden, denen die Jungen- (und ein paar Mädchen-) Herzen gehören und für die sie sich begeistern können. Schlicht, für die sie sportliches Vorbild sind. So, mit dem ganzen Diversity-Schisslaweng aus Berliner Altbauwohnungen, mit angeschlossenem Darkroom, lassen sich jedenfalls keine Tore schießen, sondern eben nur läppische Symbolgesten fabrizieren. Und selbst die nur, wenn es der FIFA gefällt.

Die Mannschaft des 1. FC Homohausen wird sich zwar brav vor dem Spiel hinknien und Regenbogenbändchen tragen – nur nutzt das nichts, wenn sie mit 12:0 vom TUS Hinterwald vom Platz gefegt wird.

Dann doch lieber gepflegten Geigenunterricht statt Fußball?

Natürlich wäre es naiv, zu glauben, Sport ließe sich von Politik trennen. Die Überlegenheit des Kommunismus musste auch im Sport demonstriert werden, selbst, wenn die Sportler durch das Doping dabei draufgingen. Und die Brasilianer sangen sich die Herzen aus der Brust, wie sehr sie für Neymar und Brasilien und das ganze brasilianische Volk kämpfen würden, um dann sang- und klanglos mit dem miserabelsten Ergebnis ihrer wirklich ruhmreichen Fußballgeschichte im eigenen Land und im eigenen Stadion unterzugehen.

Lasst es einfach. Wir brauchen wieder eine NATIONAL MANN SCHAFT, mit der sich die kleinen Jungs in der Klasse 3a identifizieren können. Seid stolz, dass Ihr den Bundesadler tragen dürft und lasst Euch nicht zu Verkaufsständern für Firlefanz degradieren oder als Haltungspfosten für gesellschaftliche Randgruppen missbrauchen!

Nehmt die Fußballer mit, die es draufhaben, für Deutschland zu spielen, ganz unabhängig von der Hautfarbe. Wenn das nur „PoC“ sind, dann sind das nur PoC. Wenn das nur weiße Almans sind, dann sind das nur weiße Almans. Und wenn das nur Türkischstämmige sind, dann sind das nur Türkischstämmige. Hauptsache, sie identifizieren sich mit dem Land, für das sie spielen und Hauptsache, sie spielen gut. Der Rest drumherum hat im Fußball nichts zu suchen.

Wenn die ganzen steuergepamperten Randgruppenorgas den Regenbogen sehen wollen, dann sollen sie ihre eigene Liga auf die Beine stellen, da ist es dann auch egal und das würde ich mir vielleicht dann sogar ansehen. Wer aber so derartig penetrant schulmeisternd und großmäulig auftritt – der darf sich nicht wundern, wenn er am Ende #WeltmeisternderderHerzen ist. Und sonst nichts. Aber es sind ja noch zwei Spiele zu bestreiten. Und vielleicht spielt die Diversschaft zur Abwechslung ja mal richtig guten und kämpferischen Fußball. Ganz ohne Schulmeistergesten des Besserbuntlands und der CSD-Geschlechtsteilherzeiger.

(Weitere Haltungsartikel des Autors unter www.politticker.de)

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

Bildquelle:

  • One_Love_Binde_WM: thegermanz
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