Gewaltverbrecher, keine „Motorradromantik“: Großrazzia mit 1200 Polizisten in NRW gegen die „Hell’s Angels“

SEK-Beamter

LEVERKUSEN/DÜSSELDORF – Seit vier Uhr heute Morgen sind 1.200 Polizisten, darunter SEK-Spezialkommandos, in 28 Städten unterwegs, um 50 Wohnhäuser und Büros zu durchsuchen. Hintergrund sind Ermittlungen gegen die Rockergruppe „Hells Angels“, insbesondere im „Charter“ Leverkusen, das gleichzeitig vom NRW-Innenministerium verboten wurde.

Der Gruppe werden Gewalt- und Rohheitsdelikte, räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Neben konkreten Fällen stehen die kriminellen Strukturen dieses Milieus insgesamt im Mittelpunkt, denn das Leverkusener „Charter“ gilt als treibende Kraft bei der Kontrolle von Rotlichtbetrieben in der Region. Gegen einzelne Führungspersonen des Leverkusener Ablegers wurde bereits in der Vergangenheit wegen Delikten ermittelt, die eng mit Drogen-, Waffen- und Menschenhandel sowie der Erpressung von Schutzgeldern zusammenhängen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bekräftigte am Vormittag in einer Pressekonferenz, dass es hier um einen Schlag gegen eine höchst kriminelle Vereinigung gehe und nicht um harmlose „Motorradromantik“.

Die Polizei nutzt das Verbot des „Vereins“, um Vermögen bis zu 2,5 Millionen Euro zu sichern und Beweismittel wie Datenträger, Handys und illegale Waffen zu beschlagnahmen, um die kriminellen Strukturen dauerhaft zu zerschlagen. Die aktuelle Razzia ist einer der größten Einsätze zur Bekämpfung der Rockerkriminalität in der Geschichte des Landes.

Federführend sind die Polizei Düsseldorf und die Spezial-Staatsanwaltschaft der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS NRW). In Langenfeld wurde ein 46 Jahre alter Beschuldigter festgenommen.

Konkret fanden die Durchsuchungen in Leverkusen, Köln, Langenfeld, Monheim, Solingen, Dortmund, Oberhausen, Ahaus, Velbert, Duisburg, Bergheim, Gummersbach, Kempen, Herne, Voerde, Bielefeld, Bochum, Dinslaken, Lünen und Marienheide statt.

In Nordrhein-Westfalen waren bereits in den vergangenen Jahren immer wieder „Hells Angels“-Charter verboten worden.

Die „Neue Westfälische“ (Bielefeld) hatte erst jüngst berichtet, dass die „Hells Angels“ nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes (LKA) 29 Ortsgruppen in NRW unterhalten. Mit 469 Mitgliedern sei der Club zuletzt stark gewachsen – unter anderem durch Überläufer der eigentlich verfeindeten „Bandidos“.

Bildquelle:

  • SEK_Razzia: adobe.stock/pixelkram

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