Ricarda Lang: Sie ist der Endgegner aller Journalisten und ich liebe sie

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von THILO SCHNEIDER

BERLIN: Sie erfährt Anfeindungen, Drohungen, wird ob ihrer Kurven beschimpft und sorgt trotzdem für ein heiteres Gemüt. Nein, die Rede ist nicht von der A3 zwischen Aschaffenburg und Nürnberg, sondern der einzig echten und wahren Vorsitzenden der Grünen, der unverwechselbaren und unverwüstlichen Ricarda Lang. Deswegen will ich mich heute als ihr Fan outen. Wäre sie eine Sängerin, ich hätte alle ihre Platten. Wäre sie Autorin, sie hätte einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek. Würde sie malen, wäre ich ihr Kurator. Wäre sie Rechtsanwältin, hätte sie ihr Studium abgeschlossen. Mit einem Wort: Ich finde Ricarda Lang klasse.

Eloquent ist sie! Auf die Frage, ob denn der Coronazuschuss, den sich die Lebefrau gemeinsam mit anderen feucht-fröhlichen Vorstandsmit- und ohneglieder gegönnt hat, rechtmäßig sei, antwortete sie in etwa: „Wir sind sehr an einer Aufklärung interessiert und wirken entschlossen bei der Aufklärung mit!“ Auf erneute Nachfrage der Reporterin sagte Ricarda Lang in etwa: „Wie ich bereits sagte, sind wir sehr an einer Aufklärung interessiert und wirken entschlossen an der Aufklärung mit!“ Die Reporterin, die anscheinend nicht sehr an ihrem Job hing, fragte erneut nach und Ricarda Lang meinte: „Wir wirken entschlossen an der Aufklärung mit, weil wir sehr an einer Aufklärung interessiert sind.“ Ja, Ricarda ist diesbezüglich der Endgegner aller Journalisten.

Ich mag auch ihre lebensfrohen, bunten Postings bei Instagram oder Twitter: Hier lecker Sektchen, da Ricarda am Swimmingpool, dort ein Foto von einem Schirmchendrink, Ricarda mit ihrem – ja, Mann? Freund? – einem Typen, mit dem sie auf irgendeinen Ball geht, da hinten ein TikTok-Video, wie sich Ricarda in verschiedenen Outfits präsentiert. Garniert hat sie ihr Kurzvideo mit dem Satz: „Die Aufregung aufs Wochenende und die Wahl des neuen Parteivorstands steigt. Welches Outfit wird es wohl?“ Und ich wette, als die Kamera aus war, hat sie sich gesagt: „Druff gschisse. Ich nehme alle!“

Ganz im Gegensatz zu der immer etwas überkandidelten Claudia Roth, der schnellschwätzigen Katharina Schulze (ich wette, Kollegah hat seinen Style von ihr!) oder der angehärmten, Knäckebrot-spröde wirkenden Kathrin Göring-Eckhardt, hat Ricarda Lang etwas Bodenständiges, Lebensbejahendes, ja – Optimistisches. Für die grünen Japperlammen (copyright Helge Lindh) etwas völlig Unübliches. Ihr Leben ist schön und sie lässt uns alle daran mit etwas Spott und feiner Selbstironie teilhaben. Ich mag das. Dabei ist sie nicht einmal aggressiv, anders als beispielsweise das verbale Klappmesser der Berliner SPD, Sawsan Chebli. Die wiederum wedelt mit der Rolex und kommt bei Kritik dann mit irgendwelchen ausgedachten tränendrüsigen Geschichten, garniert mit Perlen wie „ich habe als Kind nur einmal gebadet“. Und das wahrscheinlich zu heiß. Ricarda Lang würde das nie tun. Sie würde gut gelaunt mit den Schultern zucken und sagen „Ja, isso. Ich finde das toll und habe mir das gegönnt!“ YES!

Überhaupt bewundere ich die Chuzpe meiner Ricarda: Will McDonalds verbieten, haut sich aber den BigMac rein. Warum? Weil McDonalds ja noch nicht verboten ist. Na logens! Nimm, so lange und so viel Du kannst. Yolo, das Leben ist viel zu kurz und eigentlich sollten wir alle es uns zwischen Geburt und Tod so nett wie irgend möglich machen. Selbst Christian Lindner, dem man nun sicher nicht vorwerfen kann, ein Trauerkloß zu sein, kann bei Ricarda Lang noch etwas zum Thema „Hedonismus“ lernen. Gerne würde ich Ricarda Lang mal zu uns nach Hause zum Scrabble-Spielen einladen, auch, wenn ich fürchte, sie würde immer nur die drei gleichen Worte legen. Aber wir hätten sicher jede Menge Spaß, der Rotwein und der Aperol würde in Strömen fließen, ich würde Käsespießchen mit so Trauben obendrauf machen (das kann ich nämlich ganz gut!), wir würden Salzstängelchen essen und uns durch sämtliche Pizzasorten von Dr. Oetker futtern. Bei Gott, das wäre es mir wert! Allein schon, um die Anekdoten über die Hardcore-Esoterik-Asketen in der grünen Bundestagsfraktion zu hören: „Ricarda, Du, ich finde, Du solltest vielleicht im Außenauftritt so ein stückweit kürzer…“ „Jaja, oh, da hinten gibt’s Sahneschnittchen bei der AfD. Wir sehen uns!“, oder „Die Tussi da von den Junggrünen mit der Kodderschnauze klaut mir immer die Joghurts aus dem Kühlschrank, obwohl mein Name draufsteht. Irgendwann breche ich der Elster die Finger!“

Ricarda Lang ist der Typ Politiker, der eine Autobahn sperrt, um dann mit dem Porsche drüber zu brettern. Warum? Weil die Autobahn jetzt frei ist! Ich mag ihre Unverfrorenheit und wie sie diese einfach weglächelt. Ich traue mich viel, aber das nicht. „Ich wünschte, ich könnte Euch bei Euren Umweltprotesten gegen den Flugverkehr mehr unterstützen, aber ich bin leider gerade ärgerlicherweise in der Maschine auf die Malediven!“ Hat sie nicht gesagt, aber könnte sie sagen. Und die FFF-Jugend würde andächtig und demütig lauschen und wäre der Meinung, dass das vollkommen in Ordnung ginge. Schließlich ist die Umwelt ja auch auf den Malediven bedroht. Da muss ja eine hin und nachgucken. Und wenn das schon nicht die schnellsprechende Speiseeisprinzessin aus Bayern erledigt, dann eben Ricarda. One gotta do the job!

Seit ich Ricarda Langs Werdegang verfolge, hat sich meine anfängliche Verachtung in Hochachtung -und ja, ich sage es: Liebe – verwandelt. Ich sehe vor meinem geistigen Auge Ricarda in Somalia im SOS-Kinderdorf, wie sie sagt „Kinners, Ihr müsst mehr essen. An Euch ist ja nix dran! Ich geb hier mal ´ne Runde Pizza aus!“ Ich glaube wirklich, sie ist so. Eine ganz humorvolle, warmherzige Person, die am Liebsten jeden knuddeln möchte. Ich sehe sie, wie sie Alison Moyet von der Bühne schubst und selbst singt, ich sehe sie, wie sie Baerbock herzhaft in die Seite knufft und sagt „Anlen, wenn Du mal feministische Außenpolitik auf Jamaika oder Kreta machst, dann nimmste mich aber mit, gell?“
Ricarda Lang wird nie Spenden aus Industrie und Wirtschaft bekommen – aber hey: Als Influencerin und eines Tages vielleicht Spaßbeauftragte wird sie noch jede Menge Geld verdienen! Und es lustig mit vollen Händen ausgeben, egal, wem es gehört! Und Freude dabei haben. Ich mag sie dafür. Für ihre Ehrlichkeit und Authentizität. Man kann ihr auch einfach nicht böse sein. Wenn Ricarda lacht, lachen alle mit! 120 Kilo pralle Lebensfreude! Mega? Mega! Bei Ricarda weiß jeder, woran er isst. Gut so! Go for it, Ricarda. Und lass es Dir nicht mies machen! Meinen Segen hast Du!

(Weitere Elogen des Autors gibt´s unter www.politticker.de)
Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

Bildquelle:

  • Ricarda_Lang_Grüne: imago images
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