Orkan und Tornados: Bahnverkehr in weiten Teilen Deutschlands eingestellt

Anzeigetafel im Kölner Hauptbahnhof. Wegen des Sturmtiefs hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr in NRW eingestellt. Foto: Henning Kaiser/dpa
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OFFENBACH – Das Orkantief über Deutschland wirbelt den Bahnverkehr durcheinander und führt zu starken Einschränkungen. In Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sei der Bahnverkehr bis auf Weiteres eingestellt, teilt die Deutsche Bahn mit.

In Nordrhein-Westfalen war der Fernverkehr komplett eingestellt worden, seit dem Mittag rollen auf einigen Strecken wieder erste Fernzüge. Wie die Deutsche Bahn am Mittag mitteilte, werde der Zugverkehr auf ersten Strecken nach und nach wieder aufgenommen.

Die Bahn riet, sich vor Fahrtantritt zu informieren. Wer seine für diesen Donnerstag geplante Reise verschieben wolle, könne bereits gebuchte Fernverkehrstickets eine Woche bis nach Störungsende flexibel nutzen.

Zugausfälle und Verspätungen

Besonders betroffen seien auch das Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Es komme zu Zugausfällen und Verspätungen. «Hunderte Mitarbeitende sind im Einsatz, um Bäume und andere Hindernisse aus den Gleisen zu räumen, Oberleitungen zu reparieren und Schäden aufzunehmen», teilt eine Sprecherin mit.

Fahrgäste, die aufgrund des Unwetters ihre Reise verschieben wollen, könnten ihr gebuchtes Ticket ab sofort bis einschließlich sieben Tage nach dem Ende der Störungen einlösen.

Der erste kräftige Herbststurm des Jahres brachte vielerorts heftige Böen mit sich, teils auch Gewitter und Regen. Im Laufe des Tages rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in einem Streifen über die Mitte bis in den Osten und Nordosten Deutschlands mit schweren Sturmböen und teilweise orkanartigen Böen von bis zu 105 Kilometern pro Stunde. Im Bergland könne es sogar Orkanböen mit bis zu 120 Stundenkilometern geben.

Tornado bei Kiel

In Schwentinental bei Kiel hat ein Tornado schwere Schäden angerichtet. Feuerwehr-Einsatzleiter Kai Lässig berichtete, er habe den Rüssel des Wirbelsturms selbst gesehen. Der Sturm habe im Ort eine «Schneise der Verwüstung» auf etwa 100 Metern Breite hinterlassen.

Mehrere Häuser seien schwer beschädigt worden, berichtete Lässig weiter. Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Verletzte gab es nach seinen Angaben nicht. Der Sturm sei gegen 7.30 Uhr aus Richtung Kiel durch den Ort gezogen. Er habe unter anderem Gartenhäuser, Wintergärten und Gewächshäuser zerstört.

Warnung vor Sturmflut

Für den Donnerstagnachmittag und -abend warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vor einer Sturmflut an der Nordsee sowie im Weser- und Elbegebiet. Das Hochwasser werde an der Nordseeküste 1,00 bis 1,50 Meter und im Weser- und Elbegebiet etwa 1,50 Meter über dem Mittleren Hochwasser betragen, hieß es. Weitere Sturmfluten am Freitag seien nicht ausgeschlossen. Der Scheitelpunkt in Hamburg-St.-Pauli soll am Donnerstag um kurz nach 18.00 Uhr erreicht werden.
Umgestürzte Bäume, herabgefallene Äste

Vielerorts rückten die Feuerwehren wegen umgestürzter Bäume, herabgefallener Äste und Teile von Dächern aus. Im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg kollidierte in der Nacht ein Güterzug mit einem herabgefallenen Ast auf dem Gleis. Die Berliner Feuerwehr rief den Ausnahmezustand Wetter aus. Seit dem Morgen habe es bereits Dutzende wetterbedingte Einsätze gegeben. In Hamburg-Ohlsdorf stürzten zwei etwa 15 Meter hohe Bäume auf ein Auto und ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus. Verletzt wurde dabei niemand.

Auch in Bayern verursachte der Sturm erste Schäden. Die Polizei meldete Dutzende Einsätze. Teilweise kam es auch zu Stromausfällen. In Düsseldorf rückte die Feuerwehr meist wegen loser Äste, umgekippter Bäume oder Absperrungen an Baustellen aus. In mehreren Orten in der Pfalz sowie in Koblenz fiel am Vormittag der Strom aus.

In Thüringen wurden zahlreiche Einrichtungen wie der Zoopark Erfurt und der Tierpark Suhl geschlossen. Auch städtische Friedhöfe in Erfurt wurden geschlossen, sodass geplante Bestattungen und Trauerfeiern ausfielen.

Dramatische Lage auf dem Brocken

Im Harz kippten zahlreiche Bäume um und versperrten auch einige Straßen, wie der Nationalpark und die Polizei mitteilten. Die Landesforsten und der Nationalpark warnten davor, Wälder zu betreten. «Jetzt in den Wald zu gehen, ist absolut unverantwortlich. Auch wenn der Sturm abgeflaut ist, dann können Bäume noch jederzeit umfallen», warnte Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz am Donnerstagvormittag.

Auf dem Brocken sei die Lage bereits am Mittwoch dramatisch gewesen, sagte Knolle. Besonders Touristen seien unverantwortlich gewesen. Bilder vom Gipfel zeigten demnach Kinder, die dort herumwirbelten und sich nicht mehr hätten halten können, sowie Erwachsene mit Kinderwagen.

«Kurzlebige Tornados» nicht ausgeschlossen

In der Nordhälfte Deutschlands warnte der Wetterdienst vor ostwärts ziehenden Gewittern, bei denen orkanartige Böen mit bis zu 105 Kilometern pro Stunde wehen könnten. «Kurzlebige Tornados» seien dabei nicht ausgeschlossen, hieß es.

Im Laufe des Nachmittags lässt der Wind den DWD-Angaben zufolge von Westen her wieder nach. Es wird insgesamt kühler. Am Donnerstag liegen die Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad, im Westen und Norden zwischen 12 und 15 Grad.

Schäden auch in den Nachbarländern

Auch in den Nachbarländern Frankreich und Niederlande hat der Sturm für Schäden gesorgt. In Nordfrankreich haben heftige Sturmböen am frühen Morgen Störungen im Verkehr und bei der Stromversorgung verursacht. Etwa 250.000 Haushalte seien ohne Strom, schrieb Netzbetreiber Enedis auf Twitter. Allein in der Normandie waren demnach 80.000 Haushalte betroffen. Im Norden und Nordwesten des Landes kam es teils zu massiven Zugausfällen. Auch in der Region um Paris herum war der Verkehr eingeschränkt. Die Sturmböen waren laut Météo France mit bis zu 175 Kilometern pro Stunde über das Land gezogen.

In den Niederlanden wurden mindestens vier Menschen etwa durch herabfallende Dachziegel und entwurzelte Bäume leicht verletzt, wie die Behörden mitteilen. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol meldete, dass Flüge gestrichen werden mussten. Passagiere müssten mit großen Verspätungen rechnen. Auch der Zugverkehr wurde durch das Sturmtief beeinträchtigt.

Auf einem Campingplatz in Zelhem im Osten des Landes nahe der deutschen Grenze waren Bäume auf Wohnwagen und Ferienhäuser gefallen. Menschen wurden nicht verletzt, wie ein Mitarbeiter des Campingplatzes im Radio sagte. In der Nacht hatte es auch Schäden in einem Wohnviertel in Barendrecht bei Rotterdam gegeben. Schuppen waren eingestürzt und Dachziegel herabgefallen. Drei Personen waren leicht verletzt worden.

Bildquelle:

  • Anzeigetafel: dpa
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