Mitreißendes Treffen der bürgerlichen „Schwarmintelligenz“

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ESSEN – Mit 400 Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands fand am Wochenende in Essen die „6. Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“ statt. Das alljährliche nicht-medienöffentliche Netzwerktreffen vereint parteiunabhängige Konservative und Liberale aus allen Teilen der Bundesrepublik und gilt als das wichtigste Netzwerktreffen dieser Milieus in Deutschland. Gastgeber ist der Publizist und Medienunternehmer Klaus Kelle (62, TheGermanZ).

Eine Woche nach der Bundestagswahl, deren Ergebnisse vier weitere Jahre linksgrüner Dominanz erwarten lässt, ging es in erter Linie um eine Standortbestimmung der bürgerlichen Szene. Der sächsische CDU-Politiker Arnold Vaatz übte scharfe Kritik an seiner Partei, die unter Bundeskanzlerin Merkel kein Gespür mehr dafür habe, wie die Stimmung in breiten Teilen der deutschen Bevölkerung ist. Er skizzierte in zehn Punkten Fehlentwicklungen, die unter Führung der Union unser Land in schwere Turbulenzen geführt habe. Breiten Raum nahm dabei die Europapolitik ein, die durch Deutschlands politischen Kurs eine große Entfremdung besonders zu den osteuropäischen EU-Staaten bewirkt habe.

Gerhard Schindler, ehemaliger Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), schilderte die Gefahren für Deutschlands Sicherheit, allen voran durch den internationalen Terrorismus, der nach seiner Ansicht nicht mehr zu besiegen sei, auch wenn der IS und Al Kaida inzwischen deutlich dezimiert wurden. Hackerangriffe aus Russland und China seien ein großes Problem. Schindler forderte die Bildung eines Nationalen Sicherheitsrates, da die bisherige Kooperation von bis zu 40 Sicherheitsdiensten keine effektive Koordination möglich mache.

Prof. David Engels, aus Warschau eingeflogen, entwickelte die Vision eines Vereinten Europas souveräner Mitgliedstaaten zum gegenseitigen Nutzen und als Bollwerk gegen andere große Machtzentren auf der Welt. Voraussetzung dafür sei, eine umfassende Reform der bestehenden EU, die als ersten Schritt klar ihre eigenen Interessen formulieren müsse – so wie Deutschland auch.

Im Interview mit Astrid Passin von der Opferinitiative Breitscheidplatz arbeitete Kelle die Ursachen des islamistischen Terrors in Deutschland heraus. Passin erzähte von der Bürokratie und all den Hemmnissen beim Auffangen von Opfern und Angehörigen nach dem Anschlag vom 19. Dezember 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Erst drei Monate danach habe sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) überhaupt bei den Hinterbliebenen gemeldet.

Mit viel Beifall wurde die Rede des Präsidenten der Deutsch-Ungarischen Gesellschft (DUG), Gerhard Papke, begleitet, der eindrucksvoll schilderte, wie freundlich das ungarische Volk gegenüber den Deutschen eingestellt sei und wie unfreundlich man sich gegenüber dem Land, gezeigt habe, als bei der Fußball-Europameisterschaft die ungarische Nationalmannschaft in Deutschland spielte. „So geht man mit Gästen niemals um“, rief Papke unter starkem Beifall aus.

Mit Spannung erwartet wurde der Auftritt des Bestsellerautors und früheren SPD-Politikers Thilo Sarrazin. Sein Thema war nur am Rande die Massenmigration aus dem islamischen Kulturkreis, genau das Thema, das ihm mit seinem ersten Buch „Deutschland schafft sich ab“ zum einflussreichsten Islam-Kritiker in Deutschland gemacht hatte. „Wir schaffen das – wirklich?“ war sein Vortrag überschrieben, in dem er zahlreiche Fehlentwicklungen im politischen Betrieb unseres Landes aufzählte.

Zu den festen Medienpartnern der Schwarmintelligenz gehört seit Jahren die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Deren Chefredakteur Dieter Stein analysierte die Folgen des Ergebnisses der Bundestagswahl und insbesondere die Situation der AfD. Auch in diesem Jahr gab es keinen AfD-Spitzenpolitiker der Partei beim Schwarm, allerdings kündigte Kelle an, dass sich das in Zukunft ändern werde. Der Gastgeber: „Wir können nicht so tun, als seien die Millionen Wähler der AfD gar nicht da.“

Viel Resonanz erfuhr auch der Buchautor und frühere Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Er warnte vor Lethargie nach den ernüchternden Ergebnissen der Bundestagswahl. Aufgeben sei für Konservative keine Option, und er wurde konkret und forderte Klaus Kelle auf, gemeinsam mit ihm Anfang des kommenden Jahres zu einem großen Treffen verschiedener Netzwerke einzuladen. Kelle sagte sofort zu, und im Laufe des Tages meldeten sich immer wieder Teilnehmer des Treffen, die dabei mitmachen wollen.

Den Abschluss des Tages bildete ein herausragender Vortrag mit vielen Fakten und der einzigen Powerpoint-Präsentation des Tages zum Thema Klimawandel. Ja, den Klimawandel gibt es, sagt Professor Fritz Vahrenholt, ein Sozialdemokrat. Und CO2 hat natürlich etwas damit zu tun, aber die Prognosen, die uns regierungsseitig ständig vorgestellt werden, sind in sich nicht schlüssig, und die Menschheit hat noch Jahrzehnte Zeit, das Problem zu lösen.

Berlin als Zeichen für den Niedergang

Zur alljährlichen Schwarmkonferenz gehört das traditionelle Deutschland-Dinner. Die Deutschland-Rede zu Wildgulasch und Klößen mit Rotkohl, hielt in diesem Jahr der Berliner Abgeordnete Marcel Luthe. Er berichtete von seinen zahlreichen Anfragen an den Berliner Senat und die ausweichenden und nichtssagenden Antworten auf seine konkreten Fragen zu Belangen der Berliner. Im Grunde schilderte er ein System, getragen von Sozialisten und Grünen, das übliche demokratische Verfahren einfach aushebelten und damit durchkommen.

Der Anschluss der Veranstaltung bildete heute Vormittag eine Matinee zur Familienpolitik. Zuvor gab es einen Gottesdienst, der vom ökumenischen Tempelritterorden gestaltet wurde. Über die vielfältigen Angriffe auf die traditionelle Ehe mit Kindern aber auch die Gender-Ideologie diskutierten durchaus auch kontrovers der bekannte Wiener Psychotherapeut Raphael Bonelli, Kerstin Kramer von der Initiative „Demo für Alle“, die Zeitgeistforscherin Kirstine Fratz und der katholische Familienvater Felix Honekamp. Kelle zu seinem Publikum: „Wann haben sie jemals eine Diskussion über Ehe, Familie und Partnerschaft auf einem derat hohen Niveau miterlebt?“

Auch 2022 werde es wieder ein Schwarmtreffen geben, dann in Süddeutschland.

Bildquelle:

  • Schwarm_Plenum: alexander hein
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