„Merkel heißt jetzt Merz. Nein, es ist kein Scherz.“ Wie der CDU-Chef seine größte Feindin instrumentalisiert

Lithografie "Rückgrat" von Weber

von JOSEF KRAUS

BERLIN – Angeblich soll Ex-Kanzlerin und Ex-CDU-Chefin Angela Merkel mit einem Austritt aus der CDU gedroht haben, sollten die Christdemokraten die Brandmauer zur AfD einreißen. Aktuell-Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz soll diese Aussicht besorgt kolportieren, um Diskussionen über ein Schleifen der Brandmauer platt zu machen. Das berichten die üblicherweise gut informierten Portale nius.de und Apollo News.

Diese Perspektive hat einen pikanten Reiz. Erstens könnte damit geklärt werden, ob Merkel überhaupt jemals reguläres CDU-Mitglied oder doch nur ein CD-U-Boot war. Siehe hier

Denn einen üblichen Antrag von Merkel für den Beitritt zur CDU gibt es nicht. Merkel war in der Wendezeit nämlich zunächst Mitglied im Demokratischen Aufbruch (DA): gegründet von Stasi-Spitzel Wolfgang Schnur. Im August 1990 fusionierte der DA mit der CDU. Und schwuppdiwupp war Merkel CDU-Mitglied. Die Kohl-CDU hatte die Mitgliederkartei der DA quasi per passive Kollektivübernahme kannibalisiert. Merkels Aufstieg als „Kohls Mädl“ und als später destruktivste Regierungschefin Deutschlands begann, wiewohl sie ideologisch eher in eine andere Partei passte. Die aber weniger Karrieremöglichkeiten bot.

Zweitens ist es nachgerade pervers, dass nun ausgerechnet Merkel-Nachnachfolger Merz diese Angela Merkel bemüht, um weiter an der längst aus der Zeit gefallenen Brandmauer-Ideologie festzuhalten.

Zur Erinnerung: Merkel hat Merz regelmäßig vorgeführt und gedemütigt: Als sie ihn 2002 vom CDU/CSU-Fraktionsvorsitz wegkickte; als sie ihn bei dessen Kandidatur um den CDU-Vorsitz an Annegret Kramp-Karrenbauer (2018) und an Armin Laschet (2020/2021) direkt oder aus dem „Off“ scheitern ließ.

Da fragt man sich: Was geht in einem Mann wie Merz vor, der sich nun auf eine Frau beruft, die ihn quasi zum Intimfeind befördert hatte?

In einem Mann, der Anfang 2025 getönt hatte: „Links ist vorbei!“ Und der damit vor allem den mehrmaligen Linksschwenk einer entkernten Merkel-CDU gemeint haben konnte. Siehe Euro-Rettung, Aussetzen der Wehrpflicht, Atomausstieg, willkürlich Öffnung der deutschen Grenzen eben auch für Tausende von Gewalttätern.

Wenn Merz sich nun in Sachen AfD, Brandmauer und Co. subaltern an Merkel klammert, dann ist auch das völlig verdreht. Denn die Urmutter der AfD heißt Merkel. Hätte sie 2015 mit der Grenzöffnung nicht eine „Herrschaft des Unrechts“ begründet, wäre die AfD bei der Bundestagswahl 2017 womöglich gar nicht in den Bundestag gekommen. Ganz zu schweigen davon, dass Merz als Kanzler und als Parteichef Merkels gezielt irrlichternde Politik fortsetzt. „Raider heißt jetzt Twix. Geändert hat sich nix.“ So taufte der Mars-Konzern 1991 einen Schokoriegel um. Auf die CDU übertragen: „Merkel heißt jetzt Merz. Nein, es ist kein Scherz.“

Was müsste Merz tun? Er müsste endlich „klar Schiff“ machen. Merkel, die der CDU nach eigenen Worten „nahestand“, hätte längst zusammen mit den ewig-gestrigen, ergrünt-erröteten Merkelianern aus der CDU verschwinden sollen. Das mag die CDU ein paar Wählerstimmen kosten; aber sie wird noch viel mehr dazu gewinnen, wenn sie endlich Merkels bleiernen Schatten hinter sich lässt.

Dem Friedrich Merz aber ist eine schaurige Karikatur/Lithographie zur Förderung des Nachdenkens und der Selbstreflexion zu empfehlen. Sie stammt von A. Paul Weber (1893 – 1980) aus dem Jahr 1934 und trägt den Titel „Rückgrat raus“. Im Zentrum des Bildes steht ein Chirurg/Metzger mit einem großen Schlachtermesser, der Menschen die Wirbelsäule herausoperiert. Herrmann Mostar (1901 – 1973) dichtete 1961 dazu die Verse: „Ein schneller Schnitt, dein Rückgrat fehlt,/ und was dich eben noch gequält,/ Ist jetzt direkt vergnüglich,/ Im Wehrdienst robbt sich’s wie geschmiert,/ Im Amt kriecht sich’s vorzüglich./

 

Bildquelle:

  • Bild_Rückgrat_raus_Weber: auktionshaus wendel

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