BAMAKO – Nach heftigen Kämpfen in der nordmalischen Stadt Kidal haben sich Einheiten der Armee und ihrer russischen Verbündeten zurückgezogen. Auslöser waren heftige Angriffe der separatistischen „Azawad Liberation Front“ (FLA) und verbündeter islamistischer Gruppen am Wochenende. Dabei kam es zu andauernden Gefechten gleich in mehreren Regionen des Landes.
Dem Angriff der FLA-Rebellen, die primär als nationalistisch-separatistisch eingeordnet werden, hatten die Kämpfer des russischen Afrikakorps, das aus der früheren Wagner-Gruppe hervorgegangen war, nichts entgegenzusetzen.
Russland hatte seinen Einfluss in Mali in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt ausgebaut und frühere westliche Partner wie Frankreich verdrängt. Auch die Bundeswehr war im Rahmen der UN-Mission Minusma bis Dezember 2023 in Mali.
Hauptziel der FLA ist die Unabhängigkeit oder zumindest weitgehende Autonomie der Region Azawad im Norden Malis für die dort lebenden Tuareg und Araber. Im Gegensatz zu dschihadistischen Gruppen strebt die FLA keinen grenzüberschreitenden Gottesstaat oder die Einführung der Scharia in ganz Mali an.
Obwohl die Lage im Norden Malis komplex ist, lassen sich die FLA und dschihadistische Milizen klar voneinander abgrenzen.
Die FLA ist nationalistisch geprägt und versteht sich traditionell als säkular. Sie kämpft für das Selbstbestimmungsrecht eines Volkes, nicht für eine religiöse Weltordnung. Während Islamisten wie die JNIM (mit Al-Kaida verbunden) eine radikale Auslegung des Islam erzwingen wollen, fordert die FLA die politische Souveränität über ihr Territorium.
Bei den Angriffen am Wochenende wurde auch Malis Verteidigungsminister Sadio Camara getötet. Er starb bei einem Anschlag auf seinen Wohnsitz nahe Bamako. Camara galt als wichtiger Ansprechpartner Russlands und als zentrale Figur der militärisch geführten Regierung.
Kidal liegt im Norden Malis am Rand der Sahara und gilt seit Jahren als Hochburg der Tuareg-Separatisten. Die Stadt war Ende 2023 mit Unterstützung russischer Söldner zurückerobert worden. Dass sich die Regierungstruppen und ihre Verbündeten nun wieder zurückziehen, deutet auf eine deutlich verschlechterte Sicherheitslage hin.
Die massiven Menschenrechtsverletzungen durch russische Söldner haben die Stimmung in Mali erheblich verschlechtert. Zunächst gegen die Wagner-Gruppe, dann gegen Kämpfer des Afrikakorps. Internationale Organisationen wie die UN und Human Rights Watch (HRW) haben zahlreiche Vorfälle systematischer Grausamkeit der Russen gegenüber der Zivilbevölkerung dokumentiert.
Immer wieder führten russische Einheiten gemeinsam mit der malischen Armee Operationen durch, bei denen zahlreiche Zivilisten ohne Gerichtsverfahren hingerichtet wurden. Das Massaker von Moura im Jahr 2022 gilt dabei als einer der schlimmsten Vorfälle. Innerhalb weniger Tage wurden laut UN hunderte Menschen, vor allem Männer, getötet. Es gibt Berichte über grausame Foltermethoden, Enthauptungen und den Raub von Organen. Frauen wurden während Durchsuchungen und Operationen Opfer von Vergewaltigungen durch russische Söldner.
Nach der militärischen Niederlage Russlands in Syrien gegen die Dschihadisten, der strategischen Niederlage in Venezuela durch das Eingreifen der USA gegen Maduro, durch das offene Abwenden Armeniens von Moskau und die ständigen Erfolge der Ukraine beim Kampf auch auf dem Gebiet der Russischen Föderation, wird deutlich, dass sich Russland übernommen hat und Putins Traum von der wieder auferstehenden Sowjetunion nichts als ein Popanz ist.
Bildquelle:
- Bamaki_Mali: adobe.stock/usman
